Pilgern - Erfahrungsberichte

19.06.2015 Kloster Tatev - Karawanserei - Friedhof Noratus

Freitag, 19.06.15

Auf Tag vier unserer Reise hatte ich mich beim Lesen des Programmes von Anfang an besonders gefreut. Uns wurde der Tag angepriesen als " Fahrt durch eine wildromantische Landschaft und ein unendlich erscheinendes Tal mit tiefen Schluchten zur Klosteranlage Tatev (9.-13. Jh.), einst das aktivste Kloster Armeniens." Auch die Beschreibung "Kloster am Rande des Nichts" tauchte im weiteren Text auf. Tatsächlich trennte uns zunächst ein unendlich erscheinendes Tal mit tiefen Schluchten von besagtem Kloster. Diese Schluchten sollten wir mit der längsten Seilbahn der Welt (Guinnessbuch der Rekorde) überqueren…zum Entsetzen des ein oder anderen Gruppenmitgliedes. Obwohl wir die folgenden Minuten hunderte Meter hoch in der Luft schaukelten, waren wir beeindruckt von dem Ausblick, der sich uns dort oben bot.
Sicher angekommen, entschieden wir uns den ersten Gottesdienst unserer Reise zu feiern mit Blick auf das Kloster Tatev. Aus Dankbarkeit die Fahrt gemeistert zu haben, sangen wir gleich ein wenig lauter!
Wir alle hatten nun Zeit allein die Klosteranlage zu durchstreifen. Dabei ging mir immer wieder die Formulierung unseres Programmes durch den Kopf: " Kloster am Rande des Nichts". Auch von der Klosteranlage aus hatte man einen unbeschreiblichen Blick in die Landschaft. Die Kirche, direkt an einem steilen Felsvorsprung gelegen, ein Wasserfall rauschte ganz in der Nähe in die Tiefe und trotzdem waren es noch hunderte Meter bis zum Kamm der umliegenden Höhenzüge. Bei dem Treffen mit dem Mönch von Tatev sprachen wir mit ihm über den Frieden dieses Ortes, der trotz Touristen für uns deutlich spürbar war. Er erzählte wie er ca. drei Jahre das Kloster allein(!) bewohnt hatte, in einer nasskalten Steinkammer, auch im Winter wenn jegliche Besucher ausblieben. Am Rande des Nichts hat dieses Kloster die Jahrhunderte überdauert, mal bewohnt, mal unbewohnt, als aktivstes Kloster Armeniens oder als Ziel für aktive Touristen. Tatev thront über dem Tal und ist für mich ein Symbol der langen christlichen Tradition in Armenien und einen unerschütterlichen Glauben dieses Volkes auch in schweren Zeiten. Ein Glaube, der einen dazu bewegt, auch drei Jahre allein in einer feuchten und kalten Steinkammer zu leben.

Hanna