Aktuelles
 
 Freitagabend, kurz vor Acht; ich komme total geschafft von einem stressigen Tag nach Hause. Seit kurz nach Sieben am Schreibtisch, dann noch ein Besuch und jede Menge Besorgungen: immer wieder packe ich viel zu viel in meinen Tag. Morgen steht Samstagspilgern auf dem Programm. Im Moment ist mir eher nach Abschalten und Ausruhen, andererseits weiß ich aus Erfahrung, wie gut mir das Pilgern tut: Nur dieses eine Stück Weg unter die Füße nehmen, offen sein für Begegnungen mit Gott und Menschen - es ordnet meine Unruhe und Hektik und hilft mir, gelassener zu werden.

Am Samstagmorgen wache ich gut gelaunt auf, obwohl ich nur viereinhalb Stunden schlafen konnte; zu aufgedreht war ich nach dem übervollen Tag. Egal, die Sonne strahlt vom blauen Himmel und ich freue mich aufs Gehen - und gehe schon mal zum Zug. Ich habe mich mit meiner Freundin Gudrun, ihrem Mann Niko und ihrer zehnjährigen Tochter Sarah-Sophia verabredet. Das ist ein Hallo, als ich sie am Bahnhof in Melsungen entdecke - und wir starten gleich mit Reden und Picknick (Zugfahren macht hungrig!). Weitere Pilger steigen zu; wir entdecken und begrüßen uns. Um 8.44 Uhr fährt unser Zug pünktlich in den Bahnhof von Eisenach ein; Treffpunkt ist um 9 Uhr an der Nikolaikirche. Das schaffen wir locker. Vierundzwanzig Pilger trudeln langsam ein. Manfred Gerland gibt einige Informationen zum Pilgern und erklärt, dass wir teilweise schweigend gehen werden, um den Impulsen auf dem Weg für uns persönlich nachzugehen. Auf diese Zeiten freue ich mich besonders; bisher gab es da immer irgendwelche überraschenden Gedanken und Erkenntnisse für mich.

Mit einem Lied und dem Reise-Segen brechen wir auf; das mit drei Rosen geschmückte Kreuz wird voran getragen. Zuerst wandern wir hinauf zum Elisabethplan. Dort steht eine Statue der Heiligen Elisabeth mit einen Strauß Rosen im Arm. Wir machen die erste Pause. Manfred Gerland erklärt, dass "Grenzen überschreiten" unser heutiges Pilger-Thema ist. Elisabeth hat mit ihrem für den Adel provokativen Leben ständig Grenzen überschritten; sie hat sich Armen und Kranken zugewandt, statt ihre gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen. - Danach pilgern wir schweigend hinunter nach Eisenach und kehren noch kurz in der Georgenkirche ein. Dort haben Elisabeth und Ludwig geheiratet. Manfred Gerland erzählt uns, dass die Beiden sich in herzlicher Liebe zugetan waren und dass Ludwig Elisabeths Einsatz für die Armen immer unterstützt hat.

Wir bekommen noch eine Information zu den alten Handelswegen, auf denen wir nun unterwegs sein werden, und verlassen Eisenach in Richtung Hörschel. Auf dem Weg dorthin gibt es einen Impuls unter dem Thema "Elisabeth überschreitet Grenzen" mit drei Bibelversen und drei Fragen, die wir dann auch schriftlich bekommen:

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum." Psalm 31,9
"Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt, spare nicht!" Jesaja 54,2
"Geben ist seliger als Nehmen." Apostelgeschichte 20,35

Fragen zum Nachdenken und Meditieren:
1. Wo bzw. was ist mein Käfig, wodurch lasse ich mich begrenzen und einengen?
2. In wieweit bin ich abhängig von dem, was Familie, Arbeitskollegen etc. von mir denken?
3. Wie kann ich es lernen, die Sorge um mich selbst zu überwinden und meine Gaben und Talente zum Wohle anderer einzusetzen?

Schweigend nehme ich die Bibelworte in mich auf, wiederhole sie in meinem Inneren und lasse sie zu mir sprechen. "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" ist die Zusage Gottes, die meine durstige Seele trinkt und hofft und glaubt. Ich erkenne, dass ich mir meinen Weg oft selbst verenge und viel zu viele Belastungen mit mir herumschleppe, die ich gar nicht tragen muss. Im Gehen lasse ich einiges von dem los, was mich beschäftigt und lege es Jesus vor die Füße. Das erleichtert - und ich spüre langsam etwas von dem "weiten Raum", den Gott für mich vorbereitet hat.

Wir beginnen unsere Mittagspause an einem idyllisch gelegenen Teich vor Hörschel mit dem Austausch über das, was wir während der Schweigezeit mit dem Text und den Fragen erlebt haben. In meiner Gruppe sind acht Frauen - und jede hat etwas für sich mitgenommen aus dem Beschäftigen mit den Bibelversen und Fragen: ein Geschenk, das wir miteinander teilen.

Gestärkt wandern wir durch Hörschel bis zur Kirche nach Spichra. Der Brunnen erfrischt mit seinem kühlen Wasser unsere sonnenheißen Gesichter und Arme; Sarah nimmt gleich ein Vollbad und ist pitschnaß. Wir bekommen noch einige Informationen zur Kirche, bevor wir Richtung Wilhelmsglücksbrunn aufbrechen. Auf dem Weg dorthin üben wir das Herzensgebet ein. Beim Einatmen: Jesus Christus - beim Ausatmen: Erbarme dich meiner. Dreimal halten wir an, um die Namen von Menschen in die Mitte zu nehmen, die in sich selbst gefangen sind, die am Ende ihrer Kräfte sind oder am Übergang in die Ewigkeit stehen. Wir bitten für sie und uns.

In der Liboriuskapelle in Creuzburg sind viele Stationen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth an die Wände gemalt. Vieles ist verwittert und nur schwer zu erkennen. Manfred Gerland gibt uns einige Einblicke und verabschiedet uns dann mit dem Segen. Wir singen noch gemeinsam: "Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein; sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein. Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott dich fest in seiner Hand; und bis wir uns wieder sehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!" Ich singe dieses Lied voller Inbrunst und Dankbarkeit. Für mich hat es sich wieder mal ereignet, dass das Unterwegssein mit Gott und Menschen meine Seele von überflüssigem Ballast befreit hat. Ich kann wieder neu durchatmen und gelassen auf die nächsten Tage zugehen in der Gewissheit: Gott ist da und stellt meine Füße auf weiten Raum, den es noch zu entdecken gilt.

Margit Lambach, Kassel


Die Wege waren sehr schön, weil sie mitten in der Natur waren und wir viele Tiere gesehen haben. Eine Grille habe ich sogar in meiner Hand gehalten und dann war da noch ein Eichhörnchen und eine Katze, die ich streicheln konnte.

Der Brunnen hatte schön kaltes Wasser, das sehr erfrischend war.

Die Lieder und Reden haben mir auch sehr gut gefallen, genau so wie das Konzert!!!

Sarah aus Melsungen, 10 Jahre

Zurück...