Pilgern - Erfahrungsberichte

Haßfurt - Lülsfeld

von Ingrid Sander (04.10.2008)

Nach einer etwas unruhigen Nacht wegen der lauten Musik bis in die Nacht vom gestrigen Straßenfest in Haßfurth und einem etwas harten aber warmen Boden, konnten wir pünktlich um 8.00 Uhr unser Frühstück im Pfarrheim einnehmen.
Die Frühaufsteher deckten den Tisch mit den reichlichen Gaben, die unser Kraftfahrer Hermann und unsere Verpflegungsmutter Ingrid Schmidt besorgt hatten.
Unser heutiges Thema gab uns Manfred , der Leiter unseres Pilgerweges, bekannt:
" Die Schmerzen Mariens "
Dazu las er noch einige Denkanstöße von Bodelschwingh und den Psalm 32 Vers 10.
.
Dort heißt es:
"Der Frevler leidet viele Schmerzen, doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben."
Nach kurzem Morgenlob ließen wir uns das Essen schmecken, besonders unsere Lieblingsspeise Quark mit Marmelade.
Nachdem wir unser Quartier sauber verlassen haben ,bedankten wir uns bei der Vertreterin der Pfarrgemeinde für den angenehmen Aufenthalt mit dem Lied :
Möge die Straße uns zusammen führen...
Gegen 9.00Uhr starteten wir per Rad in Richtung Maria Limbach.
Früh am Morgen konnten wir wieder einmal die herrliche herbstliche Natur bestaunen und Gott für seine Schöpfung loben und preisen.
Mir fiel besonders ein riesiger , freistehender Nussbaum auf, dessen Zweige rundherum bis auf die Erde reichten. Ein Prachtexemplar! Zurückschauend sahen wir die ersten Weinberge und die Zeiler Kapelle, die wir aus Zeitgründen nicht besuchen konnten, leider!.
So radelten wir , vorbei an einem großen Schwarm brauner Gänse, an einem Seitenarm des Mains ,dem alten Main entlang und konnten
in großer Gelassenheit dahinziehende Schwäne beobachtend .
In der wunderschönen Kirche Maria Limbach, in der gerade eine Trauung vorbereitet wurde, hielten wir eine kurze Andacht .
Wieder verehrten wir die Pieta, das Gnadenbild aus dem 14. Jahrhundert.
Seitdem durch hiesiges Quellwasser eine Heilung geschehen ist ,ist eine lebendige marianische Wallfahrt neu erwacht.
Die 7 Schmerzen Mariens machte uns Manfred noch einmal bewusst:
 Du hörtest die Worte des Simeon: Deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
 Du warst auf der Flucht nach Ägypten
 Du suchtest Jesus in Jerusalem
 Du erlebtest die Verurteilung deines Sohnes
 Du erlebtest seinen Kreuzweg und begegnest ihm .
 Du standest mit Johannes unter seinem Kreuz
 Du hattest den toten Leichnam deines Sohnes auf deinem Schoß
Einige Denkanstöße als Meditationen für den Weg:
 Was sind meine Verwundungen und Schmerzen ?
 Wo habe ich anderen Schmerzen zugefügt ?
 Welche Wege gibt es, zu vergeben ?
Ich durfte die Litanei von der schmerzhaften Mutter vorbeten.
Draußen entdeckten wir einen riesige uralte Linde, als Denkmal mit Stahlseilen gehalten. Innen hohl und darin ein neuer stattlicher Baum wachsend.
Dieses Naturschauspiel erinnerte mich dran, dass unter bestimmten Bedingungen aus Altem Neues wachsen kann .
Weiter geht die Radpilgerreise parallel zur Autobahn aber geschützt unter einem vom Blätterdach umspannten langen Weg. Hier wurden mir die Polaritäten des Lebens wieder bewusst. Ruhe ,Besinnlichkeit und Lärm und Hektik des Alltags. Alles gehört doch irgendwie zusammen.
Plötzlich kam etwas Unruhe auf. Leslie fehlte. Sie hatte einfach den Weg geradeaus genommen in ihrem Eifer des Radelns. Doch die Letzten hatten das Ausbrechen unseres "Kükens" bemerkt.
Nun folgte ein stetig ansteigender Weg im Steigerwald hinauf.
Wir genossen die heraustretenden warmen Sonnenstrahlen, die durch das bunte Laub hindurch unsere Herzen erfreuten.
Auf der Höhe schnaufend angekommen, hatte Erika noch Muße von jedem abgekämpften Pilger ein Foto zu schießen.
Pünktlich um 12.00 Uhr entdeckten wir an einer Weggabelung eine Hütte zum Rasten. Hier beteten wir gemeinsam das Angelusgebet und machten an einem wunderschönen Weinberg umgeben von Rebstöcken mit Weintrauben unsere Mittagsrast.
In der Kapelle " Maria Hilf" trafen wir mit einem "Hurra!" wieder auf unseren Bus, mit dem Hermann uns begleitete.
Diese Kapelle wurde von einem Kriegsgefangenen errichtet, der ein Gelübde abgelegt hatte.
Nach kurzer Andacht mit Beten des Wundenrosenkranzes radelten wir mit Sonnenstrahlen im Gesicht wie im Flug hinab nach Bischwind..
Nach einem kurzen Regenschauer mit Graupelkörnchen erfreute uns ein wunderschöner Regenbogen.
Das Zeichen des ewigen Bundes Gottes mit seinem Volk. Das machte mir Mut und gab Zuversicht.
Wieder wurden wir mit Glockengeläut empfangen.
In Gerolzhofen vergaßen wir alle Pilgerregeln und suchten das Stadtkaffee auf, um uns aufzuwärmen.
Es war schon erstaunlich, wie der Kaffee und bei Einigen auch etwas mehr neue Kräfte mobilisierte.
Nun radelten wir frisch gestärkt dem heutigen Tagesziel Lülsfeld entgegen.
Hier begrüßte uns die Oberin Gundegard mit einer Mitschwester auf`s Herzlichste. In diesem Kloster "Maria Schnee" leben 13 "Schwestern des Erlösers"
Gleich am Eingang lasen wir in großen Buchstaben ihren Leitspruch :
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung " von Martin Buber
Mit Stolz servierte die Küchenschwester uns ein mit Liebe zubereitetes Abendessen, einen strammen Max. Sie sagte : "Die Liebe geht doch durch den Magen"
Nach dem Essen gab uns die Oberin einen geschichtlichen Abriss über das Kloster und Ihr Leben. Danach folgte noch eine Stunde " Bibelteilen"
Wir begannen mit dem Lied: "Selig seid Ihr"
"2. Kor.4; 6-15 stand zur Lesen
Schlussfolgerung :
Die kostbarsten Dinge im Leben entstehen durch Schmerzen.
Daraus erwachsen Selbstfindung, Vertrauen, Glauben und Liebe.
Ein gemütliches Beisammensein mit fränkischem Wein, den uns die Schwestern empfahlen, rundeten den schönen Pilgertag ab.
Im Gästebuch bedankten wir uns für die herzliche Aufnahme und bestätigten ihnen, das sie wahrhaft den Menschen mit Liebe begegnen. Das durften wir hier wirklich erfahren.