Pilgern - Erfahrungsberichte

24.07.2004 Von Gut Marienhof zum Hülfensberg - Roderich Becher

Kurz vor dem Ziel: der HülfensbergSonnabend, 24. Juli 2004

Tagesbericht

Von Mariental zum Kloster Hülfensberg


Die Liebe erträgt alles

Wir wurden geweckt mit Gebrumm, leise, vielfarbene Töne. Die Nacht in der Barock-scheune auf dem Marienhof hatten wir ziemlich eng beieinander geschlafen, einige waren auf den Pferdestall ausgewichen. Waschen am Gartenschlauch, packen. Eine Mutter holt ihr noch schlafendes Kind - schöne Erinnerung an frühere Zeiten in unserer Familie.
Ich packe draussen. Maria lächelt mich von drinnen über die rote Rose an, die im Fenster steht.
Es beginnt zu regnen. Die Gastgeber sind abgereist. Sie vertrauen uns.
Die Laudes:
Wir singen: Du bist das Licht der Welt. Beim Frühstück sagt jemand, die Nacht im Pferdestall sei recht würzig gewesen. Wir gehen los. Gehen, gehen, gehen, gehen..... Dann die "Waldkapelle".
Der Witz von Clement fällt mir wieder ein. Ich muss lachen.

Katholische Schwestern in Indien werden von einem Mann gefahren. Sie haben ein natürliches Bedürfnis, sie sagen: "Wir müssen unsere Schleier wechseln." Später hält der Busfahrer wieder an. Auf ihre Frage warum, sagt er, jetzt müsse er seinen Schleier wechseln.
Puncta:
3 heilige Pilger hinter einander. Heute Chris-topherus. Er hatte den mächtigsten Herrn gesucht und schließlich gefunden. Dienst an kleinen Leuten. Wir werden aufgefordert uns in der kommenden Stunde, in der wir schweigend gehen, an unseren Weg mit Gott zu er-innern. Ich brauche dafür fast die ganze Stunde. So intensiv habe ich noch nicht einmal auf dem Pilgerweg nach gedacht. Auf meinem Weg mit Gott bin ich nun sicher, dass er gerade auch dann, wenn ich eine Spur erkennen kann, es Gottes Spur ist und er mich getragen hat.
Aue:
Abendmahlsgottesdienst mit Jannina. Die Kirche in hellen, frischen Farben mit bunten Fenstern. Glasmalerei aus der Zeit um 1900 herum: Anbetung der Könige u. Christus am Kreuz. Sehr ausdrucksstark. Auf dem Weg zum Hülfensberg: Als wir ihn vor uns sehen, beginnen wir mit dem Kreuzweg. Rolf findet bewegende Worte und Bitten, die mir die Tränen in die Augen treiben. Wir beten für alle, die festgenagelt sind, durch Drogen, durch andere Menschen. Ankunft auf dem Hülfensberg. Wir werden fröhlich empfan-gen, mit Weihwasser besprengt. Die Glocken läuten. Wir werden von guten Freunden umarmt. Geschafft!!!
Ein Essen wartet auf uns, wie wir es lange entbehren mussten. Pellkartoffeln, Schinkensoße (Duckefett), Salat, rote Grütze, Vanillesoße.
Complet:
Persönlicher Segen durch Handauflegen durch alle vier anwesenden Geistlichen. Wir gehen z.T. mit Paten zum Segen. Waltraud mit dem gebrochenem Arm steht vor mir. Sie sagt dankbar zu, als ich ihr anbiete, ihr Pate zu sein.
Später bereite ich mit anderen mein Nachtlager in der Kirche. Schlafen in der Nähe des romanischen Kreuzes. Christus lächelt jeden von uns an.
Roderich Becher



Pressenotiz

Thüringische Landeszeitung vom 26.07.04

Ressort: Lokales Heiligenstadt

Ankunft beim Gehülfen

Ökumenische Fußwallfahrt endete gestern mit Gottesdienst


Hülfensberg. (tlz/ebe)

Gegen 17.30 Uhr am Samstag hatten die 54 Wallfahrer, die am Sonntag zuvor in Erfurt zur ökumenischen Fußwallfahrt aufgebrochen waren, ihr Ziel erreicht. Vierzehnheiligen-Wallfahrer aus dem Eichsfeld und Messdiener empfingen sie an der 12. Kreuzwegstation. Gemeinsam setzten sie das Kreuzweggebet fort. Unter jubilierendem Glockengeläut und mit dem Lied "Großer Gott, wir loben dich" zogen die Fußwallfahrer in die Hülfensbergkirche ein, wurden dabei mit Weihwasser besprengt, ein Brauch den die Eichsfelder Pilger aus Vierzehnheiligen mitbrachten.
Vor dem mächtigen Gehülfen, bei dem alle Sorgen und Nöte gut aufgehoben seien, ende nun die Wallfahrt, ein großes Erlebnis der Gemeinschaft im Glauben, sagte Pater Rolf, der die ganze Strecke mitgegangen war. Nach einem Taufgottesdienst sei man in Erfurt aufgebrochen, hier mit Weihwasser empfangen worden; so schließe sich der Kreis.




Mit dieser Fußwallfahrt sei eine alte Tradition aufgenommen worden, sagte Helmut Heiland von den Vierzehnheiligen-Wallfahrern bei der Begrüßung. Im Mittelalter habe es außer den noch üblichen vier Wallfahrten noch eine fünfte zum Hülfensberg gegeben, die Jakobuswallfahrt. Zum Jakobustag endete Gestern am Sonntag die Wallfahrt mit einem Gottesdienst.

Alle Pilger überstanden die 130 Kilometer gut. Waltraud Kohlhase aus Großalmerode aber hatte Pech. Beim Abstieg vom Heldrastein rutschte sie aus, zog sich eine Armfraktur zu. Ärztlich gleich versorgt, war sie beim Gemeinschaftsabend am Freitag im Marienhof aber mit dabei. Von der Wallfahrt war sie begeistert. Nicht minder Pater Joseph aus Indien, der in der Abschlussmesse gestern über das Pilgern predigte.

Feierliche BegrüßungIn der WallfahrtskircheSeltsame Rituale