Pilgern - Erfahrungsberichte

Korbach - Netze

von Cornelia  (24.07.2005)

Durch Feld und FlurAufbruch in Korbach. Unser Ziel ist Netze, ein kleines Dorf im Waldecker Land mit einer einmaligen Klosterkirche, die einen Schatz beherbergt, ein mittelalterliches Altarbild. In der Stille des Sommenmorgens gehen wir zwischen hübschen Fachwerkhäusern hidurch zur katholischen St. Mariakirche, wo wir unsere erste Eucharistie feiern und hier bekommen wir unser Wegsymbol verliehen - eine Tonscheibe mit eingeritzter Spirale. Jetzt brechen wir wirklich auf, nehmen den Weg zwischen die Füße. Am Waldrand mit einem schönen Blick auf die beiden fernen Kirchtürme von Nikolai- und Kilianskirche hält Bruder Rolf mit uns die Punkta. "Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Heilige Geist wird über dich kommen: Denn für Gott ist nichts unmöglich."
"Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast."
Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Maria nicht ohne ihre Zustimmung, hebt Rolf hervor. Sie sei ein Vorbild für den Glauben, der sich einlässt und JA sagt, ohne zu wissen.
In unser Schweigen nehmen wir 3 Fragen hienein: - Was ist meine ureigenste Aufgabe, mein Platz in dieser Welt?
- Was ist heute meine Aufgabe? - Kann ich mich so einlassen wie Maria? -
Die Landschaft nimmt uns auf in sanfter Schönheit und Wärme. Einmal kommen Kühe neugierig und mit erwartungsvollen Augen an den Zaun galoppiert. Gehe ich auf sie zu, ziehen sie sich erschreckt zurück, beobachten uns so lange, bis der letzte Pilger vorbeigezogen ist und beginnen dann zu muhen: ätsch, ihr habt uns nicht gekriegt.
Eine Stunde Mittagsrast in Sonne und Wind an einem schönen Grillplatz mit bestens vorbereitetem Essen von den lieben Willis. Und schon gehts weiter zur Klosterruine Niederwerbe. Hoch liegt sie an einem Kalkfelsen, viele Blumen blühen und der Ausblick ist herrlich. Der Weg führt uns am Flüsschen Werbe entlang duch eine schöne Aue. Bis hier verlief alles so harmonisch. Doch bei der Sommerrodelbahn ging trotz ausgeklügelter Sicherheitssysteme und trotz gutem Willen ein Mann über Bord. Ich weiß, es hätte nicht passieren dürfen. Doch ohne Herausforderung hat die Vorsehung keinen Grund zum Eingreifen. Eberhard, du warst ihr Auserwählter! Und so kamen wir zu einem noch nie dagewesenen Kurzschriftkreis, was das flexible Umgehen der Leitung mit unvorhergesehenen Situationen belegt.-
Zwischen hochstehendem Gras ungemähter Wiesen führte das letzte Wegstück hindurch und wir gelangten nach Netze, unserem heutigen Ziel. Singend zogen wir unter Glockengeläut ins Dorf ein. Welch ein Empfang! In der Klosterkirche St. Maria zu den 4 Gekrönten begrüßt uns eine kleine Gemeinde mit dem Pfarrerehepaar Lilje sehr herzlich, auch eine Gitarrengruppe hat sich eingefunden, um für uns am Sonntagabend zu spielen. Wir sind bewegt von dieser Aufmerksamkeit. Auch 2 neue Pilger haben sich eingefunden, Pfarrerin Claudia Barth und Norbert Dittner aus Stralsund. Herzlich willkommen! - Einige Meter weiter werden wir von der Gemeinde mit einem gedeckten Tisch verwöhnt und mit Gulaschsuppe bewirtet - aaaah!
Quartiere gibt es reichlich; in der Kirche beim wunderbaren Altarbild, im leerstehenden Pfarrhaus und im Hospitalgebäude neben der Kirche, wo ehemals Arme Aufnahme fanden und auch ein Stückchen Land zum Bebauen. - Spät abends feiern wir die Complet in der Kirche, halten Tagesrückblick und bekommen eine Deutung unseres Pilgersymbols: aus dem Sterben in der Mitte führt der Weg wieder in die Fülle des Lebens! Und nach langer Bahnfahrt von Dresden stößt auch Peter zu uns.
Und nun gehts ins kleine tägliche Sterben, in den Schlaf - hoffentlich gut und erfrischend.

Ankunft in NetzeNachtquartier in der Kirche