Pilgern - Erfahrungsberichte

05.07.2010 Hünfeld - Schenklengsfeld

Tagesbericht - Ökumenischer Pilgerweg - Montag 05.07.2010

Um 4:30 Uhr werde ich durch einen ohrenbetäubenden Lärm wach. Ich liege in der Kirche direkt unter der Treppe die zur Empore führt. Hinter dem Altar zersägt gerade jemand einen ganzen Wald, und über mir hört es sich an, als würde sich jemand mit einem Presslufthammer am Kirchturm zu schaffen machen. Ein schneller Griff in meine Tasche und schon stecken die Ohrenstöpsel tief im Gehörgang. Ruhe. Ich schlafe tatsächlich noch mal ein. Gegen 6 Uhr werde ich von engelsgleichem Gesang geweckt. Das Ritual, die Pilger mit einem Lied zu wecken finde ich schön und hat durchaus einen sanfteren Charakter als das wecken mit einem Wecker. Nur mühsam quäle ich mich aus meinem Bettlager. Die ersten Kilometer machen sich schon in den Knochen bemerkbar. Ich denke an Karl, der mit seinen 75 Jahren immer noch mit dabei ist. Wie macht er das nur?

Das Schweigen am Morgen kommt mir Morgenmuffel sehr entgegen. Nach dem ich meine Sachen gepackt habe, gehe ich zum Frühstück. Es duftet schon nach Kaffee. Auf dem Tisch entdecken meine müden Augen dreierlei Brötchen. Dabei habe ich, wie man mir sagt, noch gar nicht das Buffet gesehen. Buffet und Pilgerreise. Zwei Wörter dich nicht so recht zusammen passen wollen. Eigentlich hatte ich die ganze Woche nur mit Graubrot gerechnet. Na ja, mir soll´s egal sein. "Gastfreundschaft genießen" ist hier das Stichwort.

Das Motto des Pilgerweges heißt "Hoffnungsspuren". Ausgehend von Röm. 8, 16-25 steigen wir, von Manfred´s Predigt angeleitet, etwas tiefer in das Thema ein.
Ich versuche für mich selbst eine Definition von Hoffnung zu finden. "Hoffnung ist nichts logisches, nichts berechenbares. Hoffnung ist ein Kraft die mich antreibt. Verwurzelt in meinem Glauben, lenkt sie meinen Blick vom irdisch vergänglichen, hin zum überirdisch unvergänglichem". Für den Moment kann ich mit dieser Definition leben. Sie wird sich mit Sicherheit im laufe der Woche noch konkretisieren.

Der Tagesmarsch führt uns einen wunderschönen Waldweg entlang, über weite erntereiche Kornfelder nach Schenklengsfeld. In der Mittagspause döse ich tatsächlich noch mal ein und genieße es, nicht wie am Tag zuvor, von Killerschnarken attackiert zu werden.
Am Tagesziel angekommen, freue ich mich über die zufällig entstanden Ruhe, da ein Großteil der Truppe zum Duschen im Freibad verschwindet. Den Tagesabschluss sehne ich herbei und warte bis es Nacht wird um morgen wieder mit frischer Kraft die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

Johannes Falk