Pilgern - Erfahrungsberichte

20.07.2004 Von Gotha nach Mechterstädt - Wanda Neumann

Pfarrehepaar Liebe aus Gotha
Dienstag, 20. Juli 2004

Tagesbericht
Von Gotha nach Mechterstädt


Wir sind auf Wallfahrt. Zum Morgen haben wir erstmal an andere erinnert. 20. Juli-Attentat auf Hitler. Immer noch lebendige Vergangenheit. Es war wichtig, an diese Leute zu erinnern. Und es war ein entsetzlich schöner Abendmahlsgottesdienst, dabei war es am - Morgen. Darf man Morgenmahl sagen? Das Pfarrehepaar in Gotha war auch ein ökumenisches Ehepaar. Wie in meiner Familie. Das Wandern heut‘ war das schönste bisher. Die Wiesen hatten Blumen, am Waldrand stand Waldwachtelweizen. Und am Horizont begann der Himmel. "Dort am Horizont fängt der Himmel an, und wär‘ ich dort, würd‘ ich wetten, daß ich ihn erreichen kann. Hier aber hat es den Anschein, bin ich dafür zu klein." (Thomas D.)
Diese Landschaft war ein Paradies. Und mir ging es gut. Ich war nur am Staunen.
Mit dem alternativen Rosenkranz zogen wir irgendwo am Horizont ein. Ein Dorf ist nicht in sichtbarer Nähe, aber der Bodelschwinghof,

Behindertenheim und Arbeitsstätte. Die Bewohner trafen wir zur Vesper, sie waren aufgeschlossen und nett. Und sie hatten die schönsten Löwenmäulchen in allen Farben. Mehr ging nicht. Um die Duschen wurde wieder gerannt, aber der Schnitt verbesserte sich, in 4 Duschen duscht es sich schneller als in einer. Und ich höre immer mehr von einem ganz tollen Menschen, den ich gar nicht kenne, von dem ich aber bedauere, ihn nicht kennengelernt zu haben.
Und zum Schreiben jetzt ganz am Abend in der Nachtruhe schaue ich auf die Arche Noah, 3 Etagen, 4 mit Dach und vielen Tieren. Und der Regenbogen ist darüber an die Wand geschraubt.
Thema der Pilgerfahrt ist auch immer wieder Vertrauen und Glauben. Und heute Abend war noch Blitzlicht und es zeigte, daß es allen gut ging und gemeinsam Glauben macht Spaß. Meine Schwester sagte schon immer gern zu meinem Bruder: "Teilen macht Spaß".
Wanda Neumann


Pressenotiz

Thüringische Landeszeitung vom 21.07.04

Ressort: Lokales Heiligenstadt

TAGEBUCH

Pater aus Indien mit auf dem Weg

Fußwallfahrer erreichen Mechterstädt


Gotha/Eichsfeld. (tlz)

Zur dritten Etappe auf dem ökumenischen Pilgerweg zum Hülfensberg brachen gestern Morgen 54 Wallfahrer, darunter sechs Eichsfelder, in Gotha auf. Um 6 Uhr war Aufstehen angesagt. Zwei Stunden feierten die Gläubigen dann einen ökumenischen Gottesdienst in der Versöhnungskirche.
Pilgern ist wie Fasten, beschreibt Manfred Gerland eine Fußwallfahrt. Der Theologe muss es wissen. Das achte Mal ist der Pfarrer von der Evangelischen Pilgerstätte Germerode dabei. Etappenziel war gestern das 15 Kilometer von Gotha entfernte Mechterstädt.

Menschen aus ganz Deutschland sind derzeit auf diesem ökumenischen Pilgerweg unterwegs, der am Sonntag in Erfurt startete. Das Gros kommt aus Thüringen und Nordhessen. Drei evangelische Geistliche und zwei katholische Priester gehören zur Gemeinschaft, mit dabei Pater Joseph ausIndien. Der Schar der Laien gehören Studenten wie Rentner an. Willi Laufer aus dem Eichsfeld ist mit 76 Jahren der Älteste der Gruppe. Er trägt das Pilgerkreuz die gesamte Strecke. Gerland: Willi hängt am Kreuz. Er habe schon als Messdiener in Kindertagen das so gehandhabt, sagt Laufer. Aus Überzeugung und wegen der Gemeinschaft pilgere er regelmäßig.

Der 130 Kilometer lange Weg von Erfurt zum Hülfensberg gehört streckenweise zum Pilgerweg von Görlitz nach Santiago de Compostela. Bis Eisenach weist die Muschel, Zeichen des Jakobus-Pilgerwegs, die Route. Gerland schränkt ein: Wir suchen immer neue Wege. Auch den Weg zum eigenen Ich. Gottesdienste und Gebete sind Bestandteile des Pilgerns. Ebenso der Verzicht. Keine Genussmittel, kein Gaststättenbesuch, statt dessen spartanisches Leben, um frei zu sein fürs Gebet.

Pilgerin Cordula und Pater Clement aus IndienBodelschwingh - Hof in Mechterstaedt