Pilgern - Erfahrungsberichte

21.06.2008 Stadtoldendorf / Kloster Amelungsborn

Samstag, den 21. Juni 2008

Bei mir herrscht große Hektik; es sind noch jede Menge Mails zu beantworten und Abschieds-Telefonate zu führen: Himmel, so lange bin ich doch gar nicht weg!
Gleich will ich noch mit dem Bus zu Peter ins Krankenhaus, dann schnell mit der Straßenbahn zum Bahnhof Wilhelmshöhe, eben die Fahrkarte ziehen, und rein in den Zug nach Stadtoldendorf. Rucksack und Tasche sind ganz schön schwer; ich habe bestimmt wieder zu viel eingepackt. Beim Sitzen kann ich mich langsam "runterfahren".
Vor dem Umstieg in Kreiensen treffe ich die erste Mit-Pilgerin - und dann die Überraschung: der Zug nach Stadtoldendorf ist voller Pilger! Ich sehe in einige verschwitzt-angespannte Gesichter, andere sind fröhlich-hoffnungsvoll; meins gehört im Moment eher noch zur ersten Kategorie.

Erwartungsvoll steigen wir am Bahnhof Stadtoldendorf aus - und erste Orientierungslosigkeit setzt ein. Es ist niemand da, der uns abholt oder den Weg zeigt, also setzt sich die Pilgerkarawane Richtung Kirchturm in Bewegung. Mit vereinten Kräften finden wir Kirche und Gemeindehaus - und beziehen unser Nachtquartier in einer Turnhalle. Danach gibts ein Kennenlern-Treffen im Pfarrgarten: Pater Rolf begrüßt uns und erzählt, dass Manfred Gerland erkrankt ist und leider nicht dabei sein kann; schade! Dann gibt es eine kurze Vorstellungsrunde mit Namen, Herkunftsort und dem Grund des Pilgerns; das ist sehr aufschlussreich. Es sind zahlreiche "Wiederholungstäter" dabei, aber auch jede Menge Neulinge - das beruhigt mich. Einige sind sogar aus Hamburg und Heidelberg angereist. Insgesamt sind wir 65 Leute zwischen 16 und 75 Jahren - eine bunte Mischung.

Anschließend informiert Ele über Organisatorisches und bittet, einzelne Aufgaben während des Weges zu übernehmen. Da werden Strecken-, Pack-, Küchen- und Besenmeister gesucht, Leute, die Gästebuch-Einträge übernehmen und TagesHeiligerIn. Ich finde es interessant, die Pilgerberichte zusammenzustellen und übernehme diesen Job. Was mich überrascht: Viele engagieren sich im Vorbereitungsteam. Ele erklärt die "Spielregeln", Heinz den Ablauf, Rolf gibt einen geistlichen Input. Um 17 Uhr starten wir zum Kloster Amelungsborn - und es gibt schon jede Menge interressante Gespräch auf dem Weg.

Im Kloster Amelungsborn werden wir durch den Prior begrüßt; er empfängt uns an der Eingangspforte mit den Worten: "Die Tür ist weit offen - und das Herz noch mehr!" Und dann sagt er noch, dass das Pilgern uns helfen kann, unser Leben Stück für Stück unter die Füße zu nehmen und ganz neu zu buchstabieren. Diese Formulierung tut mir richtig gut; ich habe einiges, was ich auf dem Weg "bearbeiten" und loslassen möchte. Und ein weiterer Satz fällt tief in meine Seele: "Ehe ich etwas Belangloses rede, schweige ich lieber." Das will ich mitnehmen auf den Weg …


Margit Lambach