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Der Christ der Zukunft - ein Mystiker?

Geschrieben von Frank Viohl
Als Antwort auf: Der Christ der Zukunft - ein Mystiker? von Manfred Gerland

Erfahrungen mit Mystik machen, da bin ich ganz sicher, viele Menschen. Bei mir fing das an in einer Phase der Besinnung und Neuorientierung; mir fiel u.a. ein Buch von Anthony de Mello "Meditieren mit Leib und Seele" in die Hände. Daß es so viele, einfache Wege gibt, mit Gott zu reden; Gott reden zu lassen, das war für mich eine Entdeckung, es hat mich freier gemacht.
Ich glaube, daß die mystische Tradition unserer Kirchen ein Schatz sind, den es neu zu entdecken gilt. Sie, Herr Gerland, sind ja feste dabei und das macht Mut.

Was erwarte ich von den christlichen Kirchen? Ehrlich gesagt, nicht viel. Wenn ich unsere evangelischen Gottesdienste erlebe und merke, wie schwer es ist, selbst kleine Veränderungen z.B. in der Gestaltung des Abendmahls zu erreichen, habe ich nicht viel Hoffnung. Die Distanz, die viele Menschen zu sich selbst, insbesondere zu ihrem Körper, haben, wird natürlich auch in unseren Gottesdiensten deutlich. Wir ekeln uns voreinander (Intinctio); trotzdem feiern wir miteinander das Mahl unseres Herrn.
In der DDR haben wir erlebt, wie die Kirche auf dem Weg zu einer Bekenntniskirche war, das führte zur Konzentration und hat am Ende Kräfte freigesetzt für Veränderungen. Dieser Prozeß steht in der alten Bundesrepublik noch aus. Ob die Kirchen diesen Prozeß mit dem "Strom ihrer mystischen Erfahrungen" gestalten oder nicht, wird das Ergebnis wesentlich beeinflussen. Insofern will ich die o.g. Frage gern mit Ja beantworten.