Pilgern - Erfahrungsberichte

12. Juli Leinefelde - Duderstadt

Heute ist der erste "Pilgermorgen": von Musik geweckt fangen die Verschlafenen an, leise zu rascheln und emsig zu packen. Um 6.30h soll es Frühstück geben und um 7.30h Messe. Willy macht sich in der Küche zu schaffen. Es gibt seinen berühmten "inoffiziellen" Kaffee; was für eine Freude, dass er wieder dabei ist. Peu á peu versammeln sich die fast 60 Pilger an den Tischen, die noch herbeigeschleppt werden. Noch sind wir im Schweigen und kaum hat Claudia das Tischgebet gesagt, geht es auch schon los, das Durcheinandergeschnattere. Danach gibt's Messe in der benachbarten Kirche zu Leinefelde, die der Hl. Maria Magdalena geweiht ist. Bruder Rolf spricht vom großen Vertrauen der ausländischen Frau: Es war größer, als Jesu Offenheit und Hilfs-bereitschaft ihr gegenüber. Sie bleibt dran!

Während die Sonntagsgemeinde allmählich eintrudelt, machen wir uns auf den Weg. An den Leinequellen vorbei aus Leinefelde hinaus auf eine Anhöhe. Dort hält Peter die Puncta: Jesus hat das Gesetz vor Augen, als er die ausländische Frau abweist. Wie verhält es sich mit Gesetz und Gehorsam? Wie mit der Herzens-wahrnehmung und der Grenzüberschreitung? Auch Jesus, ganz Mensch, musste lernen, dass Regeln um der Liebe willen losgelassen werden müssen.


Steil den Berg hinauf führt uns der Waldweg. Am Kantstein endlich brechen wir das Schweigen. Eine berauschende Aussicht ist der Lohn unserer Aufstiegsmühe. Weiter über den Berg an der Grabstelle derer von Adelsberg vorbei geht es der Burg Bodenstein entgegen. In der Hauskapelle halten wir das mittägliche Friedensgebet. Ein Engel hält unter dem Dach die Taufschale bereit, man kann ihn im Bedarfsfalle herablassen...

Etwas mühsam schleppen wir uns durch den Rest der Vormittagsstrecke und lassen uns ins Gras, auf Baumstämme und morsche Bänke sinken. Die Bibelarbeit eröffnet uns im Anschluss an die allzu kurze Pause den Blick auf eine Frau, die sich nicht einschüchtern noch wegscheuchen lässt, sondern beständig bleibt im Gebet für ihr krankes Kind - und auf den Herrn, der auf sein Herz hört und seinem Herzen gehorcht: gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters.

Weiter geht’s durch den Wald und die Ortschaft Wehende zur ehemaligen Grenze. Dort liest uns Cordula ein Gedicht von Bettina Wegener von der Heimat und von dem Niemandsland, in dem man verloren gehen kann. Von hier aus kann man Duderstadt schon sehen. Was für einen Schub gibt es noch einmal, wenn das Ziel vor Augen liegt!

Mit Gebet und Lied feiern wir unsere Ankunft in der Kirche, die "Dom des Eichsfeldes" genannt wird, und die Gemeinde spendiert uns "Sattenhausener" Erbsensuppe. Endlich kommt auch unser Gepäck und nach der Komplet fallen wir (fast) tot in unseren Schlummertüten auf die Matten. Geschafft!
Elke Lütgenau-Hawae, Hamburg