| | Am Sonntag, dem 11. Juli 2010, gibt es Grund zum Feiern. Der Evangelische Kirchenkreis Eschwege, die Evangelische Kirchengemeinde Germerode, die Klostergesellschaft Germerode e.V., der Pfarrer für Meditation und geistliches Leben im Kloster Germerode und die Evangelische Communität Koinonia laden gemeinsam ein zu einem Gottesdienst mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein um 14.00 Uhr in der Klosterkirche. Die Einweihung des neuen Konventsgebäudes sowie Begegnungen bei Kaffee und Kuchen schließen sich an. Wir laden alle, die sich dem Kloster Germerode verbunden fühlen, ein, dieses besondere Ereignis mit zu feiern.
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| | Vom 18. bis 25. März 2010 unternahmen 16 Pilgerinnen und Pilger eine beeindruckende Wüstentour im Sinai, die von Pfr. Dr. Manfred Gerland vom Kloster Germerode vorbereitet und ausgeschrieben war. Unser Guide Israel Ariel hat uns die Wüste in ihrer Faszination aber auch in Kargheit und Strenge wunderbar erschlossen. Jenseits aller Touristenströme wurde die Wüste zu einem Ort der Herausforderung und Klärung, wir sind verändert wieder herausgekommen. Noch lange werden wir von den Erfahungen zehren.
Hier ein Auszug aus dem Reisetagebuch:
"Wir starten zu unserem ersten gemeinsamen Gang, den wir nach einem geistlichen Impuls im Schweigen zurücklegen bis wir in ein Seitental, einen Canyon, einbiegen, wo wir direkt auf ein Beduinenzelt zulaufen. Hier werden wir unsere ersten zwei Nächte verbringen.
Auf unserem Weg sind wir auf eine Ansammlung von ca. 20 runden Steinhäusern getroffen, es sind Beinhäuser, in denen die Knochen vieler Gräber aus der Umgebung zusammengetragen wurden. Alle Eingänge zeigen nach Westen. Aus Angst vor eventuellem Unglück wurden diese Gräber in der Vergangenheit nicht zerstört. Ein Impuls für den Schweigeweg:"Gott widersteht den Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade." Demut, Respekt vor Gott, vor der Wüste - beide sind hier vergleichbar…Ehrfurcht. Demut (lat. humilitas) = nahe am Boden, mit dem Boden in Kontakt, offen gegenüber dem Himmel.
Samstag, 20. März 2010
Um 6.00 Uhr ist die Nacht zu Ende, die Sonne geht auf und erleuchtet auch unser Tal. Es ist noch kalt, aber die Sonnenstrahlen wärmen angenehm. Der ständige Wind hat keine Ruhe gegeben, hat an den Zeltwänden gezerrt. Nach dem leckeren Frühstück und dem Morgengebet führt uns Israel, unser Guide, zu einer Bergbesteigung. Die riesigen Sandsteinfelsen wirken von innen wie große Kathedralen. Die Kletterei ist nicht ungefährlich, aber macht Freude und gibt so manchem(r) von uns verlorenes Vertrauen in die eigene Kraft zurück. Als wir dann noch wie Kinder eine steile Düne herab laufen, rollen, springen, ist der Bann gebrochen. Freude über das eigene Können und Zutrauen in die eigene Kraft geben ein neues Selbstwertgefühl.
Israel hat einen schönen Platz ausgewählt, von dem aus wir den Sonnenuntergang bestaunen können. Danach eine Andacht zu Psalm 51:"Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen beständigen Geist". Reinheit, Klarheit, Beständigkeit - was ist jetzt dran, was will Gott von mir? Diese Tugenden wachsen in der Wüste…
Im Schweigen gehen wir nun mit dem Impuls zurück in unser Lager, während es langsam dunkel wird.
Wir freuen uns schon auf die abendliche Runde im Beduinenzelt beim Kerzenschein. Vor dem Abendessen sitzen wir auf dem Boden im Halbrund und erzählen reihum etwas von den Erfahrungen und Gedanken des Tages. Alle sind sehr zufrieden und willigen auch sofort ein, als Israel den Vorschlag macht, statt in den Rummel des Mosesberges und des Katharinenklosters einzutauchen, mehr Zeit für die Wüste zu haben und hier authentische Erfahrungen zu machen.
Sonntag, 21. März 2010
Erste Geräusche von der Zubereitung des Frühstücks durch Ahmad, unseren Koch, dringen an unser Ohr. Die Nacht war kalt, aber jetzt wärmen schon die ersten Sonnenstrahlen. Wir haben eine kurze "Katzenwäsche": Zähneputzen und zwei Hände voll Wasser für das Gesicht müssen reichen. Wir merken, wie kostbar Wasser hier ist und benutzen es fast nur zum Trinken. Nach der morgendlichen Körperübung mit Taufgedächtnis werden wir wieder zu Tisch am Boden gebeten. Es gibt leckeren Porridge mit Obst, Nüssen, Honig, Kokosflocken, es mundet wunderbar.
Wir schlagen unsere Zelte ab, denn schon kommt eine Karawane Kamele, um uns samt Gepäck zu unserem nächsten Lagerplatz zu bringen. Aufsteigen, festhalten, sich den Bewegungen des Kamels anpassen, all das will geübt sein. Schließlich ziehen wir los und durchqueren eine Sandwüste und biegen in einen engen Canyon ein. Schon wieder wechselt die Landschaft ihr Aussehen. Vor einem Monat soll es hier geregnet haben, was äußerst selten vorkommt. Deshalb sind allenthalben grüne Pflanzen, zum Teil sogar mit Blüten zu finden. Die Kamele können nicht widerstehen und fressen alles, was in ihre Nähe kommt. Langsam gewöhnen wir uns an das Sitzen und Schaukeln auf dem Kamelrücken, einige erleben die Harmonie der Bewegung, wie sie mit dem Tier verschmelzen, andere haben nach einiger Zeit genug und wollen so schnell wie möglich wieder runter. Zwischendurch erzählt uns Israel, unser Guide, immer wieder die biblischen Geschichten aus der Wüste, von Abraham, Isaak, Jakob und Esau, vom Exodus aus Ägypten oder von Elia, Saul und David. Seine allegorischen Deutungen sind hochinteressant, finden spontane Zustimmung oder lassen uns nachdenklich und fragend zurück.
Unterwegs fallen uns immer wieder die bizarren und schönen Sandsteinformationen auf, wir staunen und freuen uns an ihnen.
Da immer wieder ein leichter Wind weht, halten wir auch die Hitze aus. Es sind bis zu 30 Grad im Schatten, aber es gibt nur eine geringe Luftfeuchtigkeit, sodass wir wenig bzw. gar nicht schwitzen.
Nach der Mittagspause wechseln die Reiter, und eine geübte Gruppe steigt mit dem Guide zu einem Gebirgskamm auf, der eine wunderbare Fernsicht ermöglicht. Am Horizont sehen wir den Katharinenberg mit 2.600 Metern der höchste Berg des Sinai, nicht weit davon entfernt den Mosesberg.
Mit dem Sonnenuntergang erreichen wir unser Camp, das fleißige Hände bereits aufgebaut haben. Wieder eine neue Landschaft mit Blick in die Ferne. Die Nacht wird deutlich wärmer als zuvor, sodass einige auch unter dem offenen Sternenhimmel schlafen, der immer wieder zu Begeisterungsrufen Anlass gibt.
Montag, 22. März 2010
Da wir an diesem Tag noch die Kamele bei uns haben, machen wir am Vormittag einen Ausritt, die anderen laufen. Der Weg führt uns durch eine weite Ebene zu einer hohen Sanddüne. Wieder macht es großen Spaß, sich den Berg einfach herunterrollen zu lassen und wie die Kinder einfach zu toben und zu tollen. In einem weiten Bogen kehren wir zum Mittag zurück ins Lager.
Mittlerweile macht der Durchfall die Runde, nicht nur unser Magen, sondern unsere ganze Konstitution sind weder auf dieses Klima noch auf das Essen vorbereitet. Außerdem scheint es eine Art Reinigungsprozess zu sein, es muss etwas heraus, bevor Neues aufgenommen werden kann. Das Essen ist im Übrigen ausgezeichnet und sehr wohlschmeckend. Von unserem Koch Ahmed wird alles frisch angerichtet und über dem Lagerfeuer gekocht.
Am Nachmittag zeigt uns Israel wundervolle Steinformationen in herrlichen Farben, die anderen können noch einmal auf den Kamelen ausreiten. Als unterhaltsamen Abschluss gibt es ein Kamelrennen der Beduinen.
Geistliche Impulse sind nicht einfach zu setzen, wenn man vorher noch nicht in der Wüste war. Ich konzentriere mich also auf die Darstellung von Tugenden und Haltungen, die in der Wüste notwendig sind bzw. hier geformt werden: Klarheit, Reinheit, Demut und erzähle von dem Leben der Wüstenväter als Einstimmung auf den morgigen Stillen Tag, den alle sich gewünscht haben.
Gestern, am Sonntag, haben wir im Beduinenzelt Abendmahl gefeiert. Ahmed hat extra Brot dafür gebacken. Es war eine sehr feierliche und konzentrierte Feier. Die Predigt hatte das Thema: Lebensübergänge, am Beispiel von Jakobs Kampf am Jabbok ausgelegt.
So hat Jesus sicher oft Gastmahl gehalten bzw. sich einladen lassen.
Dienstag, 23. März 2010
Der stille Tag beginnt mit einem sehr beeindruckenden Ritual. Ein Lamm wird geschlachtet, das wir am Abend verspeisen wollen. Zuerst wird das Messer am Stein gewetzt und dann schneidet ein Beduine dem Lamm die Kehle durch, während der andere es festhält. Das Ganze geschieht in großer Würde und Respekt vor dem Tier und ist nicht zu vergleichen mit Schlachtszenen bei uns zuhause. Sofort kommt die Assoziation aus Jesaja 53,7: "… er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird…".
Als Impuls und Text für die Stille dient die Versuchungsgeschichte Jesu nach Matthäus 4. Gegen Abend machen wir mit unserem Guide einen Schweigeweg, der uns an wundervollen Naturdenkmalen vorbeiführt, auf einem kleinen Berg bewundern wir den Sonnenuntergang. Zum Abendessen wird Lammfleisch auf einem Reisrisotto mit Gemüse serviert, es schmeckt köstlich. Mittlerweile haben wir uns an das Essen auf dem Boden gewöhnt und können uns gar nicht vorstellen, dass dies nun die letzte Nacht in der Wüste ist.
Wir haben noch eine sehr gute Austauschrunde, in der jede(r) seine (ihre) Erfahrungen über den Tag der Stille erzählen kann. Auch in der Wüste - so zeigt sich - gibt es Probleme, um still zu werden. Mein Impuls, Fazit dieser Runde: aus der Weisheit der Wüstenväter: "Geh in dein Kellion (Einsamkeit der Hütte) und dein Kellion wird dich alles lehren."
Dankbarkeit und Wehmut über den Abschied vom Sinai überkommen uns.
Wir sind vor allem unseren Guide Israel Ariel sehr dankbar, der uns die Wüste so eindrücklich erschlossen hat. So war diese Wüstentour ein einziges Trainingslager mit vielen spirituellen und auch therapeutischen Impulsen und Herausforderungen, die uns zugemutet wurden, die wir angenommen und gemeistert haben und an denen wir innerlich gewachsen sind. Die wunderbaren Bilder, die große Stille, die Schönheit und Weite der Wüste haben sich tief in unsere Seelen eingegraben, dort werden sie weiter nachwirken.
Soli deo gloria! Gott allein sei Ehre und Ruhm und Dank!
Manfred Gerland
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| | soeben erschienen und kann auf Wunsch zugesandt werden.
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| | Mit symbolischen Hammerschlägen wurde heute der Grundstein gelegt für ein neues Wohngebäude mit Forum, Kreuzgang und Garten im Kloster Germerode. Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage Germerode, der örtlichen Kirchengemeinde, der Communität Koinonia, des Architekturbüros, Bauhandwerker und zahlreiche weitere Gäste hatten sich auf der neu gegossenen Bodenplatte des Hauses versammelt und baten Gott um seinen Schutz und Segen für das Bauvorhaben. Der Vorsitzende der Klostergesellschaft Hans Günter Ludwig erinnerte in seiner Predigt an das Wort des Apostels Paulus: "Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1. Korinther 3,11). In einem Zylinder wurden eine Urkunde über die Grundsteinlegung, die Baupläne, eine Tageszeitung und ein Satz Münzen eingelegt und in den Grundstein versenkt. Im Anschluss an den Gottesdienst erinnerte Oberlandeskirchenrat Dr. Frithardt Scholz an die langjährigen Bemühungen um den Erhalt der Klosteranlage. Er ermutigte die Klostergesellschaft, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen. In Vertretung des Bürgermeisters bezeichnete Hans-Dieter Müller die Klostergesellschaft als einen "Glücksfall" für Germerode und dankte ihr für ihr langjähriges Engagement. Er bot auch weiterhin eine harmonische Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde an. Dr. Wolfgang Kubik von der Communität Koinonia, die bis zum nächsten Osterfest in den Neubau einziehen möchte, erinnerte an die Vergänglichkeit aller Gebäude. Es komme darauf an, die Steine des Gebäudes durch "lebendige Steine" zu ergänzen und den Neubau mit christlichem Leben zu erfüllen. Schließlich bezeichnet Ursula Baumgärtel-Blaschke vom Amt für den ländlichen Raum die Ideen und Vision im Kloster Germerode als das eigentliche Fundament. "Vertraut den neuen Wegen", rief sie den Anwesenden zu, und ermutigte alle Akteure zur Zusammenarbeit. Als besondere Überraschung schenkte sie der Klostergesellschaft eine große Mappe mit Plänen der Klosterkirche, die im Zusammenhang mit Umbaumaßnahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden waren. Mit einem Imbiss und Vorfreude auf die Fertigstellung des Gebäudes schloss die Veranstaltung.
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