Pilgern - Erfahrungsberichte

Dagobertshausen - Wasmuthshausen

von Petra Hesse (04.09.2007)

In Dagobertshausen diese Nacht
haben wir in Betten verbracht.
Ich weiß jetzt, warum wir sonst auf Luftmatratzen liegen,
da ist es früh‘s leichter, uns hochzukriegen.
Geweckt hat uns Martina’s schöner Gesang,
da war uns vor dem Tag nicht mehr bang.
In Manfred’s Worten, die dann folgten,
erinnerte er uns, was wir bedenken sollten:
"Ertrage nicht, trage" deine Last mit Würde,
so wie Jesus sein Kreuz und seine Bürde.
Vom Vater hat er gelernt zu fragen
und nicht, was nicht sein muss, noch mit zu tragen.
Mancher schaut vielleicht seine Last (Rucksack) noch mal an,
ob er da nicht manches abladen kann.
Als der Platz der Punkta war dann da,
brachte uns Stefanie "helfen und helfen lassen" nah.
In der Schweigezeit konnten wir bedenken,
durch wen und was, lassen wir unsere Herzen lenken.
In Hombergshausen gab’s Mittag, Jogurt und Regen,
doch wo viel Regen, da viel Segen.
Davon hatten wir heute jede Menge,
unter’m Dach war bald schon etwas Gedränge.
Verloren gehen tut auch schon mal was,
Pilgersymbole, Schirme oder sonst etwas.
Auch mal ’ne paar Pilger, das passiert schon mal,
denn laut Helmut Heiland sind 5% Schwund, völlig normal.
Leicht durchfeuchtet sind wir in Homberg angekommen
und haben in der prächtigen Reformationskirche Platz genommen.
Hier ist der wahrscheinlich älteste Kreuzweg mit 7 Stationen.
Ein Besuch in dieser Kirche soll sich schon lohnen.
Die Bibelstelle sorgte heute für viele offene Fragen,
da müssen die Theologen sicher noch mal was zu sagen.
Die letzten 4 Kilometer, für manche gefühlte 8,
haben wir dann auch noch zu Wege gebracht.
In der Waßmuthshäuser Kirche ein toller Empfang
mit Rosenblüten im Mittelgang.
Einem Pastor, der nett ist und zwar sehr
und Familien, die Schlafplätze richten her.
Ein Tag der prall gefüllt war, ist vollbracht.
Ich wünsche euch eine gute Nacht.
Ein Pilgertag
Ein Pilgertag, der fängt früh an.
Um 4, um 6 Uhr irgendwann.
Vor’m Wecken bist’e meist schon wach
und hast darüber nachgedacht:
Gehst du vielleicht schon mal auf’s Klo?
Doch Andrang kommt von anderswo!
Aus allen Ecken, Nischen, Ritzen
kommen sie, die leicht Verschwitzten.
Also heißt es in die Schlage,
da kannst’e warten, und zwar lange.
Du kneifst zusammen das Popöchen,
bis du mal dran kommst, auf dem Klöchen.
Hast du diese 1. Hürde geschafft,
und dich zum Waschen aufgerafft,
da heißt es wieder Schlange steh’n.
Denn Schlange steh’n, das ist so schön.
Die Schweigezeit kommt dir gelegen,
da brauchst du wenigstens nicht reden.
Starrst still auf deinen Vordermann
und fragst, wann bist’e endlich dran?
Zurück im Saal, der meist sehr groß,
nimmst du die Tasche auf den Schoss
und kramst und suchst im Dämmerlicht,
doch was du suchst, das find’st du nicht.
Dann packst du deine sieben Sachen
und solltest dich flugs zum Auto machen.
Dort reißen dir die Packer die Sachen aus der Hand
und stapeln sie im Auto, wie eine Wand.
Nun aber schnell, beeile dich,
denn Frühstück, das ist schon in Sicht.
Du sitzt am Tisch, endlich geschafft!
...das Liederbuch hast’e nicht gerafft.
Das ist im Rucksack, wo war denn der?
Und wo kommt die Demenz jetzt her?
Das Morgengebet - wo geht’s heut‘ lang,
da wird dir wieder Angst und Bang!
Es sind der Kilometer viel,
eh‘ wir gekommen ans Tagesziel.
Nach dem Gebet, da wird gesprochen
und das Schweigen ist gebrochen.
Das Frühstück, das ist auch nicht ohne,
meistens ohne Kaffee, nicht die Bohne!
Die anderen haben Hunger auch,
so wie du fühlst in deinem Bauch.
Das heißt, es streben alle gleich,
hinüber zu dem Essbereich.
Schlange steh’n ist angesagt
und du wirst nicht danach gefragt,
wie groß, wie klein dein Hunger heute,
das wollen sie nicht wissen, die anderen Leute.
Zum Tasse und Besteck abwaschen,
musst wieder in Geduld dich fassen.
Doch diesmal kannst’s ja was reden,
vielleicht kommt dir das ja gelegen.
Dann noch mal Schlange steh’n beim Klo,
doch dann geht’s los und du bist froh.
Das Kreuz vorweg, nimmt Bibel mit
und Streckenmeister, welch ein Glück.
Die suchen stets nach gelben Pfeilen,
um sich die Zeit mal zu vertreiben.
"Weißes E auf rotem Grund" snd die Weichen,
und ich dachte erst, das wär’s Eurozeichen.
Sie liefen hinter’m Gelde her,
doch eigentlich ist’s nicht so schwer,
der Elisabethpfad sollte es sein,
den wollten sie laufen, nur den allein.
Der wird auch jeden Tag gelaufen,
zwischendurch gibt’s nichts zu kaufen,
kein Eis, kein Süßes, doch manches Geschenk,
wird uns, oh Wunder, über den Weg gelenkt.
Da gibt es mal Würstchen in Suppe mit Brot,
mal Salat mit Bratwurst, wir haben gewiß keine Not.
Auch Luftmatratzen und Schirme werden eilends von Willi gebracht,
noch ehe man richtig darüber nachgedacht.
Aber ich bin etwas abgeschweift,
der Pilgertag ist noch nicht zu Ende gereift.
Die Punkta mit anschließender Schweigezeit,
ist nun an der Reihe, denn es wird Zeit,
Mund und Stimme mal zu schonen,
für Geist und Seele, soll sich das lohnen.
Die Mittagsrast ist das schönste am Tag,
wenn die Sonne noch scheint, komme was mag.
Ein Buffet erwartet uns, das ist ein Gedicht,
doch gleich dranzukommen, das gibt es nicht.
Die Schlange, die geliebte ist auch schon da,
leise rufen wir alle Hurra.
Ein Mittagsschläfchen ohne Eile,
oder einfach auch nur Langeweile.
Füße schonen, Augen schließen,
das kann man hier so richtig genießen.
Meistens machen wir dann noch Bibelteilen,
dabei müssen wir uns manchmal beeilen,
zuviel gibt es zu bereden, bedenken,
doch wir müssen unsere Schritte lenken,
auf unser Ziel, denn das ist wichtig
und meistens gehen wir auch richtig.
Wir nehmen den Weg unter unsere Füße,
am Wegrand tun uns manche grüße‘.
Der Elisabethpfad, der ist sehr, schön,
da kann man fröhlich pilgern geh’n.
So viele freundliche nette Leute,
wenn wir so kommen als große Meute.
Viele Menschen nehmen uns auf
und nehmen Unruhe und Dreck in Kauf.
Wir wünschen ihnen dafür Gottes Segen,
auf allen ihren Lebenswegen!
Doch halt, ja so ein Pilgertag,
der hält so manches noch parat.
Das Beten noch am Nachmittag,
ist es für manchen eine Plag?
Der kann am Schluß geh’n und kann Schweigen,
er darf nur nicht zu lang verweilen,
denn das Tagesziel ist in Sicht.
Geschafft bist du, oder auch nicht.
Denn jetzt mußt du dir suchen ein Quartier!
Mein lieber Freund, ich sage dir,
da kannst du friedliche Pilger seh’n,
die nicht mehr artig in der Schlange steh’n.
Als 1. kommt die "Nichtschnarcherfraktion",
die haben schnell alle Räume schon,
auf die "Geeignetheit" geprüft
und jeder, der rein will, muss durch den TÜV!
Die ahnen schon, wer schnarcht, da sind sie Kenner.
Was machen die zu Hause nur mir ihren Männern?
Hat jeder einen Schlafplatz ergattert,
dann wird wieder gelacht und geschnattert,
geduscht, gewaschen, geschrieben, gefönt,
oder sich anderweitig verwöhnt.
Zum Abendbrot erscheinen alle fit und froh
und waren in Ruhe auf dem Klo.
Beim Abendbrot, es dauert nicht lange,
da ist sie wieder, unsere......Schlange.
Noch ein paar Ansagen und Gebet,
’s wird Zeit, das man sich niederlegt.
Wenn du kannst, kannst du schlafen, aber nicht lange
und träumst bestimmt von einer Schlange.
Nun ist ein Pilgertag zu Ende,
betend faltest du deine Hände
und denkst noch: Warum mache ich das bloß?
Trotzdem geh’ste morgen wieder los!
Petra