Pilgern - Erfahrungsberichte

17.07.2011 Schmalkalden - Brotterode

von Norbert Dittmer  (17.07.2011)

Tagesbericht vom 17.07.2011 Schmalkalden - Brotterode

Es ist Sonntag und wenn ich aus dem Fenster schaue sehe ich einen grauen Himmel über mir, aus dem wie ich schon ahne, sicher auch bald ein heftiger Guss fallen wird - was dann später auch tatsächlich geschah. Normalerweise würde ich mich jetzt noch einmal umdrehen und mich unter die Decke kuscheln - es ist ja auch erst 6:00 Uhr. Geht leider nicht - ich bin auf dem Pilgerweg - mittlerweile zum 5. mal. Dazu noch 4 mal Jakobswege in Spanien.
Was treibt mich auf solche zum Teil doch recht anstrengende Pilgerwege?
Ist es der Glaube daran auf diesen Wegen dem Himmel und Gott ein Stück näher zu sein?
Ist es die gute Kameradschaft und das herzliche Miteinander das uns über vielem beschwer-
lichem weiterhilft?
Oder ist es vielleicht die körperliche Herausforderung die so ein Weg mit sich bringt?
Wahrscheinlich ist es von allem etwas! Auf jeden Fall bin ich am Ende jeden Weges ge-
stärkt zurückgekommen - sowohl am Körper als auch am Geist.
Heute soll es nun nach Brotterode gehen. Nach dem Morgengebet und einem kräftigen Frühstück ging es in die wunderschöne Stadtkirche. Hier hat Luther die Predigten junger Pfarrer beurteilt - er tat dies kurioserweise herab aus einem kleinen Fenster.
Manfreds Worte im Gottesdienst bezogen sich auf das Gute und das Böse. Die dazu gehörige Schriftstelle brachte zum Ausdruck, dass man eine Weile das Böse tolerieren muss um das Gute zu erhalten. Er tat dies sehr eindrucksvoll mit der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern.
In der Puncta vertiefte Ulrike diese noch. Sie sagte, dass es sehr viel Böses auf der Welt gibt -
man sich aber bemühen muss dieses durch Gutes aufzuwiegen. Es folgte das Beispiel von den 20 Teufeln die uns das Leben schwer machen aber auch den 100 Engeln die versuchen uns aus unserer Not zu retten.
Ein Punkt zum nachdenken war der Gedanke Strafe mit einer Resozialisierung zu verbinden -
sicher bedenkenswert manchmal aber auch gefährlich. Nun ging es mit geistigen Impulsen versehen auf den weiteren Weg. Für den 1. Tag doch recht schwierig - zum Teil recht steile Anstiege. Zum Glück hat es dann aber doch nicht soviel geregnet wie es prophezeit war. Am späten Nachmittag erreichen wir unser Ziel Brotterode.
Unser Quartier für die Nacht wird eine Schule sein - es gibt also sehr viel Platz. Der Schrift-
kreis fand dann auch hier statt. Im Freien hatte es am Nachmittag dafür zu zuviel geregnet.
Ein köstliches und liebevoll zubereitetes Mahl ließ uns die Strapazen des zurückliegenden Tages schnell vergessen.
Nachsatz zum Thema unseres Weges:
Nicht immer scheint es möglich das Böse mit Gutem zu überwinden. Dies zeigen mir die schrecklichen Ereignisse von Oslo sehr deutlich! Angesichts solcher entsetzlichen Taten fällt es schwer an das Gute zu glauben!

Norbert