Pilgern - Erfahrungsberichte

15. Juli Friedland - Bornhagen

Heute Morgen haben einige eine Pantomime zum heutigen Bibeltext vorgetragen. Der Text steht im Buch der Ruth 2.

Punkta am Mahnmal in Friedland: Wir stehen vor dem Mahnmal: "Der Hoffnung des Denkens und der Versöhnung. Es steht eindrucksvoll da als Mahnung an die Nachwelt der kommenden Generationen." Die Mitte symbolisiert die Grenze Deutschlands. Das Mahnmal wurde am 15. 10. 1967 fertig gestellt.

Das Glück der kleinen Welt: "Mit Garten und Haus und Rauhaardackel". Aber: Gott ist ein Gott des Weges, deswegen wurde umhergezogen.
- Was bedeutet für mich Heimat?
- Bin ich angekommen?
- Was ist das Ziel meines Lebens?!
- "Lasst uns den Weg nicht lieber haben als das Ziel." Wir sollen als Pilger immer auf dem Weg sein.

Man sagt heute, der erste Eindruck entscheidet. Welche Eindrücke mögen die Menschen, die hier ankommen müssen, von uns haben, wenn da steht: Dies und das darf man nicht in die Toilette kippen? Ich bin traurig gewesen und habe an meine Großmutter gedacht. Wie sie mit ihren drei kleinen Kindern geflüchtet ist. Nur ein Bündel durfte sie damals mitnehmen, als sie aus Danzig gekommen ist. Der Untergang der Wilhelm Gustloff: Auch sie wollte mit, aber das Schiff ist schon belegt gewesen. Welchen Eindruck haben wir Christen von Menschen, die anders sind? Sagen wir, dass es auch für uns eine Bereicherung darstellt? Oder denken wir: Ausländer raus!!! Ich denke, wir wissen oft nicht, dass die Flüchtlinge überhaupt nicht arbeiten dürfen. Über 2 Millionen Menschen sind bis zum Jahr 1954 im Lager angekommen. Wenn man darüber nachdenkt, dass es das Lager seit 1945 und zwar bis heute gibt!!! Und dass uns eine selbstgemachte wohlschmeckende Suppe mit vielen Würstchen drin gereicht wurde, die aus der Lagerküche an uns Pilger verteilt wurde. Und die Menschen, die gleichzeitig mit uns aus dem Irak angekommen sind: sie bekamen auch erst mal diese heiße Suppe. Wenigstens eins, was uns an diesem Tag miteinander verbunden hat!! Ich habe meine Grenzkerze ganz bewusst dort gelassen. Sie soll für alle Menschen leuchten und vielleicht einigen Hoffnung und Trost und Zuversicht spenden. Deswegen wurden diese Kerzen auch Ostern von den Pilgern gestaltet. Mögen die Grenzen wegfallen und wir denken: "Frieden ist, wenn die Schlagbäume aus Zuckerguss sind." Grade in Friedland ist mir bewusst geworden, was meine Großmutter erleben musste. Lasst uns jeden Tag dankbar dafür sein, dass wir nicht in einem Krisengebiet leben, sondern hier in der BRD!

Rast im Obstgarten im Rittergut Besenhausen: Uns Pilgern wird gestattet, im Obstgarten des Rittergutes die Mittagspause zu halten. Vielen Dank dafür! Der Hofhund leistet uns Gesellschaft.

Das Gut wurde um 1307 erstmals urkundlich erwähnt. Es gibt eine Höfeordnung, die dazu dient, Gutsanlagen im Urzustand zu erhalten. Der Hof wird konventionell bewirtschaftet, ein Hofcafe ist für Besucher geöffnet. Es gibt auf dem ganzen Gut einen Ofen für Holzhäcksel. Der Bach hat eine Turbine, die zur Stromerzeugung genutzt wird. Jedes Gut hatte auch eine kleine Kapelle. Die Kapelle von Besenhausen hat ein neu gedecktes Dach, eine "blaue Innenausstattung" und eine rotbraune Decke. Die Schlösser der Kapelle wurden ständig ausgewechselt. Bis zum heutigen Tag wird auf dem Gelände die Familie beigesetzt.

Wir sangen das Lied: "Ihr Mächtigen, ich will nicht singen." Hermann erzählte von den Schwierigkeiten beim Grenzübertritt und davon, dass er den Inhalt eines Koffers aufgeben musste mit der Post. Er durfte nichts mitnehmen. Er durfte auch keine Devisen einführen. Er hatte natürlich seine Devisen im Brillenetui versteckt. Meinte aber daraufhin, dieses Mal habe er es wo anders. Da hat er noch mal Glück gehabt!

Besenhausen zeichnet sich durch die Grenze aus. Heute sind es die Ländergrenzen. Unweit des Rittergutes verläuft das " Grüne Band" - ein einzigartiger Biotopverband von der Ostsee bis Sachsen. Gleichzeitig ist es ein grünes Denkmal deutsch-deutscher Geschichte. Die Regierung Thüringen hat sich die Erhaltung und die Entwicklung des grünen Bandes zur Aufgabe gemacht. Es geht um die Gebiete von Herleshausen bis nach Wanfried, von Lengenfeld unter’m Stein bis Duderstadt (Ellrich). Vielleicht ist es gut, wenn in diesem Bereich die Wildzäune abgebaut werden.

Kurze Rast an den alten Grenzsteinen: KP Königreich Preußen / KFH Kurfürstentum Hessen / KH Königreich Hannover. Wo früher drei Staaten aneinanderstießen, verlaufen heute die Grenzlinien zwischen Hessen, Niedersachsen und Thüringen.

Was für ein Weg! Es gibt eine Vielzahl von Schmetterlingen zwischen den beiden Grenzstreifen. Es wird uns gestattet noch den Ausblick von der Burg Hanstein zu haben. Die Kirche unterhalb der Burg wurde 1450, also im Mittelalter, erbaut. Sie ist schon immer eine Wallfahrtskirche gewesen.

500 Meter von hier ist die Unterkunft, sagt Manfred und er hatte Recht. Viel Stroh gibt es in der Scheune. Und Tische und ein ausgestopftes Wildschwein. Es ist gemütlich und warm. Natürlich gibt es auch zwei Esel, sie haben uns dann pünktlich um 5. 30 Uhr geweckt. Das ist echt klasse gewesen. Und das natürlich nur, weil Helga dem Esel was zu Fressen hingelegt hat. Danke, Helga!
Leslie Höll, Freigericht