Pilgern - Erfahrungsberichte

28.07.2012 Von Küllstedt zum Hülfensberg

von eine Pilgerin

Endlich gab es in der Nacht eine leichte Abkühlung durch ein Gewitter. Die "Outdoor-Schläfer" hatten unter einem am Haus grenzenden Dach ein besonderes Schlaferlebnis.

Mit Luthers Morgensegen und der Tageslosung begann das Frühstück. Viele helfende Hände ordneten die Vorräte der Lebensmittel in der Küche, alles wurde schnell in die Autos verstaut und dem Aufbruch zur letzten Wegstrecke stand nichts mehr in Wege. Ein Blick himmelwärts ließ uns die Regenjacken in Reichweite packen. Auch der Dank an den ortsansässigen Pfarrer wurde nicht vergessen..

Helmut Heiland war für diesen Tag unser Streckenmeister. Mit zügigem Schritt, vereint mit dem Kreuz-Träger, gab er das Tempo an und es begann unser letzter Pilgertag. Unser heutiges Ziel sahen wir schon bald am Horizont.

Die Puncta ließ nicht lange auf sich warten. Unsere letzte Puncta, von Ulrike gehalten, hat uns sicher allen geholfen, eine Lücke des Geschichtswissens um Martin Luther zu schließen. Ulrike stellte uns das Leben von Michael Sattler, Zeitgenosse von Martin Luther, vor. Er war ein radikaler Reformator und lehrte, dass nur Erwachsene auf ihren Glauben getauft werden dürfen. Auch unter Verfolgung wich er nicht von seiner Meinung ab und musste immer wieder fliehen - von einer Kirche zur anderen und von einer politischen Macht zur nächsten - bis zu seiner Hinrichtung.

Die einzelnen Impulse zur Geschichtsbetrachtung fasse ich zur einen Frage zusammen:
Wo stehe ich selbst als Christ bei Konflikten in den Kirchen und in der Politik?
Wie immer liefen wir schweigend und sinnend weiter.

Es erwartete uns ein evangelischer Gottesdienst auf einer kleinen Naturbühne. Der Wind blies uns heftig in das Gesicht und zum ersten Mal wurden die Regensachen hervorgeholt. Die ersten Tropfen Regen waren die Vorboten des abendlichen Gewitters.

Zur Freude der Familie von Martina sangen wir vor ihrem Haus, als wir durch ihren Wohnort liefen.

Nach dem Mittagsgebet erreichten wir die Landesgrenze zwischen Hessen und Thüringen. Das Eichsfeld-Lied wurde geschmettert - und beim Gehen auf dem "Kolonnenweg" wurde uns die Teilung Deutschlands wieder bewusst.

Endlich durfte Mittagspause im Dörfchen Döringshausen sein. Hier ist Pater Rolf Ortspfarrer. Er erklärte uns einiges zu dem kleinen Kirchlein im bäuerlichen Barockstil.
Nach der ausgedehnten Mittagspause begann der Aufstieg zum Hülfensberg.. Pater Rolf betete den Kreuzweg, jedoch verhießen die dunklen Wolken über uns nichts Gutes und so begann es auch gleich in Strömen zu regnen. Pudelnass erreichten wir unser Ziel.

Nach dem Abendessen wurde allen für ihre geleisteten Dienste gedankt.
Nach Beantwortung der Fragen in kleinen Gruppen "Was war gut? und "Welche Anregungen zur Verbesserung können gegeben werden?" konnte nun die große Gesprächsrunde, ganz individuell, beginnen. Plötzlich merkte man, dass man ja mit einigen Pilgern sehr wenig Kontakt hatte oder man wollte dem anderen einiges noch nicht Gesagte mitteilen.

Den Abschlussgottesdienst erlebten wohl alle mit den spirituelle Momenten unterschiedlich. Die persönliche Segnung mit Handauflegen war der Abschluss für jeden Pilger; die eigenen Gedanken und Gebete während des Pilgerweges konnten unter den Segen Gottes gestellt werden.

Ob sofort oder nach weiteren Gesprächen, ob wehmütig, dass der Weg schon zu Ende ist oder mit Freude auf zu Hause, suchten wir unseren Schlafplatz auf.

Eine Pilgerin