Pilgern - Erfahrungsberichte

17.07.2004 Ankunft und Eröffnung in Erfurt

von Manfred Backhaus (17.07.2004)

"Pilgern ist ja Beten mit Füßen.
Und wenn wir miteinander schweigen, beten und gehen,
gibt es Immer wieder Momente, in denen wir Gottes Nähe spüren."
Pater Rolf


Samstag, dem 17. Juli 2004
Prolog
Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ!
Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn.
Und was noch nicht gestorben ist
Das macht sich auf die Socken nun.

B.Brecht, Mutter Courages Lied


Gestern noch im Alltagstrott: Büroarbeit, letzte Rechnungen schreiben, Schreibtisch ordnen und Arbeitsübergabe an meine Kollegin. Dann nach Hause und mit der Tochter ihr Zeugnis (na ja) feiern. Packen und letzte Aufträge an die zurückbleibenden Kinder verteilen.

Und dann beamen wir uns per ICE in "Haste-nicht-gesehen" nach Erfurt. Gespannt schauen wir uns auf dem Erfurter Bahnhof um: es müssten doch noch andere Pilger mit diesem Zug gekommen sein. Und tatsächlich, da ist ein bekanntes Gesicht, ein gegenseitiges Wiedererkennen: Doris. Wie schön. Ach, wie hast Du, Doris, später auf dem Weg gekämpft und hast es doch bis zum Ziel geschafft.

Wir fahren mit der Straßenbahn durch die Stadt zum Domplatz. Buntes geschäftiges Markttreiben. Wer wird bereits da sein und uns begrüßen? Auf der breiten Domtreppe in der Sonne erblicken wir Cornelia und Peter. Klaus, der Imker, begegnet uns und Ele. Wir haben noch Zeit bis zum offiziellen Beginn, stellen unser Gepäck unter und unternehmen noch einen Bummel durch das sonnige Erfurt. Wie schön die Stadt aussieht! Ich erinnere mich an früher, da ich als Kind hier zu Besuch war. Graue Häuserfassaden, der typische DDR-Geruch nach Braunkohleheizung und Zweitakter-Gemisch. Und jetzt leuchten uns die bunten Fassaden der alten Häuser entgegen, in schön gestalteten Hinterhöfen laden kleine Cafes ein, schöne Gassen, nette Lädchen. Ich gönne mir eine echt Thüringer Bratwurst (muß sein) und später noch ein Eis, bevor die Zeit des "Verzichts" beginnt.

Im Gemeindehaus dann das Einchecken und herzliche Begrüßen: "Du auch wieder, wie schön!". Natürlich ist auch Kreuz-Willi dabei sowie das unvergleichliche Gespann Willi & Hubert.
Cornelia und Peter heißen uns willkommen, geben einen ersten Überblick über die nächsten Tage und die Organisation, bestellen Grüße von Hajo. Immer noch treffen Teilnehmer ein. Hermann bringt einen indischen Priester mit, Father Clement, der uns auf the pilgerweg begleiten will. Endlich kommen auch Manfred Gerland und Pater Rolf, die durch einen leichten Autounfall aufgehalten wurden.

Es sind doch viele neue Gesichter dabei, auch einige jüngere Teilnehmer. Wir machen eine Kennenlernrunde und dann geht es los zum Dom. Dort feiern wir mit dem Weihbischof den Vespergottes-dienst, bekommen unsere diesjährigen Pilgerabzeichen überreicht und zum Abschluß den Pilgersegen.
Am Abend feiert Pater Rolf mit uns in der Krypta des Domes die Vorabendmesse. Wie immer zu Beginn unserer ökumenischen Pilgerwoche steht die Zulassung von evangelischen Christen zur Eucharistie und die Erlaubnis für Katholiken, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, wie eine dunkle Wolke dräuend in unserer Gemeinschaft. Aber dann ist es doch Jesus, der auch uns verwandelt und einlädt in den kommenden Tagen. Und so kann schließlich jeder frei und froh seinem Gewissen folgen und teilhaben am Herrenmahl. Dies ist der Tag, den Gott gemacht!

Und dann beginnt die stille Zeit. Die Isomatte wird im Gemeindehaus ausgebreitet, das Nachtlager bereitet, endlich das Licht gelöscht. Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

Manfred F. Backhaus

Predigerkirche Erfurt