Pilgern - Erfahrungsberichte

Beginn in Eisenach

von Eberhard Thies

Ankunft in Eisenach, Treffen im Gemeindehaus Ludwigstr. 38. Viele von den "Pilgervirusbefallenen" kennen das Quartier aus dem Jahr 2004. Mit dem Gewitter, das z.B. Heinz und mich nachts 2 Uhr fluchtartig das Zelt räumen liessen. Mit Stromausfall und allen Schikanen. Es war schön, soviele bekannte Gesichter wiederzusehen. Ich bedauere es sehr, dass ich wegen meiner Op. nicht mitpilgern kann. Eröffnungsrunde sehr groß, viele neue Gesichter, eine sehr große Gruppe. Abendessen vor dem Gemeindehaus.
Es wird eine besondere Pilgerreise. 1. Nicht zum Hülfensberg sondern auf dem Elisabethpfad nach Marburg. 2. Kreuzwilli ist nicht dabei, er ist krank. Die Bibel aus Palästina mit Erde aus dem heiligen Land und Wasser aus dem Jordan ist wie immer dabei. Peter gibt uns bekannt, dass Herbert Rahnenführer, der noch im Juni auf dem Eröffnungspilgerweg dabei war, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Ich bin sehr betroffen, im Sommer 2006 bin ich noch mit ihm und Gudrun von Görlitz bis Dresden auf dem Jakobsweg gepilgert. Sein Name wird auch in die Bibel wie alle verstorbenen Pilger eingetragen werden.
Dann folgt wie immer die Vergabe der diversen Ämter. Völlig klar, Willi und Hubert sind natürlich wieder "Marketender", sprich Verpflegungsmeister und Fahrer der Caritasbusse. Ebenso klar ist, dass Helga wieder unser "Vergesslichkeitsantidot" ist. Das kann kein Pilger so unübertrefflich gut wie sie. Ob sie wohl diesmal eine "Zahnprothese" als Fundsache versteigern muss?
In seiner dann folgenden "Ansprache" sagt Bruder Rolf: Pilgern ist Beten mit den Füßen. Wir sind mit Gott unterwegs, er ist immer da, auch wenn wir es nicht merken. Wie immer geht uns das Pilgerkreuz voran mit der Tasche, die Gebetsanlagen enthält. Bei dieser großen Gruppe besonders wichtig: Tagesschluss mit Gebet, danach Schweigen bis zum Morgen: das ist das Einzelzimmer des Pilgers. Wir sollen in uns hineinhören. Gott spricht leise, deshalb müssen wir stille werden. Der Abend und die Stille ist eine besondere Zeit, es kann die Nähe zu Gott sein.
Der Tagesablauf hat bei diesem Pilgerweg etwas Besonderes: Die Punkta wird Wichtiges aus dem Leben der Hl. Elisabeth zum Thema haben. Anregung: Was ist davon für mein Leben wichtig? Dann wie immer Schriftkreis, Schriftgespräch, nachmittags gegen Ende der Tagesetappe wieder die verschiedenen Formen des Gebets: Rosenkranz, Herzensgebet, Schweigen. Am Abend in der Kirche jeweils abwechselnd Feier des Hl. Abendmahls und Eucharistiefeier. Es ist eine oekumenische Pilgergruppe und dazu befähigt und berufen, Kirchentrennendes zu überwinden helfen. Ich werde keinem die Kommunion verweigern. Eine wunderbare Haltung.
Manfred: Wir sind Glieder unserer Kirche, aber hier überschreiten wir trennene Grenzen. Der Geist der Oekumene heißt: Weniger reden, mehr tun. Das Gespräch verbindet. Gerade in den nächsten Tagen findet in Hermannstadt, Rumänien die dritte oekumenische Konferenz statt.
Abendgebet, Tagesrückblick, Schweigen. Ich beschließe, am nächsten Tag doch mitzupilgern, da der Weg an der Werra entlang eben ohne Steigung bis nach Creuzburg führt. Der Aufbruch aus Eisenach fand aber nicht wie verabredet um 8 Uhr am Gemeindehaus statt, sondern zur verabredeten Zeit war kein Pilger mehr zu sehen, sie waren früher aufgebrochen. Mein schlauer Gedanke: Sie werden sicher zur Wartburg gepilgert sein, um die Elisabeth-Ausstellung zu besuchen. Aber weit gefehlt, kein Pilger auf der Wartburg, auch keine Pilgergruppe angemeldet. Also habe ich die Ausstellung allein angeschaut, ein tolles Erlebnis. Als nächster Fixpunkt war der Gottesdienst um 9.30 Uhr in St. Annen vereinbart. Ich kam gerade noch rechtzeitig zum Aufbruch. Auf die Minute. Aber das kenne ich ja schon, manchmal gehe ich eben beim Pilgern verloren. Heinz, du weißt das, oder? Ich habe auch diesmal wieder den Anschluss bekommen!
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