Pilgern - Erfahrungsberichte

03.08.2014 Abschied vom Hülfensberg

von Margit Skopnik-Lambach

03.08.14 Abschied am Hülfensberg - von Margit Skopnik-Lambach

Kurz vor sechs Uhr wache ich unter dem freundlichen Blick des Gehülfen auf: Es fühlt sich so gesegnet an, an diesem Ort einschlafen und erwachen zu dürfen - alle Schuld, alles Versagen ist aufgehoben in Gottes Güte! Ich genieße die Stille der Kirche und lasse unsere Pilgerwoche noch mal an mir vorbeiziehen. Es gab so viele wunderbare Worte von Gott, die mich mitten ins Herz getroffen haben; so abwechslungsreiche, schöne Eichsfeld-Landschaften; so gute Impulse bei der täglichen Puncta; so intensive Gespräche beim Unterwegs-Sein; so viel Singen und Lachen und so viele Träume unterm Sternenhimmel…

Neben mir werden jetzt auch Gudrun, Sarah und Sigrun wach und schälen sich aus ihren Schlafsäcken: Ich freue mich so sehr, dass wir den ganzen Weg zusammen gehen konnten! Wir stehen schweigend auf und packen langsam unsere Sachen zusammen: zum letzten Mal auf dieser Reise. - Beim Frühstück, das wieder viele liebe Hände vorbereitet haben (ich staune und bin von Herzen dankbar, dass das Küchenteam um Ingrid das die ganzen Tage so hervorragend hinbekommen hat), genießen wir noch mal das Zusammensein.

Dann setzen wir uns draußen im Sonnenschein zusammen und hören die letzten Rückmeldungen zum Weg, die wir gestern Abend nicht mehr geschafft haben. Ja, es war eine gute, gesegnete Zeit, die wir miteinander erlebt haben. Auch wenn es manchmal ein paar Missverständnisse gab und nicht alles "rund lief", so haben wir doch immer wieder zueinander gefunden, miteinander geredet und einen neuen Anfang gemacht - nach dem Motto: "So ist Versöhnung, so kann der wahre Friede sein; so ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn!" Für mich ist es kostbar, dass wir in aller Unterschiedlichkeit so miteinander das Leben teilen können.

Anschließend ist es Zeit, die Fürbitten zu verbrennen, die wir am Kreuz mit-getragen haben. Pater Rolf erklärt, dass wir unsere Bitten nun zu Gott aufsteigen lassen und dass sie bei ihm in guten Händen sind. Er gibt ein paar Weihrauch-Stücke zu dem Feuer und Manfred und Clemens lassen die Anliegen-Zettel in die Feuerschale fallen. Wir anderen sitzen andächtig im Kreis und danken Gott für seine Güte und Treue. Zum Abschluss tanzen wir im Pilgerschritt "Wechselnde Pfade, Schatten und Licht - alles ist Gnade, fürchte dich nicht" - und verabschieden uns dabei voneinander. Es war eine heil-same Weggemeinschaft und es gibt viele wertschätzende Abschiedsworte, die wir füreinander finden: Das tut gut!

Zur Messe, die wir draußen feiern, ziehen wir als Gruppe mit "Pilger sind wir Menschen" ein. Mich berühren heute besonders die wunderbaren Liedtexte, die wir singen, vor allem: "Du bist heilig, du bringst Heil, bist die Fülle, wir ein Teil der Geschichte, die du webst: Gott, wir danken dir, du lebst - mitten unter uns im Geist, der Lebendigkeit verheißt, kommst zu uns in Brot und Wein, schenkst uns deine Liebe ein" - und die Predigt zur wunderbaren Brotvermehrung. Pater Rolf erzählt, dass das Verpflegen hungriger Pilger manchmal an eine Raubtierfütterung erinnert: wir erinnern uns lachend…- Mit dem Lied "Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist" wollen wir mutig weiter-gehen in unseren Alltag. Noch ein paar Umarmungen nach dem Ende der Messe - und dann setzt ein kräftiger Platzregen ein: Wie gut, dass es so lange gehalten hat! Der erste Bus-Transport nach Eschwege fährt los: Ein letztes Winken… Es war sooo schön mit Euch, bleibt behütet bis zum nächsten Jahr!