Einsichten

Freude im Advent

Viele Menschen sind in diesen Tagen unterwegs, um anderen zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Sie wenden viel Zeit und Energie auf, um ein passendes Geschenk zu finden. Aber bereits die Frage im Vorfeld, was dem Anderen Freude machen könnte, bereitet Kopfzerbrechen. Eigentlich hat er oder sie doch schon alles… Die manchmal verzweifelte Suche auf Weihnachtsmärkten, in Geschäften oder im Internet führt auch nicht immer zu einem befriedigenden Ergebnis. Das kann wirklich Stress bedeuten. Andere sind dazu übergegangen, keine materiellen Dinge, sondern gemeinsame Zeit zu schenken: einen Gutschein für ein gemütliches Kaffeetrinken, einen Theaterbesuch, ein gemeinsames Essen zu zweit. Es gibt aber auch die begeisterten Schenker/innen. Ihnen macht das Schenken selbst eine große Freude. Manchmal kann man aber auch beim Schenken die zu Beschenkenden mit ihren Wünschen und Vorlieben aus dem Auge verlieren und im Glück des Schenkens eher bei sich als beim Anderen sein. Kurzum: Es ist wirklich nicht einfach mit dem Schenken und der Freude an Weihnachten.
Dabei vergessen wir manchmal, dass unser Schenken ja nur ein Abbild des großen Geschenks ist, das Gott uns mit der Geburt seines Sohnes gemacht hat. Er ist in seinem Schenken nicht bei sich geblieben, sondern ist ganz und gar, mit Haut und Haaren, zu uns gekommen mit seiner Liebe und Freundlichkeit, um uns aus unserer Gottesferne zu erlösen. Wenn an Weihnachten ein Geschenk wirkliche Freude auslöst, dann weil es dem Anderen sagt: ich habe an dich gedacht, du bist mir wichtig, ich hab dich lieb. Und diese Freude ist ein Abglanz der viel größeren Freude, von der die Weihnachtsgeschichte erzählt und die wir in diesen Tagen erwarten. Am vierten Advent werden wir zur Vorfreude auf das Fest und das Kommen Jesu eingeladen und eingestimmt. "Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!" (Phil 4,4)
Dr. Manfred Gerland, Pfarrer für Meditation und geistliches Leben im Kloster Germerode

Der Weg

Seine Freundlichkeit ließ seine Größe klein erscheinen.
ER wurde ein Mensch wie ich, damit ich ihn erfassen konnte.
Seine Gestalt war wie meine, do dass ich ihn anziehen konnte.
Als ich ihn sah, verließ mich Furcht und Zittern, denn er ist Gnade für mich.
Er nahm die menschliche Natur an, damit ich ihn verstehen konnte,
er wurde mir ähnlich, damit ich nicht vor ihm zurück wich.
Gott hat dem Menschgewordenen erlaubt,
zu denen zu gehen, die sein eigen sind, dass sie ihn als Schöpfer erkennen
und sich nicht einbilden, sie hätten sich selbst erschaffen.
Denn er hat den Weg gewählt, Menschen zur Einsicht zu bringen.
Er hat den Weg so breit und lang gemacht,
dass er zurück zum Himmel führt,
und darauf Spuren seines Lichts hinterlassen.
So führte der Weg vom Anfang bis zum Ende.

aus den "Oden Salomons"

Wir wünschen Ihnen allen Mut und Freude den Spuren Seines Lichtes im neuen Jahr zu folgen!

Lichtmess

Mariae Lichtmess. Das Ende der Weihnachtszeit. 40 Tage nach der Geburt bringen Maria und Joseph ihren Sohn in den Tempel, um "ihn dem Herrn darzustellen". In diesem jüdischen Ritual bringen die Eltern ihr Kind vor Gott, um es ihm zur Verfügung zu stellen. Ähnliches tun heute Eltern, wenn sie ihr Kind zur Taufe bringen: Sie geben Gott zurück, was sie von ihm empfangen haben. Diese Übergabe des Kindes geschieht in großer Dankbarkeit: "Ich komme bring und schenke dir, was du mir hast gegeben" so beschreibt Paul Gerhardt in seinem Weihnachtslied "Ich steh an deiner Krippen hier" dieses Geheimnis. Die Eltern wissen, dass das Kind nicht ihnen gehört, dass sie es nicht für sich nur bekommen haben und somit nicht allein über sein Leben verfügen dürfen. Das Kind wird hier zum ersten Mal aus der Obhut der Eltern freigegeben und dem Priester im Tempel und damit Gott übergeben. Dieses alte jüdische Ritual der Darstellung im Tempel ist bei genauer Betrachtung ein Opfer. Ein Opfer der Eltern, das das Kind und die Eltern selbst in die Freiheit führt. Stellen wir uns einen Augenblick vor, die Eltern Jesu hätten dieses Opfer nicht vollzogen und ihren Sohn privatisiert. Joseph hätte gesagt: "Messias hin, Messias her - wer weiß was Maria da gehört hat. Meiner wird Schreiner!" und hätte ihn unter der Hobelbank versteckt. Die Freigabe der Eltern war die Voraussetzung dafür, dass Jesus die Botschaft vom Reich Gottes verkünden und schließlich zum Retter der Welt werden konnte. Auch uns sind Menschen, Fähigkeiten und Talente, Geld und Gut anvertraut, mit denen wir verantwortlich umzugehen haben. Wenn wir sie Gott zur Verfügung stellen, dann kann dadurch Heil und Segen in die Welt kommen. Weil das lichtvolle Wege sind, feiern manche Gemeinden an Maria Lichtmess Gottesdienste mit Lichterprozession, um deutlich zu machen, dass durch Christus, das Licht der Welt, Licht auch in unsere Finsternis kommen kann.
Dr. Manfred Gerland