Pilgern - Erfahrungsberichte

Kirchhain - Marburg

von Dorit Brodhun (08.09.2007)

Liebe Regina,
Du hast uns zu Haus in Gedanken begleitet
und wirst mit diesem Brief, der den letzten Tag
beschreibt, herzlichst gegrüßt.
Es war ein besonderer Tag für uns Pilger,
Freude, aber auch etwas Wehmut sollte ihn
bestimmen. Ich hoffe, dass Du am Ende des
Briefes ein wenig unseren letzten Pilgertag
nachvollziehen kannst. Heute weckten uns die
Glocken der kath. Kirche.
Die Tagesrucksäcke packten wir zum letzten
Mal, die Ordnung in den Rucksäcken wurde
immer besser.
Das Schweigen vom Nachtgebet her wurde nur
durch ein freundliches leises "Guten Morgen"
unterbrochen. Das tat mir gut, denn meine
Augen konnten es noch nicht sagen, weil meine
Seele doch noch ein wenig müde war.
Die Losung des Tages, die Güte Gottes für uns
Menschen, verbunden mit dem Morgengebet,
eröffnete das Frühstück im Kath. Pfarrhaus.
Mit Gesang begann unser Weg, der uns viel
Asphalt bescheren sollte. Unsere Füße spürten
den harten Asphalt, sie versuchten, wenn
vorhanden, die weiche Grasnarbe zu betreten.
Heute freuten wir uns auf die vielen Stationen
der Heiligen Elisabeth. Bereits 10 Uhr betraten
wir die Jacobskirche in Kleinseelheim. Wir
waren beeindruckt von der Schönheit dieser
Kirche, die 1675 erbaut wurde. Auch haben
einige versucht, die herabhängenden
Glockenseile zu ziehen. Wir hörten die Orgel
und übten danach die Lieder für die heutige
abendliche Vorstellungsrunde der Pilger.
Nachdem wir ein Stück gegangen waren,
erinnerte uns die Punkta an die besondere
Verbindung von Elisabeth zu Christus. Ihr
Gelübde für Christus berührt unser rationales
Denken besonders.
Wir werden in der Stille gefragt: Wie gehe ich
mit Krankheit, schweren Erfahrungen sowie
Erlebnissen um? Lasse ich verschiedene
Gotteserfahrung zu? Hier habe ich an die vielen
Pressemitteilungen über Katastrophen gedacht,
wie reagieren wir eigentlich?
Schweigend laufend nehmen wir die ersten
Boten des Herbstes war, farbige Laubblätter
liegen auf dem Weg, die Bäume beginnen sich
zu färben, die Herbstbestellungen der Felder
haben begonnen. Die Vergänglichkeit klopft an.
Die Bibelarbeit vor dem Gottesdienst 12 Uhr in
der Kirche zu Schröck bereitete uns recht gut
auf den Predigtext vor. So konnten wir uns im
Gleichnis vom "Weinstock mit seinen Reben"
wiederfinden.
Die Verbundenheit Elisabeths und Marias mit
Christus, in aller Stille und Offenheit, hat uns
Bruder Rolf in seiner Predigt nahe gebracht.
Doch jetzt waren wir hungrig. Zügig liefen wir
zum Elisabeth-Brunnen, umgeben von alten
Hügelgräbern, erbaut 1596. Unsere guten
Geister hatten dort unser Mittagsbrot
aufgetischt.
Mit einem lustigen Gedicht über das Pilgerleben
unserer Gruppe beendeten wir die Mittagsrast.
"Cyrill" wüstete im Wald so schlimm, sodass wir
auf dem bereits begonnen schönen Waldweg
umkehren mussten. Etwas missmutig verließen
wir den Wald, aber als wir 15.45 Uhr die
Elisabeth-Kirche in Marburg erblickten, war die
Freude groß. Mit etwas Phantasie dachten wir
an Jerusalem.
Doch wieder in der Wirklichkeit angekommen, haben wir Gott für die Bewahrung auf dem Pilgerweg gedankt. Jetzt ging alles sehr schnell.
Nach der kleinen Kapelle St. Jost, die 1310 erbaut wurde, schauten wir uns die Jacobsherberge nur kurz an. Die Peter und Paul Kirche wartete schon auf uns. Diese Kirche, modern, mit viel Beton und einem sehr schönem Kreuzweg, war gewöhnungsbedürftig. Leider konnten wir nicht in die Krypta, da dort ein Gottesdienst stattfand.
Nun war es endlich soweit. Singend liefen wir zur, um und in die Elisabeth-Kirche. War das ein Gefühl! Ich kann es heute nicht in Worte fassen, verstehe es bitte. Sicher werde ich Dir später mehrdarüber schreiben.
Der Pilgergottesdienst, 18 Uhr, mit anderen Pilgergruppen, rührte unsere Herzen an. Dieser Gottesdienst erinnerte mich an das Ankommen in Santiago Compostela.
Mit viel Herzenswärme berichtete die Pfarrerin der Elisabeth-Kirche während der anschließenden Kirchenführung von der Heiligen Elisabeth.
Die Kirchgemeinde bedachte aber auch, dass Pilger auch langsam Hunger hätten und lud uns zum Pizza-Essen ein, dafür waren wir sehr dankbar.
Anschließend stellten sich nun die Pilgergruppen vor, ich erwähnte die Vorstellungsrunde ja schon einmal. Die Pilger kamen von Aachen/Köln, Frankfurt, Lauterbach und Nordhessen.
Jeder war nun müde. Der größte Teil der Pilger suchte sich eine Schlafstätte in der Kirche, die uns von der Pfarrerin als "Himmel" angepriesen wurde.
Sanft, mit vielen Eindrücken im Herzen, schlief die Pilgerschar ein.
Liebe Regina, das war unser letzter Pilgertag.
Herzlichst
Dorit