Pilgern - Erfahrungsberichte

Von Wanfried zum Hülfensberg

von Elke Lütgenau-Hawae (13.07.2013)

13. Juli 2013 - von Elke Lütgenau-Hawae
Von Wanfried zum Hülfensberg
Es war die längste Etappe: 28 Kilometer. Eingedenk meiner mangelnden Kondition durfte ich Jens helfen, die Bullis zu fahren. So kam ich also schon am Vormittag in Wanfried an, mit Jens und den Bullis voll Gepäck. Ausladen hieß es. Erst im Männerquartier, dem katholischen Gemeindehaus. Bulli durch die enge Einfahrt gequetscht. Die freundliche Gemeindesekretärin begrüßt, klotzig schwere Koffer eine Treppe raufgeschleppt, dann den nächsten und den nächsten. Für unsere 12 Männer. Wenn ich bedenke, dass Jens unser aller Gepäck nicht nur einmal und nicht nur eine Treppe raufgeschleppt hat: Ich glaube nicht, dass wir seinen Dienst, ohne den das ganze Unternehmen gar nicht möglich gewesen wäre, genug wertschätzen können! Als der erste Bulli leer war: schnell, schnell zurück zu den Pilgern. Die waren inzwischen am Mittagspausen-Ort angekommen und hatten ordentlich Hunger. Einige Fußprobleme gab es auch noch zu behandeln.
Jens und ich bekamen Zuwachs. Noch einige, die sich nicht den ganzen Weg zu-trauten, waren nach Wanfried zu befördern. Inzwischen war auch das evangelische Gemeindehaus - das Frauenquartier - belebt. Frau Eisenträger und eine weitere Freiwillige hatten Unmengen Kartoffeln, Salat und andere Lebensmittel für uns besorgt. Die Abendbrottische waren schon gerichtet. Alles sah sehr schön aus. Wir wurden freundlichst begrüßt. Gleich gab uns Frau Eisenträger den Hinweis auf das Freibad: Ohh jaa. Eine Dusche - wunderbar. Erst alles Gepäck ausgeladen - Helgas Mann passte drauf auf - dann machten wir uns also zu dritt auf den Weg. Ein bisschen Gezanke gab‘s um Fahrstil und um den Weg. Aber dann: Hinein ins kühle Nass. Cordula musste mangels Badeanzug Jaqueline und mir zusehen, wie wir reinsprangen. Sie trug es mit Fassung. Dann schnell zurück ins Quartier. Die anderen sollten nicht neidisch werden nach dem langen Weg, denn im Quartier gab es keine Duschen.
Nach einem köstlichen Abendbrot aus Pellkartoffeln, Quark und einem wunderbaren Salat spendierte Martina Kuchen satt: sie hatte Geburtstag. (Später am Abend stießen wir dann auch noch mit einem Gläschen Sekt an: Ausnahmen bestätigen die Pilgerregeln.) Magdalena und ich bereiteten noch den Gottesdienst am nächsten Tag vor und probten die Lieder. Cordula schimpfte, weil ich sie mit einem Spot beleuchtet hatte. Ich schimpfte zurück, das wäre ja wohl für die zwei Minuten kein Problem. Dann verschwanden allmählich alle ins Bett beziehungsweise auf den Matten. Unter den Sternenhimmel in der Apsis der ev. Kirche hatte ich mich gebettet. Das Abend-licht leuchtete noch lange durch die wunderbaren Glasfenster. Noch bevor es ganz dunkel war, war ich eingeschlafen.
Nach dem Wecken um 6 Uhr vertrug ich mich zuerst mal mit Cordula. Ja, ich hätte mehr Rücksicht nehmen können, ja, sie hätte gleich sagen können, dass sie sich hinlegen wollte Dann gab es ein ziemliches Gedränge beim Waschen. Und es war stockfinster - Wir fanden kein Licht. Dennoch erschienen alle sauber und ordentlich und schon wieder hungrig am Frühstückstisch, der überreichlich gedeckt war. Britta hatte mit ihrer Küchencrew wieder wunderbare Arbeit geleistet. Als Neupilgerin hat sie die ganze Zeit die Küche organisiert: Respekt!!!
Im Gottesdienst lenkte Manfred unseren Blick auf das Ziel, das es nicht aus den Augen zu lassen gilt. Sich immer wieder am Ziel neu ausrichten und wissen, wohin wir gehen, das ist unsere Christenpflicht. In unserem Fall der Hülfensberg, der jetzt zum Greifen nahe lag. Das Ehepaar Eisenträger verabschiedete uns. Wir dankten mit einem Lied für alle liebevolle Aufnahme und Fürsorge, die das Paar uns angedeihen ließ. Viele Fotos und großes Hallo bei den Späßen, mit denen uns Herr Eisenträger verabschiedete. Das war schon besonders!
Kurze Rast an einem wundervollen Ort mit einer kleinen Quelle. Wieder dachte ich an die Worte des Petrus: "Herr, hier ist gut sein!" Ich verstehe ihn gut in seinem Wunsch nach Bleiben. Manfred tat einen Sturz, verletzte sich aber zum Glück nicht wirklich. Weiter ging es zum Elfengrund. Zwischendurch führte uns Rolf an den Ort des Wodka-Whisky-Abkommens. Ein Hin und Her zwischen den Amerikanern und den Russen um die Grenze und die Eisenbahnstrecke, das wohl sehr männlich gelöst wurde auf dem Gut, das wir von oben sehen konnten.
An den Wasserfällen des Elfengrundes gab es die Puncta:
Was bringst Du auf den Hülfensberg und möchtest es dem Er-lös-er überlassen? Wofür dankst Du? Worum bittest Du Ihn für Deinen weiteren Weg?
Nach einer Stunde endlosen Anstieges kam endlich hinter den Bäumen Licht in Sicht: Wir hatten es geschafft und den Plessenturm erreicht. Auflösung der Puncta und Mittagsgebet und eine Pause bei herrlicher Aussicht und "Rücksicht" auf den Weg, den wir gestern gegangen waren. Beim Bibelteilen sagte Cordula, dass das Reich Gottes - unsere zukünftige Statt - in unserer Pilgergruppe sichtbar geworden ist, im Miteinander. Dankbar merkte ich: Das stimmt wohl.
Weiter ging es am Keudelstein vorbei auf dem alten Grenzweg der DDR nach Döringsdorf in meine geliebte kleine Dorfkirche mit dem Bild der Magdalena. Rolf erzählte uns ganz viel zu dem wuchtigen barocken Altar und den Bildern der Kirche. Schön kühl war es dort drinnen. Dann weiter auf den Hülfensberg. Das Kreuzweg-gebet war vielfach unterbrochen von der abreisenden Hochzeitsgesellschaft. Aber wir ließen uns nicht wirklich stören. Mit Geläute empfing uns der Hülfensberg. Wir zogen singend in die Kirche ein. Luden unsere Lasten beim Gehülfen ab. Lagen uns in den Armen: Wir haben es geschafft und sind am Ziel! Welch ein wunderbarer Vorge-schmack unseres himmlischen Zieles! "Suppe und Eis satt!!!" war das Nächste.
Abends durfte ich mit segnen. Michael hatte mich gefragt. Welche Freude, für meine Mitpilger zu bitten! Auch ich wurde gestärkt mit dem Segen des Herrn. Vielleicht ist es das Schönste gewesen auf dem Weg. Es ist auch jetzt noch sehr lebendig und gegenwärtig für mich, was Bruder Rolf mir mitgab.
Viel gelacht haben wir noch an diesem letzten Abend. Meinen nächtlichen Ruheplatz habe ich vor dem "offenen Geheimnis" der eucharistischen Gegenwart des Herrn gefunden: In der Hauskapelle. Auch dort war gut sein.
Elke Lütgenau-Hawae, Schenefeld