Pilgern - Erfahrungsberichte

13. Juli Duderstadt - Uder

D uder stadt - so nah beieinander und doch so weit - aber das wissen wir noch nicht, als wir bei Kaffe und Brötchen beisammen sitzen. Vor der Haustür Verabschiedung: "Alle Menschen sollen leben, die uns was zu essen geben!"

Gestern war Schützenfest, wie uns zu Ohren kam, und so ziehen wir von der katholischen Propsteikirche St. Cyriakus über den mit Fahnen behangenen Marktplatz mit schönen Fachwerkhäusern zur St. Servatiuskirche, die netterweise für die Evangelischen umgeweiht wurde, damit auch "wir" in dieser Stadt versorgt sind. "Kommt, lasset uns anbeten" - so die Inschrift über dem Eingangsportal. Der Altar ist gerahmt von zwei Engeln. Der linke hat die Hände vorm Bauch gefaltet, der rechte hat die Hände vorm Herzen aneinander gelegt. Die Pastorin begrüßt uns sehr herzlich.

Die Predigt von Stephanie hat den Streit von Jakob und Esau zum Thema: Betrug, Mordandrohung und Flucht und nach langen Jahren die vorsichtige Annäherung und schließlich die Versöhnung - Gen 32/33.

Unsere Pilgerschar vergrößert sich um drei Personen.

Auf dem Marktplatz steht eine Skulptur. Zwei Menschen, einander zugewandt, ja sogar zugeneigt, an der zugeneigten Seite etwas abgeflacht, es fehlt etwas zum ganzen Menschen, fast wie ein gespaltener Baumstamm stehen die beiden dort, getrennt durch einen geraden, steinernen Wassergraben.

Wir sehen einen Turm mit Torbogen und gedrehtem Dach, ziehen jedoch in anderer Richtung davon.

Die Puncta: Versöhnung hat mit einem gesunden Abstand zu tun und viel mit den Augen; sich wieder in die Augen sehen können, sich auf Augenhöhe begegnen können. Wann kann ich anderen auf Augenhöhe begegnen? Welchen Menschen schaue ich gerne in die Augen? Wem würde ich gerne wieder in die Augen schauen können? Gottes Blick auf uns; den anderen achten und schätzen. Lass uns unsere Augen nutzen; schenke uns den Blick füreinander!

Böseckendorf - Pater Rolf erzählt von den Dorfbewohnern, die alle gemeinsam über die Grenze gingen, dabei tragischerweise ein Kind vergaßen.

Weiter geht es durchs Eichsgebirge. Es ist schon spät und das aufgebaute Mittagsbuffet ist noch fern. Wir nehmen eine Abkürzung durch ein Rapsfeld. Ein steiler Hang wird mit Hilfe des Seils von Sarah und Unterstützung von Helmut und Christoph von allen unbeschadet überwunden. Auf der anderen Seite des Bachgrundes geht es steil wieder bergauf. Oben angelangt teilen wir unser Brot und warten erschöpft auf Erlösung. Hoch auf dem gelben Wagen kommt Hermann, der uns um etliche Rucksäcke erleichtert. So geht es weiter nach Siemerode. In einer hellen, kühlen Kirche nehmen wir Platz im Schoße einer Engelschar. "Kurzes Gebet - lange Wurst" und wir ziehen weiter zum Kindergarten, um uns zu stärken und auszuruhen. "Pilgern light" wird eröffnet und manch einer nutzt den Shuttleservice.

Am Nachmittag die Aufforderung sich auszutauschen über unsere Erlebnisse mit Ost und West, der Mauer und dem Mauerfall. Es gibt viel zu erzählen. Da ist der Weg zu kurz. Wir kommen an eine Mariengrotte, die von Heimkehrern errichtet wurde.

War es 20 Uhr, als wir nach knapp 30 km in Uder ankamen? Wie viele Höhenmeter haben wir heute überwunden? Es gibt ein weiteres kurzes Gebet und die Frage "Waschen oder Essen" ist schnell geklärt. Wir laben uns im Pfarrgarten an Gemüsesuppe und Waldmeisterquark.

Dieser Tag "endet" mit einer eucharistischen Anbetung in der Pfarrkirche St. Jakobus in Uder.

Nachlese: Ich bin dankbar für das reichliche Schwitzen und auch für die Tränen, die schließlich flossen. Das reinigt und klärt. Ich bin dankbar, für die Erschöpfung, verbunden mit der Sicherheit anzukommen, Herberge zu finden und versorgt zu sein. Ich bin dankbar für alle Begleitung.
Brigitte Stüdemann, Hamburg