Pilgern - Erfahrungsberichte

Wolfhagen - Ehlen

von Marilen  (26.07.2005)

im Hintergrund der Burghasunger BergDienstag, 26. Juli 2005
Von Wolfhagen nach Ehlen
Tagesbericht von Marilen

Nach einer kurzen, unruhigen Nacht - Hermann, Willi und ich haben Cordula um 23:30Uhr vom Busbahnhof in Wolfhagen abgeholt und anschließend noch etwas ihren Geburtstag vom 23.07. nachgefeiert... - werde ich schon eine halbe Stunde vor dem Wecker um 5:00Uhr vom Hahnenschrei geweckt. Aufstehen ist wenig verlockend, ist der Himmel über mir mit Wolken verhangen. Da ich jedoch um 6:00Uhr die Körpertambura zum Wecken erklingen lassen möchte, habe ich Angst, mich zu verschlafen, wenn ich mich noch einmal genüsslich in meinem Schlafsack einmummle. Also stehe ich auf und rüste mich langsam für den Tag.
Beim Frühstück entladen sich die Wolken zu einem kräftigen Regen. Die Köperübungen finden daher im großen "Schlafsaal" des Gemeindehauses statt. Nach etlichen Kniebeugen können wir uns über Energieflussübungen freuen:
- rechtes Bein vom Fuß bis Po abklopfen, dann linkes Bein,
- rechter Arm von der Hand bis zur Schulter, dann linker Arm,
- Brust, Flanken und Bauch, den Rücken klopfen wir uns gegenseitig ab,
- ausgehend hinter den Ohren, den Kopf abklopfen.
Dazwischen auf der Stelle hüpfen und zum Schluss meine "Aura" abgrenzen, indem ich vom Kopf bis zu den Füssen meinen Körper mit den Händen abgrenze.

Danach gibt uns Manfred Anleitung, wie wir bei unseren Körperübungen täglich unsere Taufe erneuern können:
- mit der rechten Hand nach Westen weisend: "Ich entsage dem Bösen"
- nach Osten drehen - Arme seitlich geöffnet: "Ich öffne mich für Christus,
- Hände zum Kopf: du mein Haupt,
- Hände aufs Herz: du mein ganzes Leben."
Es regnet immer noch in Strömen und wir beschließen, unser tägliches Bibelteilen nach der Mittagsrast, heute vorzuziehen.
Heute gehen wir mit dem Magnifikat: Lk 1,46-56
Mit dem Abschlusslied nach dem Bibelteilen "Vom Aufgang der Sonne" reißt die Wolkendecke auf und wir können um 9:00Uhr ohne Regen zu unserem nächsten Tagesziel aufbrechen: Ehlen.
Nach 1 Stunde Fußmarsch ist unsere 1. Pause vor einem Waldrand mit Blick auf unsere zurückgelegte Strecke. Hier verabschieden wir uns von unserem Gastgeber aus Wolfshagen: Dr. Gernot Gerlach. Claudia leitet den Tagesimpuls mit dem gesungenen Magnifikat ein.
"Siehe von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder", war die Antwort Marias auf das Gespräch mit Elisabeth und "Lobt den Herrn..." - Gott hat mich gemeint, mich gewählt...-
- Wo hat mich Gott in meinem Leben gewählt?
- Was hält mich in Bewegung, was treibt mich an?
- Welches Wort gibt mir Hoffnung?
Eine Stunde vorbei an weiten Wiesen und reichen Getreidefeldern, lassen Zeit und Raum mich im Schweigen mit diesen Fragen auseinander zu setzen…
Nach nochmaligen 15 Minuten Pause geht es unserem Mittagsziel entgegen: zum Burg Hasunger Berg. Hier werden wir schon von Willi und Hubert und einigen Frauen aus Hasunger Berg liebevoll erwartet. Von einem Gemeindemitglied erhalten wir Einblick in die Geschichte des Hasunger Berges. Früher soll hier eine keltische Siedlung gewesen sein. Später, 1017 habe sich der Hl. Heimerot, ein Wandermönch, hierher zurückgezogen, da der Blick hier offen sei, wie auf dem Berge Tabor und dem Ölberg. Die Überlieferungen erzählen, dass der Hl. Heimerot viel für die Bevölkerung getan und viele Wunder gewirkt hat. 1019 verstarb dieser Mönch. Danach pilgerten viele Menschen zu diesem Ort (Wallfahrtsort). 1021 wurde auf seinem Grab eine Kirche erbaut, von der heute noch kleine Steinhügel zu sehen sind. 1074 wurde ein Stift errichtet. 1083 Klosterbeginn eines Benediktinerordens, der nach Zisterzienserregeln lebte und "Gemeindeleben". Der ganze Tafelberg war bebaut, was beim 30jährigen Krieg wieder alles zerstört wurde. Die letzte Gemeindekirche wurde um 1800 "niedergelegt". Mit den Resten entstand eine neue Kirche unterhalb des Hasunger Berges.
Mit dieser ausführlichen Geschichte freue ich mich zunächst auf unser Mittagsmahl. Gestärkt nehme ich diesen Ort besonderer Energie in mich auf und bin dankbar, dass wir hier mit Pater Rolf noch eine Eucharistiefeier erleben dürfen. Ich bin tief berührt, auf diesem Plateau mit dem Blick in die unendliche Weite, fühle mich dem Himmel ein Stück näher. Dazu noch die Predigt von Rolf über die Großeltern von Jesus, die schließlich den Nährboden für Maria gelegt haben, um "Ja" zu ihrem Auftrag zu sagen. Da ich selbst eine glückliche Oma bin, weiß ich, was die Liebe zu seinem Enkelkind bedeutet...
Es fällt schwer, sich von diesem Ort zu trennen. Wegen der Zeitverzögerung nehmen wir eine Abkürzung, die uns ein Stück des Weges mit Autobahnlärm begleitet.
Dann später beim Rosenkranz- oder Herzensgebet gehen wir über eine längere holprige und unwegsame Strecke und ich bin froh, endlich in Ehlen einzuziehen, ohne dass jemand gestolpert ist. Diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, und Norbert, der neben mir geht, knickt um und liegt der Länge lang auf dem Gehweg. Am rechten Unterarm hat er eine lange Schürfwunde und die rechte Schulter geprellt. Wie gut, dass unser Ärzteteam (Eberhard und Cordula) direkt hilfreich zur Stelle sind. Eberhard fährt später noch mit Norbert zum Röntgen. Trotz dieser Aufregung wird es mir beim Läuten der Glocken, die unsere Ankunft ankündigen, wieder feierlich zumute. Auch in Ehlen werden wir empfangen. Es wartet noch ein besonderer Höhepunkt auf uns: Im Kreis sitzend darf ich meine müden Füße meiner linken Nachbarin zur "Fußwaschung" überlassen. Wie gut schmeckt anschließend die leckere Gemüsesuppe mit Wurst.
Während ich mein nächtliches Lager ausfindig mache, hat Cordula fleißig für ihren Indienvortrag vorgesorgt und die Bilder von unserem 2wöchigen Aufenthalt in Südindien nach der Tsunamikatastrophe ausgelegt. Viele Erinnerungen an diese Zeit werden wieder lebendig und stimmen mich traurig, hätte ich den betroffenen Menschen gerne mehr geholfen...
Es ist spät geworden. Todmüde und erfüllt krieche ich in meinen Schlafsack, ich riskiere unter freiem Himmel zu schlafen und hoffe, dass es nicht wieder zu regnen anfängt...
Eberhard ist noch nicht mit Norbert vom Röntgen zurück.
Marilen

Fußwaschung nach Joh 13