Pilgern - Erfahrungsberichte

Von Germerode nach Wanfried

von Heike Schönewolf (12.07.2013)

12. Juli 2013 - von Heike Schönewolf
Vom Kloster Germerode nach Wanfried

Heute starteten wir unsere "Königsetappe" und müssen ca. 30 Kilometer bewältigen;
Darum ist auch schon um 5 Uhr Wecken angesagt. Unsere tapfere Jaqueline musste sich die Menschen nicht nur auf dem gesamten Gelände zusammen suchen - nein, sie klopfte auch noch an jede Tür, damit auch alle recht zeitig wach wurden. Wie immer geschah das mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen. Damit wir um 6 Uhr pünktlich essen konnten, hieß es wieder, schnell alles zusammenpacken und zum Bus bringen. Dort begrüßte uns der neue Tag mit einem traumhaften Sonnenaufgang. Da wir nach fast einer Woche doch alle recht fit im Packen sind, war noch genügend Zeit für eine Gymnastikstunde mit Jaqueline und einem Sonnengebet mit Ele. Das Frühstück an Achter-Tischen hatte schon fast Hotelcharakter. Es gab genügend Kaffee, Tee und Belag für alle und man musste
sich nicht wie sonst alles zusammensuchen. (Nicht dass das schlecht wäre, aber so war es auch mal schön.)

Als die Busse und unsere Brotdosen gefüllt waren, ging es nach einer kurzen Abschieds-runde weiter Richtung Vierbach. Einen Gottesdienst gab es heute Morgen nicht, der fiel der langen Wegstrecke zum Opfer. Durch sanfte Hügel und Felder ging es vorbei an der Queckmühle - und bald kam Vierbach in Sicht. Dort wurden wir schon an der Kirchentür empfangen. Die Kirche hatte zwei schöne, blaue Fenster zum Thema Trinitatis. Hier hielt Ulrike eine Puncta über den Trostbrief des Jeremia an die Juden in der babylonischen Gefangenschaft. Im Schweigen ging es weiter am Vierbach entlang. Wir gingen durch ein breites Wiesental, in dem über einer frisch gemähten Wiese gleich fünf Milane kreisten. Unterwegs konnten wir auch einen Blick auf den Privatfriedhof der Familie von Eschwege werfen: Idyllisch, mitten im Wald gelegen! Kurz von Reichensachsen wurde das Schweigen gebrochen und es gab eine Pipipause. Dann ging es weiter im Gänsemarsch, an der Straße entlang in den Ort. Direkt vor dem Ortseingang war ein Bahnübergang und ich sah den Schrankenwärter aufgeregt in seinem Häuschen rumspringen. Kurze Zeit später wusste ich auch, warum. Wir hatten die Schienen gerade überquert, da gingen auch schon die Schranken hinunter und ein ICE brauste vorbei. Der Schrankenwärter hatte wohl bis zur letzten Sekunde gewartet, damit wir noch zusammen herüber kamen.

Auf dem Weg durch den Ort konnte man einen kurzen Blick auf das Schlösschen der Familie Eschwege werfen, dann ging es weiter zur Kirche. Dort erwartete und ein riesiges Deckengemälde von 120 qm. Ein blauer Wirbel zog uns mitten in das jüngste Gericht hinein. Wir ließen die Kirche kurz auf uns wirken, dann holten wir den Gottesdienst vom Morgen nach. Iris feierte ihn mit uns und in der Predigt konnten wir von Henry und Adam hören und wir feierten zusammen Abendmahl.

Nach einem leichten Anstieg über die blaue Kuppe, hier hat schon Alexander von Humboldt geforscht, ging es über einen Kamm durch Felder mit vielen Kornblumen.
Bald konnte man die Stadt Eschwege im Tal liegen sehen. Auf einer Anhöhe machten wir eine kurze Rast. Von hier hatte man einen schönen Ausblick auf unser Ziel, den
Hülfensberg. Wie eine Pickelhaube erhebt er sich mit seiner Kirchturmspitze aus der Landschaft. Über Oberdünzebach kamen wir nach Niederdünzebach, wo wir unsere wohlverdiente Mittagspause machten: Der schönste Platz, an dem wir bis jetzt gerastet hatten, die Gänseecke, ein Arburetum. Ein kleiner Bach lief durch die hügelige Wiese und die vielen Bäume spendeten Schatten. Lars, unser Lieferheld, hatte uns wieder bestens versorgt und nahm auch gleich noch ein paar "Fußkranke" mit nach Wanfried. Nach dem Bibelteilen ging es um 15.30 weiter durch die Felder, hinauf in den Wald. Die letzten zwei Stunden ging unser Weg jetzt langsam, in vielen Kurven, immer bergauf.
In einer Wegbiegung dachten wir, hier ist ein schöner Platz für eine Pause, doch leider war hier ein riesiger Ameisenhügel. Also schwärmten wir etwas weiter aus, um das zu tun, was zu tun war. Weiter ging es Kurve für Kurve am Berg entlang. Zwischendurch lag ein Baum mitten über den Weg. Der lag auch schon, als Ulrike, unsere Streckenführerin, hier Probe gelaufen war. Ihrer Bitte um Entfernung war leider nicht nachgegangen worden. Aber wir hatten ja unseren Peter dabei, der kurz entschlossen den Weg frei räumte.

Kurz vor Wanfried teilten wir uns in die Gebetsgruppen auf. Als später dann die Herzensgebets-Gruppe auf die Rosenkranz-Gruppe traf, mussten wir feststellen, dass uns die Perlen des Glaubens und die Schweigegruppe abhanden gekommen waren. Dank Esther, die sich auf die Suche machte, und einem Handy, waren wir nach kurzer Zeit wieder vereint. Fast pünktlich mit dem 18 Uhr-Läuten konnten wir die ersten Häuser
von Wanfried durch die Bäume erblicken. Bei strahlendem Sonnenschein zogen wir über die Werrabrücke nach Wanfried ein.

Die Kirche dort war für mich eine große Überraschung. Ich hätte in so einer kleinen Stadt keine so prächtige Kirche vermutet. Sie war im neugotischem Stil erbaut und bunt ausgemalt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Küster, einem lustigen Mann,
ging es hinüber in das Gemeindehaus zum Essen. Es war mittlerweile schon 19 Uhr.
Das Essen war eine genauso angenehme Überraschung wie die Kirche. Es gab Pellkartoffeln und Kräuterquark mit leckerem Salat. Und als Sahnehäubchen oben drauf gab es noch Geburtstagskuchen von Martina: Danke, danke, danke!!!

Da das Gemeindehaus zu klein für uns alle war, wurden die Männer zu den Katholiken ausquartiert. - Ein Teil von uns ließ den Abend mit einem Stadtbummel oder einem
Spaziergang an der Werra ausklingen. Dort gab es, passend zum Morgen, einen wunderschönen Sonnenuntergang. Als letzten Abschluss gab es noch einen Sekt auf Martina vor der Kirche, dann gingen die meisten von uns früh ins Bett.

Heike Schönewolf, Vellmar