Pilgern - Erfahrungsberichte

30.07.2014 Von Worbis nach Wingerode

von Claudia Barth

30.07.14 Von Worbis nach Wingerode - von Claudia Barth

Der Mittwoch begann mit dem Frühstück, das nun organisatorisch von unserer Seite supergut tischweise funktionierte. Allerdings hat die Größe unserer Gruppe Frau Wegener doch etwas überfordert, so dass zwar jeder ein Brötchen bekam, aber es wieder nicht für eine Verpflegungsmahlzeit für alle reichte. Doch mit der Aussicht, am Mittagsplatz vom Fahrteam ausreichend versorgt zu werden, konnten dann alle gut leben. Wir haben dann noch kurzfristig mit Blick auf das Wetter unseren später am Tag geplanten Gottesdienst in der Kirche gehalten. Rolf feierte die Liturgie, während heute Manfred die Predigt hielt. Die Orts-Pfarrerin war mit dabei und freute sich sichtlich nach dem Gottesdienst, dass sie zumindest kurz Teil unserer Gruppe sein konnte. So fragt sie sich inzwischen, ob sie nicht selber einmal in ihrer schönen Kirche (die ja ursprünglich eine Scheune war) übernachten sollte. Und viele von uns freuten sich über die Kunstkarten, die sie am Ende an alle Interessierten verteilte.

Zum Aufbruch mussten wir schon gleich in der Arche (!) unsere Regenbekleidung herauskramen, da es regnete. Ein gleichmäßig rauschender Sommerregen.
Die von Teresa angekündigten gemütlichen Gras- und Wiesenwege waren wirklich gemütlich bis auf eine stärkere Steigung - aber auch schon sehr aufgeweicht. Dennoch verging unser Vormittag sehr schnell bei intensiven Gesprächen. Ein letztes kürzeres Stück auf einer der für den Papstbesuch asphaltierten Straßen, dann machten wir Pause in der Nähe der Leinequelle an einem Unterstand. Nach dem Friedensgebet schlossen wir gleich die Puncta an. Teresa erzählte uns sehr engagiert von ihren Erfahrungen mit dem Papstbesuch - und vor allem von der Bedeutung, die diese Würdigung der Eichsfelder durch den Papst für die Menschen hier hat. Ihre Religiosität hat die Menschen durch zwei Diktaturen getragen, und sie bewegt offenbar auch heute immer noch viele - auch junge - Menschen. Die Frage nach der Freiheit und die Diskussion um Grenzen bewegt die Menschen auch 25 Jahre nach dem Mauerfall. Wir fragten uns in der folgenden Schweigezeit, wo wir selber Eckstein sein können oder hätten sein sollen bzw. wo es nötig ist, heute Widerstand zu leisten. Um uns herum gleichmäßig rauschender Sommerregen.

Wir folgten weiter im "Gänsemarsch" der Straße und erreichten als nächstes Etzelsbach mit der Kapelle, von der aus Papst Benedikt XVI. eine Vesper gehalten hatte. Zunächst war die Kapelle für uns vor allem deshalb interessant, weil es drinnen trocken war und weil es wunderbare vom Fahrteam zusammengestellte "Lunchpakete" für jeweils eine Bankgruppe gab. Schon bald gab es aber noch andere Besucher, die eher die Stille suchten. Rolf warb um Verständnis füreinander (es war für uns Pilger die einzige "trockene" Möglichkeit für unsere Pause). Nachdem wir etwas stiller geworden waren, kamen wir in den Genuss eines Minikonzertes eines kleinen Kinderchores. Anschließend erfuhren wir noch von der Besonderheit der Marienstatue in der Kapelle: eine seltene "Herz an Herz"- Darstellung, weil Maria Jesus auf ihrer linken Seite hält. Dass Etzelsbach aufgrund einer Legende, in der ein Pferd eine wichtige Rolle spielt, auch regelmäßig Ziel einer großen Pferdewallfahrt ist, hatten wir schon von Teresa erfahren. Mehr erfuhren wir aber noch über die 14 Nothelfer, die in der Kapelle alle dargestellt sind, und die uns Rolf mit den sie umgebenden Legenden vorstellte. Nach all diesen körperlichen und geistigen Stärkungen machten wir uns wieder auf den Weg. Um uns fiel weiter gleichmäßig rauschender Sommerregen.

Wieder mit anregenden Gesprächen positiv abgelenkt, kamen wir überraschend schnell voran. Kurz vor Wingerode machten wir Halt bei einer wunderbar gepflegten Mariengrotte, wo Rolf noch ein Gebet sprach, bevor wir in den Ort und dann in die Kirche einzogen. Viele von uns waren sehr beeindruckt von der wunderbar hergerichteten Barockkirche. Nach dem Abendgebet erläuterte uns der frühere Pfarrer des Ortes die Geschichte der Kirche und vor allem die Fensterdarstellungen. Es ist immer wieder eindrücklich, wie sehr sich gerade die Menschen in kleineren Orten für ihre Kirche engagieren. Der gleichmäßig rauschende Sommerregen hatte inzwischen fast aufgehört.

Die Verzögerungen bei unserem Einzug in das erstaunlich große "Haus der Begegnung" nutzten einige von uns für ein erfrischendes Bad im nahegelegenen Stausee. Leider musste die Fußwaschung wegen des Regenwetters dieses Mal ausfallen. Im großen Saal gab es zum Abendessen stärkende Suppe. Sehr lecker! Und dann, weil ja "Bergfest" ist, haben wir eine große Runde gemacht und jeder konnte kurz von seinem Befinden berichten. Wir haben sehr gelacht! Zum Glück ging es den meisten viel besser als befürchtet. Nach dem Nachtgebet war diesmal die Schweigezeit aufgehoben und es gab noch einige Getränke … ! Für mich war es ein schöner Tag mit tollen Erinnerungen an ein fast zur Hälfte für uns engagiertes Dorf (zumindest konnte man zeitweise diesen Eindruck gewinnen): so viel Gastfreundschaft haben wir erlebt! Und ich glaube, ich bin bei gleichmäßig rauschendem Sommerregen ruhig eingeschlafen…