Pilgern - Erfahrungsberichte

Abschluss auf dem Hülfensberg

von Margit Skopnik-Lambach (14.07.2013)

14. Juli 2013 - von Margit Skopnik-Lambach
Abschluss im Franziskanerkloster Hülfensberg

Zum zweiten Mal in meinem Pilgerleben darf ich unter dem liebevollen Blick des "Gehülfen" einschlafen - dankbar, gesammelt und getrost. Es war wieder mal ein guter Weg, den wir miteinander gegangen sind bis hierher. Ich erinnere mich an intensive Gespräche: An Belastendes, das wir voreinander ausgesprochen und zu Gott gebracht haben - und an das befreite Singen und Lachen - wie wunderbar!

Um 6.30 Uhr kommt unsere Nachtigall Jaqueline und stimmt uns ein auf den neuen Tag mit ihrem Danke-Lied. Wir "Kirchenschläfer" räkeln uns noch mal genüsslich und stehen dann langsam auf. Alles muss eingepackt und verstaut werden, damit der Raum frei ist für den Gottesdienst. Und dann versammeln wir uns alle Gästehaus zum Frühstücken: Ach, ist das schön! Nach dem Aufräumen geht es ans Verbrennen der Fürbitten, die wir am Kreuz auf dem Weg mit-getragen haben. Pater Rolf betet und erklärt, dass unsere Gebetsanliegen nun mit Weihrauch zu Gott aufsteigen. Wie gut, dass wir alles so an unseren Vater im Himmel abgeben können!

Ja, wir haben es erlebt: Gott war mit uns auf dem Weg! Und wir waren miteinander unterwegs: Brüder und Schwestern, alle mit der gleichen Sehnsucht im Herzen: das eigene Leben neu vor Gott auszubreiten, Wichtiges und Unwichtiges zu "sortieren", Altes loszulassen, für Gott und Menschen ein Wohl-Gefallen zu sein. Bei den Abschieds-Worten und Umarmungen merken wir, wie intensiv wir zusammenge-wachsen sind: Wir haben ein Stück unseres Lebens miteinander geteilt - und das wirkt nach. So offen, wie wir hier miteinander geredet und gelebt haben, das gibt es im Alltag nicht so leicht. Natürlich bleiben auch beim Pilgern Enttäuschungen übereinander nicht aus, aber beim Ansprechen und Klären tut sich ein neues Feld für Verständnis und Vergebung auf. Ja, es ist ein echtes "Lebens-Laboratorium": wir probieren aus, was "alle Tage" tragen kann…

Und dann läuten die Glocken. Viele Menschen sind gekommen und sitzen schon in der Kirche. Dann ziehen wir mit dem Lied "Pilger sind wir Menschen" in die Kirche ein und setzen uns auf die reservierten Plätze. Der Predigttext des Sonntags ist eine Geschichte, die Jesus einem frommen Juden auf die Frage erzählt, wie er das ewige Leben bekommen kann: Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. Pater Maximilian entfaltet dazu das Doppelgebot der Liebe: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft - und deinen Nächsten wie dich selbst!"

Einzelne Sätze aus der Predigt fallen in mein Herz: "Der Glaube steckt in jedem von uns als tiefe Sehnsucht": Ja, das kann ich von mir und vielen anderen Menschen auch sagen. - Auf die Frage: "Wo wohnt Gott?" gibt er die Antwort: "Die Erde ist seiner Herrlichkeit voll!" und ergänzt mit einem Zitat von Martin Buber: "Wo Gott wohnt? Gott wohnt, wo man ihn einlässt!" Ja, das haben wir erlebt auf unserem Weg - und die Sehnsucht bleibt, ihn immer mehr in unser Leben hineinzulassen, ihm Raum zu geben, damit er uns "erfüllen" kann. - Wir ziehen aus mit dem Lied: "We are marching in the light of god": Wir gehn weiter auf dem Weg des Herrn! Ja, so soll es sein, das wollen wir tun - bis zum nächsten Jahr!

Margit Skopnik-Lambach, Marburg