Pilgern - Erfahrungsberichte

Erfahrungen und Beobachtungen einer Gastgeberin

von Besuch einer Pilgergruppe in Wanfried

Für die Rast einer Pilgergruppe, die Mitte Juli durch Wanfried kommen sollte, hatte Pfarrerin Kremmer jemanden aus unserer Gemeinde gesucht, der diese Gruppe empfangen und sie versorgen könnte. Das könnte interessant sein, dachte ich mir und sagte, dass ich das übernehmen könnte. Ich hatte keinerlei Vorstellungen, was mich da erwarten könnte. Der Termin rückte näher und eine Woche vorher bekam ich einen Anruf von Pfarrer Manfred Gerland aus Germerode, der in unserem Kirchenkreis auch Beauftragter für Meditation und geistliches Leben ist. Er gab mir die nötigen Informationen, die mir noch fehlten: Wie viele Pilger es sein würden, was ich zum Abendessen zubereiten könnte usw... Da es gerade in der Woche um den 13. Juli sehr heiß war, fiel mir spontan ein einfaches Essen ein: Pellkartoffeln mit Kräuterquark und grünem Salat. Das passt doch zum Pilgern, fand ich. Pfarrer Gerland war einverstanden. Ich begann also damit die Mengen auszurechnen und was wir benötigen würden; von Pfarrer Gerland bekam ich eine Einkaufsliste zugemailt für 60 (!!) Pilger und eine wunderbare Hilfe fand ich auch: Sandra Döring. Wir verabredeten uns für Freitag nach der Arbeit und fuhren nach Eschwege zum Einkaufen. Unmengen an Kartoffeln, Äpfeln, Salatköpfen, Wurst, Käse, Butter, Öl, Quark und Schmand wurden in unserem Auto verstaut. Ach ja, die Getränke nicht zu vergessen. Nur noch beim Bäcker schnell das Brot und die Brötchen fürs Frühstück bestellen und dann konnte es in der Küche losgehen. Kaum waren wir am Gemeindehaus angelangt, da fuhr ein Kleinbus mit drei fußlahmen Pilgerinnen und jede Menge Gepäck vor. Das also war modernes Pilgern - ich dachte, die müssen alles im Rucksack dabeihaben? Wir empfahlen den Frauen, sich im Freibad zu erfrischen, was sie auch dankbar taten - und uns sprang so niemand vor den Füßen herum. Nun aber schnell die Kartoffeln in den Einkocher und dann ging es ans Rühren von Quark und Salatsoße. Sandra Döring hatte inzwischen schon die Tische liebevoll gedeckt und den Salat zu waschen begonnen. Sie hatte auch Getränke und Gläser auf den Tischen verteilt. Gegen halb sieben trafen die restlichen Pilger ein, gerade zur rechten Zeit, denn unser Essen war fertig. Neugierige Gesichter schauten in unsere Gemeindeküche, wie riecht es hier so gut?, fragten sie...ja, sie hatten richtig Appetit mitgebracht! Schnell stellten wir das Essen bereit und schon konnten sie beginnen. Sandra und ich waren beeindruckt. wie ruhig und gesittet die Gruppe ihre Teller füllte und aß. 60 Menschen und kein ohrenbetäubender Lärm von Gesprächen, wie man das sonst von Gruppen kannte. Sie hatten wirklich großen Appetit mitgebracht, es blieben lediglich ein paar Kartoffeln übrig. Nach dem Essen bedankten sie sich mit einem Segenslied bei Sandra und mir, so dass wir ganz verlegen wurden. Anschließend suchten sie sich ihre Plätze zum Schlafen, einige wollten in der Kirche übernachten. Mein Mann, der auch gekommen war, zeigte ihnen alles in der Kirche. Dann wurde es still und wir verabschiedeten uns. Am nächsten Morgen brachte mein Mann die Brötchen und das Brot, rief fröhlich einen Morgengruß, der kaum erwidert wurde - wusste er doch nicht, dass die Pilger noch nicht reden durften. Anschließend hielt die Gruppe einen wunderbaren Gottesdienst in der Kirche und schließlich brachen sie auf, nachdem sie sich noch mal von uns verabschiedet hatten - eine Pilgerin hing mir ihre Pilgerkette zum Abschied um. Dann schossen wir noch schnell ein Foto auf unserer Kirchentreppe und die Pilger zogen mit Gesang und ihrem Pilgerkreuz in Richtung Kalkhof, und für uns ging ein spannendes aber auch aufregendes Wochenende mit vielen neuen Eindrücken und Begegnungen des Glaubens zu Ende.