Pilgern - Erfahrungsberichte

04.07.2010 Fulda - Hünfeld

Es klappern die Türen, Düfte der Körperreinigung dringen hindurch, das 1. Flugzeug hinterlässt rote Kondenzstreifen am Himmel. Rieche ich schon Kaffeeduft? Ich liege noch auf meiner Luftmatratze und freue mich auf das Wecken durch Pianomusik. Noch ist für mich "heilige Nacht" - ich denke an Menschen, die Gottes Fürsprache brauchen ....... bis Helga uns weckt, eigentlich schade. Es ist 5.30 Uhr. Ob der Pianospieler zu schlecht geschlafen hat? Oder hat er die Anspielung gestern Abend nicht für Ernst genommen, er ist erst neu zu uns hinzugekommen .....

Trotz der vielen Pilger herrscht Stille im geschäftigen Haus - die 1. Pilgerregel, schweigen bis zum Morgengebet, wurde erhört!!!!
Lege ich mein übliches Grün auf die Augen oder trete ich vor Gott so wie ich bin? Mich beim Pilgern schön zu machen ist für mich eine neue Denkweise - ein Geschenk des Sinai?

Mit dem Morgengebet beginnt unser 1. Pilgertag. Janina greift das Motto unseres Weges noch einmal auf: " Damit ihr Hoffnung habt" und sie ermuntert uns, Hoffnungsspuren zu entdecken, zu legen und weiterzutragen. Die Basis dieser Hoffnung ist die Botschaft dieses und jeden Sonntags: "ER IST AUFERSTANDEN, ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!! Da können wir nur fröhlich singen: Halleluja, Preiset den Herrn, Halleluja .....

Nach dem Frühstück mit leckerem Salat und Kräutern von Bodo brechen wir um 7.30 Uhr zum Petersberg auf. Die Glocken begleiten uns .....

Der Gottesdienst wird von Bruder Rolf in der Lioba-Kapelle gehalten, einer wunderschönen Kapelle mit alten Bildplatten aus romanischer Zeit, darunter auch die älteste von Bonifatius, und barocker Kanzel.

Thema der Predigt, das sich durch den ganzen Tag ziehen wird, ist Gen. 9, 8 - 17

Nach der Sintflut schließt Gott einen Bund mit Noah und allen Lebewesen auf der Erde - auf ewig - und der Regenbogen soll das Bundeszeichen zwischen ihnen und Gott sein .......




Es folgen die Auslegungen:
Die Sintflut beschreibt unsere Welt wie sie ist, in all ihrem Chaos. Manchmal denken wir, wir müssten darin versinken. Doch Noah war offen für Gott und wurde so von ihm gerettet.
Gott setzt sein Zeichen, ein Hoffnungszeichen ...... den Regenbogen.
1 Licht, aber viele Farben. Sie stehen für die Vielfalt der Menschen - in jeder Beziehung und für die Vielfalt des Lebens überhaupt. 1 Bogen, vielleicht Zeichen für eine Welt. Wir alle sitzen in einem Boot. Gott will aus uns allen eine Welt machen und nicht die Welt zerstören!

Das soll uns Mut machen,
- offen zu sein für Gott und Jesus, der sich selbst für uns hingab, auf dass wir leben können
- selber Zeichen zu sein, auch für andere

Wir bekommen Füße als Pilgerzeichen, um Wege der Hoffnung zu gehen.

Die Sonne ist auf unserem Weiterweg hinter den Wolken (Gott sei Dank!) doch in unseren Herzen ......

Mit dem Morgenimpuls schließt Ulrike an das Thema der Predigt an und gibt uns eine spannende Ergänzung:

Die Sintflut ist die größte Rückholgeschichte der Menschheit, indem Gott selbst einen großen Wandel vollzieht, vom Fundi zum Realo. Ausgang ist die Tatsache, dass jegliches Sinnen und Trachten des menschlichen Herzens von Jugend auf böse ist. Das Herz als Ursprung des Willens, der Entschlusskraft, des Antriebes. Der Mensch will zwar Gutes bewirken, doch er erzeugt dabei oft Ungutes und Zerstörerisches, besonders in bezug auf die Schöpfung. D.H. der Mensch selbst richtet seinen Ungang an. Er bleibt sich treu ....

Gott dagegen vernichtet zwar Leben, doch er bewahrt Noah und seine Arche und bildet somit eine neue, eine 2. Schöpfung. All dies tat und tut Gott im Herzen weh und deshalb gibt er Sein Versprechen: Es soll neues Leben geben!
Der Mensch ist derselbe geblieben, doch Gott hat sich geändert, er ist Realist geworden. Er hat sich für Treue, Geduld und Leben entschieden, obwohl wir Menschen so sind, wie wir sind.

In das Schweigen gehen wir mit folgenden Impulsen:

- Wie begegnen wir Menschen - als Fundamentalist oder als Realo?
- Wann denken wir eher fundamentalistisch?
- Wann können wir Realisten werden, die sich von der Liebe leiten lassen?

Der wunderschöne Weg ist gezeichnet durch die schwarze Pilgermuschel und das Zeichen für den Hauneseeradweg und führt schließlich im Schatten am Haunestausee entlang, wo wir im Anblick der Staumauer unsere Mittagspause und unseren Schriftkreis haben. Letzterer greift noch mal das Noah-Thema auf.

Der Tag war nicht so heiß wie befürchtet, doch schweißtreibend war er allemal. So freuen sich viele, nach der Ankunft im evangelischen Gemeindehaus Hünfeld von Klaus und Ele mit den Bussen ins Schwimmbad gebracht zu werden. Die zahlreichen Erlebnisse beim Duschen können besser die Beteiligten erzählen!!
Leckerer "Bodosalat" von Klaus und Ele zubereitet und wunderbare Gemüsesuppe mit Wurst und Brot - von der Gemeinde besorgt - geben wieder Kraft für das Abendprogramm:

9 Sinai-Pilger berichten von ihren Erlebnissen und viele andere hören erstaunt und begeistert zu.

Nach dem Abendgebet durch unsere "Tagesheilige" Janina beginnt das nächtliche Schweigen ........... und ich fahre leider nach Hause zurück ....

ich, Christel Kölbl