Pilgern - Erfahrungsberichte

11. Juli - Leinefelde

"Alles, was ihr tut, tut von Herzen als dem Herrn, nicht den Menschen." So steht es mit großen Lettern an der Stirnseite der lutherischen Kirche geschrieben, an der wir fast vorbeigelaufen wären, so wenig fällt sie im Straßenbild Leinefeldes auf. Doch die Kirche zeigt mitten im katholischen Eichsfeld Flagge: Sie trägt deutlich sichtbar die Luther-Rose an der Außenwand. Pfarrer Ewald bittet uns hinein in seine Kirche, und es geht über Treppenstufen hinauf in den einfachen Kirchsaal. Wir feiern den ersten Gottesdienst auf unserem Pilgerweg, der uns von hier bis auf den Hülfensberg führen wird. "Pilger sind wir Menschen" - schon zum zweiten Mal an diesem Tag stimmen wir das Pilgerlied mit seiner kraftvollen Melodie an. Ein erster Ruhepunkt, ein erstes Innehalten an diesem Tag. Wir beten um Segen und Bewahrung auf unserem Weg und wir beten für andere: für die Menschen, die wir zu Hause zurückgelassen haben, und für die Menschen, die nicht mitpilgern können.

Zwei Stunden vorher waren wir mit Sack und Pack im Gemeindehaus der katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena eingetroffen, gespannt und voller Vorfreude. "Schön, dich wieder zu sehen!" Die eine fällt der anderen um den Hals, ein anderer wird herzlich umarmt. Wir wollen uns wieder gemeinsam auf den Weg machen, und die Freude darüber spiegelt sich in den Gesichtern. In der ersten großen Runde werden Grüße ausgerichtet, die Erstpilger mit den wichtigsten Pilgerregeln vertraut gemacht und Aufgaben für einen reibungslosen Ablauf verteilt. Da gibt es das Amt des Streckenmeisters, des Küchenmeisters, des Besenmeisters und des Packmeisters, Küchenhilfen werden für jeden Tag gebraucht, ein Weckdienst eingerichtet und eine übernimmt die Verantwortung dafür, dass alle liegen gelassenen Dinge am nächsten Morgen auch wieder mitgenommen werden.

Am Abend erwartet uns im Gemeindehaus eine schmackhafte Suppe, aus großen Mengen Petersilie zubereitet und kräftig mit Knoblauch abgeschmeckt, sowie frischer Salat. Danke, Bodo, für Suppe und Salat, danke, Ingrid und Annette, fürs Schnippeln und Schneiden!

Um 21 Uhr beschließt die Complet in der Kirche den ersten Tag.
Ulrike Arnold, Eschwege