Pilgern - Erfahrungsberichte

Eintreffen von diversen Heimatorten im Diakoniezentrum Hephata, Treysa

von Christa Smouse (06.07.2013)

6. Juli 2013 - von Christa Smouse
Eintreffen von diversen Heimatorten im Diakoniezentrum Hephata, Treysa

Thema des Pilgerweges ist diesmal die Jahreslosung 2013: "Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." (Hebräer 13,14)


Ein neuer Tag beginnt und ich freu´ mich, ja ich freue mich, denn heute beginnt unser Pilgern. Birgitt ruft am frühen Morgen noch mal an und vergewissert sich, wer mit uns im Zug von Kassel nach Treysa fährt - und sagt "Bis nachher".
Am Wilhelmshöher Bahnhof treffen wir Pilger, die vom Eichsfeld und von noch weiter her gekommen sind und hier umsteigen. Wir sind alle im Zug nach Treysa, auch unsere Pilger aus Dresden. Fast ein Jahr haben wir uns nicht gesehen; es ist eine äußerst lebendige Fahrt - und die Sonne scheint!

In Treysa am Bahnhof angekommen, steht schon Manfred mit dem VW-Bus und wartet auf uns. All unser Gepäck wird in den Bus verladen und wir gehen den kurzen Weg zu unserem Treffpunkt im Hessischen Diakoniezentum, Sachsen-häuser Str. 24, 34613 Schwalmstadt-Treysa, und treffen uns in der Hermann-Schuchardt-Schule. Dort werden alle herzlich von Manfred begrüßt. Er erzählt vom Pilgervirus, der ansteckend ist… Neupilger stehen auf, "damit man sie sieht". Wir singen unser Lied: "Pilger sind wir Menschen..." Manfred gibt einen kurzen Ausblick zur Jahreslosung, sie sei gleichsam eine Pilgerlosung: Wir haben keine Bleibe - wo erfahren wir das am ehesten als beim Pilgern. Unser Ziel ist der Hülfensberg. Pilger suchen ein Ziel, auf das sie zugehen.

Franz Fenner, Mitglied der Diakonischen Gemeinschaft, stellt die Schule für Menschen mit geistiger Behinderung vor - hier übernachten wir. Hephatas Schwerpunkt liegt bei Menschen mit Behinderung. Von der einst "zentralen Unterbringung" auf dem Diakonie-Gelände leben inzwischen fast alle in kleinen Wohngruppen in den umliegenden Orten: sie sollen dort Hilfe bekommen, wo sie leben - und sich dort integrieren.

Eine Vorstellungsgruppe von jeweils 4 - 5 Leuten trifft sich für etwa 20 Minuten zum Austausch unter der Fragestellung: "Was habe ich hinter mir gelassen?" und
"Was erwarte ich vom Weg?" Danach bekommt jeder der "Neuen" einen Paten.

Die Aufgabenverteilung für den Weg:

Geistliche Leitung: Rolf, Manfred, Claudia, Iris und Michael
Weltliche Leitung: Norbert, Peter, Birgitt, Cordula
Streckenmeister: Kurt, Manfred, Ulrike, Helmut
Fahrer und "Einkäufer": Jens
Kreuzschmuck: Heike
Küsterdienst (Kerzen aufstellen etc.): Annegret
Bibeltragen: Sieglinde
Medizinische Versorgung: Cordula, Ingrid - und noch mehr Helfer
Musik: Leitung Kurt und Ulrike, Flöte: Elke
Küchenteam: Britta, Peter, Ele, Ingrid
Besenmeister: Jürgen, Sandra, Heike
Packmeister: Jens, Wolfgang
Weckdienst: Jaqueline
Schreibmeister: Margit bittet um Tagesberichte
Rote Laterne: Elke
Vergesslichkeitsminister: Silke, Helga

Und dann gibt es noch die nötigen Ansagen:
Zum Abendessen kann man sich draußen oder drin niederlassen und das Mitge-brachte verzehren und mit anderen teilen. Um 19 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Hephata-Kirche und die nächtliche Schweigezeit um 22 Uhr. - Morgen früh wird dann um 6 Uhr geweckt und das "Nachtgepäck" soll spätestens um 6.30 Uhr am Bus stehen. Um 7 Uhr gibt es Frühstück und um 8 Uhr gehts los.

Zum Gottesdienst treffen wir uns um 19 Uhr in der Kirche. Cordula und Waldemar (ein begnadeter Sänger, der in der Einrichtung sein Zuhause hat) begrüßen uns vorm Altar mit "Laudate omnes gentes". Den Gottesdienst hält Pfarrer Altmann. Wir singen Lied Nr. 620 aus dem Gesangbuch: "Gottes Liebe ist wie die Sonne" - ein offensichtlich sehr beliebtes Lied, die Seite war aus meinem Gesangbuch herausgerissen. Der vorgelesene Psalm 117 passt total gut zum Pilgerbeginn. Das Predigtthema lautet: "Wege gehen": Wege haben Kreuzungen: Wo gehe ich hin, welchen Weg nehme ich an der Kreuzung?
Wir gehen Wege zur Mutter, zur Verabredung, zum Airport, so viele Wege, so viele verschiedene Wege. Wir denken nach über Wege, die wir gegangen sind - Wege, die wir allein gehen oder in Gemeinschaft. Welche Weggenossen fallen uns ein, mit denen wir unterwegs waren? Pfarrer Altmann wünscht uns, dass wir gute Weggenossen haben - und dass wir unseren Weggenossen das Gefühl geben: "Du bist wer, du kannst was". Sich angenommen und wertgeschätzt zu fühlen, das tut gut - besonders unterwegs. Wenn man etwas Schönes über den anderen denkt, soll man es demjenigen einfach direkt sagen. Pfarrer Altmann schließt: "Befiel Du Deine Wege - Er wird’s wohl machen". Anschließend feiern wir zusammen Abendmahl.

Cordula und Waldemar singen das "Magnificat": es gibt einen Riesenapplaus für beide! Und: Es tut gut, einen Menschen wie Waldemar zu erleben: er scheint einfach glücklich zu sein. Pfarrer Altmann spielt nach der bewegenden Predigt noch ein Gitarrensolo zum Abschied. Wir gehen in unser Schlafgemach und singen dort noch mit Kurt. Waldemar ist uns gefolgt und singt für uns: "Möge die Straße uns zusammenführen..." Und nun flugs ins Bett - ´n gutes Nächtle:
Behüt´ uns Gott!

Eure Pigerschwester Christa von Istha