Pilgern - Erfahrungsberichte

22.07.2011 Kammerforst - Diedorf

von Hans-Werner Krause


Im idyllischen Örtchen Kammerforst übernachteten wir in der Gaststätte "Zum braunen Hirsch".
Diese Umgebung hatte dann nach dem Wecken um 06.00 Uhr zur Folge, dass das nächtliche Schweigen vor dem Morgengebet gebrochen wurde, es herrschte Wandergruppenniveau in dem Frühstücksraum wie auch schon am Abend bei der Ankunft die Pilgerregeln ignoriert wurden.
Um 08.00 Uhr begann der Gottesdienst in der örtlichen Kirche, nach der Begrüßung durch den Pfarrer. Heute hatten wir evangelischen Gottesdienst mit Manfred Gerland. Thema war die Jahreslosung: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem."
Kurt dirigierte dann unseern Chor mit dem Lied: "We are marching in the light of God.”
Heute hatten wir einen einheimischen Streckenführer, Hans Walter, der als Tagespilger uns den Weg zeigte. Er hatte als junger Mann ein schlimmes Schicksal erlitten, dass er aber glänzend überwunden hat, wie uns erzählt wurde. Iris war Tagesheilige. Die Punkte wurde durch Michael gestaltet. Dabei ging es um die Geschichte Mystikers Johannes Tauler (1300-
1361):
"Das Pferd macht den Mist in dem Stall, und obgleich der Mist
Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht dasselbe
Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus
wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der
niemals wüchse, wäre der Mist nicht da.
Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht
beseitigen, nicht überwinden kannst; die trage mit Mühe und
Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter
Gelassenheit deiner selbst.
Streue deinen Mist auf dieses edle Feld, daraus sprießt ohne
allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnige Frucht
auf."

Dieser Pferdemist-Vergleich geht mit seitdem nicht mehr aus dem Sinn.
Wer mehr wissen will sollte mit folgendem Link mal googeln:
http://books.google.de/books?id=6uEUAAAAQAAJ&pg=PA187&lpg=PA187&dq=Johannes+Tauler+Pferdemist&source=bl&ots=vTEFSR5Rfs&sig=VjfzA3W1kWEArASwLrbSM7bBZls&hl=de&ei=qJOMToPwGsPIswblt4j0AQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=6&ved=0CGUQ6AEwBQ#v=onepage&q=Mist&f=false

Dann kamen wir zu einer Quelle im Wald bei Langula. Dort am sehr alten Baum des Heimatdichters
Ludwig Just hatten wir dann um 12.00 Uhr wie immer das Friedensgebet mit Iris: "Bei dir Gott ist die Quelle des Lebens."
Dann ging der Weg weiter zum ehemaligen Bahnhof Heyerode. Dort erwartete uns unser "Kreuzwilli". Vor allem für uns Altpilger war das sehr bewegender Moment endlich mal wieder Willi zu sehen und mit ihm zu sprechen. Er ist noch immer hell wach und sehr rüstig, das konnte ich dann später noch erleben. Aber erst mal war hier am alten Bahnhof, inzwischen eine Ferienanlage, Mittagspause mit anschließendem Bibelteilen Eph. 6, 10-20.
Dann hakte ich Willi unter und wir gingen schnellen Schrittes Richtung Diedorf. Wenn der Abstand etwas größer wurde, sagte Willi wie in alten Zeiten:"Nu mach mal Schritt schneller, die Lücke wird ja immer größer". So bin ich dann gegen meinen Willen, doch noch ins Schwitzen gekommen, aber auch sehr dankbar, dass ich mit Willi diesen Pilgerweg gehen durfte. Er war und ist mir immer ein Vorbild in seinem Glauben und auch in seinem Durchhaltevermögen beim Pilgern. Oft sagen wir Altpilger: "Bei Willi hätte es so lange Pausen nicht gegeben- oder - Willi wäre hier nicht so langsam hochgelaufen." So ist er einfach immer bei uns, wie auch der unvergessene Pater Eusebius.
In Diedorf empfing uns der Pfarrer, der extra seinen Urlaub so gelegt hatte, dass er uns begrüßen konnte. Da ist nicht in jeder Gemeinde so. Manchmal fühlte ich mich schon recht allein gelassen. Um 18.00 Uhr im Gottesdienst wurde Willi extra geehrt, was er gar nicht mag.
Maria Magdalena hatte heute auch ihren Namenstag.
In der Kirche haben wir dann unseren Mitpilger aus Indien in unsere Reihen aufgenommen mit dem Pilgersymbol. Er kommt aus Südindien Karnataka und ist Fr. D. Jayaraj. Dann gab es noch eine köstliche Einladung zum Essen von der Gemeinde.
Nach der Komplet war die Nachtanbetung für diesen Pilgerweg.
Das waren so meine Erinnerungen an einen wunderschönen Pilgertag von Eurem Mitpilger

Hans-Werner Krause