Pilgern - Erfahrungsberichte

Samstag, 22.07.2006 Von Dingelstädt zum Hülfensberg

von Janina

Aufstehen um 5 Uhr, Frühstück um 6 Uhr, mit einem Morgengebet von Manfred.
Aufbruch 6.45 Uhr von Dingelstädt. Eine erste Pause gibt es am Stadtrand von Dingelstädt bei der Unstrut-Quelle. Heute ist es der Heiland selbst, der den Weg uns weißt (Streckenmeister Helmut).
Wir laufen nun ein Stück Weg des Pilgerwegs Loccum-Volkenroda. Hier unvergessen die intensive Begegnung mit einer Kuhherde, die zu gerne und folgen und mitpilgern wollte.
Eine Punkta wird bei der Werdingshäuser Kirche gehalten durch Peter zu Joh 14, 1-7. Er hat herausgefunden, das "wohnen" ein altsächsisches Wort ist, welches steht für "bleiben" und "beständig sein", sogar für "wünschen". Peter trägt zusammen, was "wohnen" für Ost und West bedeutet: Im Osten die Unmöglichkeit eine Wohnung zu finden, man bekommt sie zugeteilt, im Westen die hohen Mietpreise, die das Wohnen zum Problem machen. Manche Menschen haben ihr ganzes Leben lang in einer Wohnung gelebt. Das wird immer seltener, unser Leben heute hat viele innere Brüche, die sich auch nach außen auswirken; das Leben unserer Elterngeneration war stabiler. Peter denkt an seinen Freund: Der will nicht mehr die Wohnung wechseln, er will jetzt endlich irgendwo ankommen. Wie steht es mit der Möglichkeit, Gott in der eigenen Wohnung nahe zu sein? Es ist eine Anregung, auch Gott in seiner Wohnung einen Raum, z. B. einen Andachtsort, zu geben.
Wir wandern im Schweigen durch die Höhen des Eichsfelds, durch volle, wogende Getreidefelder, auch durch eine wunderschöne Allee. Peter schließt an einem Holzstoß die Schweigezeit ab, wir machen eine kurze Vesperpause.
Danach sind wir auch schon bald im Klüschen Hagis, Rolf hält dort eine Messe. Er stellt uns Maria von Magdala vor, denn der 22. Juli ist der Gedenktag der Maria Magdalena. Rolf predigt über ihr Umwenden und ihr Erkennen - es ist wohl eine der eindrücklichsten Szenen der ganzen Bibel, als sie sich umwendet, um, dann erst mit dem zweiten Blick, den Auferstandenen zu begegnen.
In der Kirche fällt mir eine "Anna Selbdritt" Statuette auf - noch ein weiteres Mal begegnen wir ihr also auf unserem Weg. Gemeinsam mit Hans-Georg betrachte ich die schönen Marienbilder in den Glasfenstern.
Eine kleine Anekdote ergibt sich beim Abendmahl. Hier könnte eventuell der Wein nicht ausreichen; doch Pilger sind genügsam, und jeder spart Wein durch kurzes Eintauchen der Oblate.
Wo der Wein für alle reicht, darf die Hochzeit nicht fehlen: Schon die ersten gut gekleideten Gäste treffen ein, und treffen auf uns müde und legere Pilger, die ihre Brote rund um die Kirche futtern. Wir holen schnell Kreuz, Bibel und persönliche Sachen aus der Kirche.
Zum Mittagessen haben Willi und Hubert ein besonderes Schmankerl für uns: Eichsfelder Gehacktes - hierauf stürzt sich die Meute, keiner will zu kurz kommen (nein, diese leicht kritische Wortwahl trügt nicht!). Nach dem Essen Bibelkreise zum Punktatext; währenddessen fährt das Hochzeitsauto schon einmal vor, ein niedlicher, geschmückter Oldtimer.
Wir gehen weiter, an vielen Himbeerbüschen vorbei. Das Schlusslicht musste schon etwas treiben. Dann geht es lang, lang bergauf. Oben angekommen, saßen wir zur Rast am "Ershäuser Fenster." Es weitete sich vor uns ein Blick auf wundervolle Eichsfelder Landschaft. Martina behauptete, sie hätte das Fenster extra für uns geputzt, damit wir alle gut durchsehen können. Kurz danach kommen wir zu einem weiteren Fenster, auch "frisch geputzt". Wir wanderten durch Eichsfelder Hügelland bis zum Dorf Wilbich. Von dort war es bis Geismar nicht mehr weit. Wir passieren dort ein Eiscafé. Und dann kommen wir zum Fuß des Hülfensbergs, zum Beginn des Kreuzwegs, "in die Zielgerade", wie Rolf es ausdrückte. Wir beteten dann bergan einen sehr bewegenden Kreuzweg. An jeder Station formulierte Rolf, für wen wir beten. Angekommen oben nach einem mühevollen Weg zogen wir vor die Kopie des Gehülfen mit dem Lied "Lobet den Herren". Auf uns wartete schon eine gute Gemüsesuppe von Frau Klötzl. Außerdem, sehr lecker, Schokoladenpudding und Bier. Welch eine Ankunft!
Schließlich zeigte Rolf die Figuren, die aus der Kirche ausgelagert sind, da sie renoviert wird. Wir beteten vor dem liegenden Gehülfen, der auch am Boden noch eindrucksvoll ist.
Abschluss des Tages bildete der Segnungsgottesdienst. Und danach noch eine Überraschung an der Klosterpforte.