Pilgern - Erfahrungsberichte

20.06.2015 Dilidschan - Kloster Goschavank - Sevansee - Gedenkstätte für den Genozid

Samstag, den 20.Juni 2015

Unsere erste Station an diesem Tag ist das Zentrum von Dilidschan. Wir gehen zu Fuß durch die sogenannte Museumsstrasse Sharambeyan mit ihren wunderschönen Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert und treffen auf eine Gruppe junger Menschen, die im Rahmen eines Schulpraktikums vor ihren Zeichenblöcken sitzen und Stadtansichten malen. Natürlich gibt es in dieser Strasse auch eine Reihe von Geschäften mit Kunsthandwerk, sodass wir unsere Kaufgelüste befriedigen können.
Weiter geht es zum Kloster Goschavank, wo wir vom dortigen Pfarrer begrüßt wurden. Besonders erfreut waren wir, als er uns anbot, in seiner Kirche zu beten und einen Gottesdienst zu feiern. Er selbst war die ganze >Zeit anwesend und segnete uns am Ende des Gottesdienstes zusammen mit Pfarrer Gerland.
Dann ging es weiter in Richtung Sevansee, den wir alle mit Spannung erwarteten. Er liegt auf 1.900 m über dem Meeresspiegel. Nachdem wir eine Weile am westlichen Ufer des Sees entlang gefahren waren, erreichten wir den Ort unterhalb des Sevan-Klosters, wo wir mit Blick auf den Sevansee unser Mittagessen einnahmen. Anschließend stiegen wir zum Kloster (9.Jh) empor. Auf dem Klostergelände ist ein Priesterseminar untergebracht. Hier hatten wir eine Begegnung mit einem Diakon, der uns durch das Priesterseminar führte und anschließend unsere Fragen beantwortete. Zur Zeit sind dort 70 junge Männer in der Ausbildung, was mich doch sehr erstaunte, angesichts der Gesamtbevölkerungszahl. Danach war dann sogar noch Zeit, sodass einige von uns noch im Sevansee baden gehen konnten.
Anschließend fuhren wir zurück nach Jerevan, wo uns deutlich höhere Temperaturen erwarteten. Nachdem wir in all den Tagen schon sehr viel über den Genozid gehört hatten, besuchten wir nun die große Gedenkstätte Tsitsernakaberd auf einem der Hügel von Jerevan, die an den Völkermord am armenischen Volk 1915 erinnert. Der Basaltobelisk symbolisiert die Standhaftigkeit und das Wiederauferstehen des armenischen Volkes. Eine ewige Flamme wird schützend von 12 Basaltstelen umschlossen wie von einer Hand. An einer Mauer findet man die Namen der 12 westarmenischen Provinzen, die auf dem Gebiet der heutigen Türkei liegen. Ebenso sind dort Namen von Menschen verewigt, die sich für das armenische Volk eingesetzt haben, so u.a. von Johannes Lepsius, Armin Wegner und Franz Werfel. Es waren beeindruckende Minuten, in denen jede und jeder von uns seinen Gedanken nachgehen konnte.
Dann ging es zurück in das uns schon bekannte Hotel Nairi, wo uns eine Stromsperre erwartete. So standen wir mit unseren Koffern vor den nicht funktionierenden Fahrstühlen und warteten auf Strom. Da dieser aber auf sich warten ließ, trugen wir letztlich unsere Koffer über die Treppe hinauf in unsere Zimmer.
Nach einer Erholungspause trafen wir uns in der Lobby, bildeten Kleingruppen und fuhren per Taxi in die Innenstadt zum Abendbrot. Unsere Gruppe, bestehend aus 8 Personen, folgte dem Tipp von Rita und landeten bei einem libanesischen Armenier, wo wir in einem zeltüberdachten Vorgarten inmitten von Einheimischen saßen. Nach Überwindung einiger Sprachbarrieren bekam aber Jede und Jeder von uns ein sättigendes Essen. 2 unserer Herren verkosteten je einen 3-jährigen bzw. 5-jährigen Ararat, fanden aber keinen so wesentlichen geschmacklichen Unterschied. Nach dem Abendbrot schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt und fuhren dann wieder mit Taxis in unser Hotel, wo es inzwischen auch wieder Strom gab.
So ging wieder einmal ein sehr reich gefüllter und sehr schöner Tag zu Ende.

Bernhard