Pilgern - Erfahrungsberichte

Frielendorf - Treysa/Hephata

von Annette Kuniß (06.09.2007)

Die Nacht in Spieskappel-Frielendorf war mondhell und sternenklar.Das Licht des Mondes scheint in dieser Nacht durch die südlichen Kirchenfenster der ev. Kirche St. Johannes aus dem 13. Jh.. Die Größe und Höhe der Kirche bekommt eine neue Dimension. Eine gute Nacht geht zu Ende - 6.45 Uhr wecken durch Stephan an der Orgel mit dem Lied "SCHÖN IST DER MORGEN". Die anderen Pilger haben im Gemeindezentrum "Dietrich-Bonhoeffer-Haus" übernachtet und wurden ebenfalls musikalisch um 6.00 Uhr geweckt.
Frühstück im Gemeindezentrum Dietrich-Bonhoeffer-Haus mit schön gedecktem Tisch, Blumenschmuck auf den Tischen (Hagelbutten)und Kaffee für alle. Verabschiedung von Stephanie. Cordula wird als Altpilgerin begrüßt. 8.00 Uhr Ende des Frühstücks. Regina spielt noch zum Abschluss auf dem Klavier "Von guten Mächten wunderbar geborgen" - und die Pilger singen mit.
8.15 Uhr Aufbruch zum Spiesturm, eine mittelalterliche Grenzwarte erbaut um 1430. Drei Tagespilger werden begrüßt. Bruder Rolf hält die Puncta zum Thema "Gehorsam und Freiheit". Wir wurden eingeladen in der Stille über Gehorsam gegenüber anderen und Lebensgehorsam nach zu denken und die Frage nach der eigenen Kreativität oder List
zu überdenken. Der Weg in der Stille geht durch Wald und Flur, wohlschmeckende Schlehen, Brombeeren am Wegesrand,
Pferde auf der Koppel. Wir wandern durch Schönborn zum
Mittagsziel Schützenhalle Ziegenhain.
Es ist 11.30 Uhr, wo das Mittagsbuffet auf uns
wartet. Heute gibt’s Nachtisch - Joghurt.
12.45 Uhr - Zum Sitzen im Freien wird es zu
kalt und es fängt an zu regnen. Wir machen
unsere Bibelarbeit unterwegs. Zwischendurch
machen wir noch Halt vor dem Krankenhaus Ziegenhain und singen Hoffnungslieder.
Pause in der ev. Stadtkirche Ziegenhain
neben dem Gefängnis. Hier erklärt Manfred das Herzensgebet mit dem geschichtlichen Hintergrund und die Gebetspraxis. Im Anschluss spricht Ele über Hephata - was uns erwarten wird. Noch eine Gästebucheintragung mit schöner Zeichnung. Wer ist der Künstler unter uns?
Wir erreichen unser Tagesziel Treysa/Hephata. Wo wir herzlichst mit Käsespiese, gereicht von Behinderten, empfangen werden. In der Kirche wurde uns ausführlich über Hephata berichtet. Gegründet wurde der Betrieb 1901, die Behindertenarbeit steht im Mittelpunkt, daneben noch Pflege und Ausbildung. Inzwischen sind insgesamt 2.000 Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt.
Ein Betrieb, der allerdings auch seine Schattenseite im 3. Reich hatte - 400 Opfer.
Der nächste Termin war im Treff Hephata bei Kaffee, Kakao und Kuchen. Ein Ort, wo 2 x wöchentlich Begegnung mit Behinderten,Angehörige, Freunde usw. stattfinden kann, ab 18.00 Uhr mit Tanz.
Die Erfahrung war positiv, die meisten Bewohner sehr kontaktfreudig, so dass gleich Begegnung stattfand.
Mein Eindruck ist: "Jeder Mensch ist etwas ganz besonderes und einmalig."
Das Nachtlager ist in einer Turnhalle, Aula und
Flur. Um 19.00 Uhr wurden wir von der ev.Kirchengemeinde Hephata zum Abendmahlgottesdienst eingeladen. Behinderte haben den Gottesdienst mitgestaltet. Auch hier wurden wir
tief berührt. Waldemar hat gesungen und Uwe die Lesung vorgetragen. Anschließend Abendessen. Helga und Johanna hatten die Suppen gerührt und sind unseren Küchenmeistern zur Hand gegangen.
Nach dem Abendessen haben die Eichsfelder traditionell ihr Lied gesungen.
Ganz still wurde es in der Aula als Waldemar (Hephatabewohner) anschließend das Lied
"Bleibet hier und wachet mit mir - wachet und
betet" gesungen hatte. Leise sangen manche
Pilger mit. Wir beendeten den Tag mit dem
Nachtgebet.
Annette