Pilgern - Erfahrungsberichte

21.06.2015 St. Hriphsime - Kathedrale von Edschmiatsin - Festung Amberd

Sonntag, den 21.06.2015

Nach dem Frühstück fuhren wir durch die Vororte Jerevans zur Palastkirche von Zvarnots. Wir sind schon früh unterwegs gewesen, aber eine Gruppe aus Frankreich war auch schon da. Vier Sänger sangen kirchliche Lieder für uns - Rita wollte nicht, dass wir klatschen. Einige kauften eine CD. Bei einem kurzen Gang durch die Ruinen - hier war der Sitz des Katholikus (der Oberhaupt der armenisch-orthodoxen Kirche) im 7. JH - konnte man nur staunen was für Bauten (52m hoch) damals schon möglich waren.
Wir fuhren dann zu einer weiteren Kirche um dort den Beginn einer Sonntagsmesse mit zu erleben. Vor der Kirche wurden Zelte und Tische aufgebaut da es nach jeder Messe - diese kann 3-4 Stunden dauern, für alle zu essen und zu trinken gibt. Ein Chor von Frauen und Mädchen stellte sich auf. Die Mädchen sahen teilweise sehr blass aus aber sangen wie die Engel - alles ohne Noten. Die Priester erschienen mit jungen Ministranten wovon einer die anderen herumkommandierte.
Wir blieben nur kurz und fuhren weiter nach Etschmiatsin - der jetzige Sitz des Katholikus - wo wir auch einen Teil des Hochamts miterlebten. Die Kathedrale war voller Menschen - ein Chor sang melodische Lieder und es war ein geschäftiges Kommen und Gehen.
In der Taufkirche wurde ein Kind getauft. Die Familie war festlich gekleidet und alle standen am Taufbecken. Das Kind wurde vom Priester nackt ins Wasser eingetaucht und weinte bitterlich. Es wurden dabei unentwegt Bilder aufgenommen. Mit der neuen Technik erzeugen wir eine wahre Bilderflut. Ich glaube es ist wichtiger die Gegenwart mit allen Sinnen wahrzunehmen als alle Erlebnisse festhalten zu wollen.
In der Mittagshitze ruhten wir uns unter den Bäumen der schönen Anlage aus.

Dann ging es weiter zur Festung Amberd. Dort machten wir Rast. Rita hatte Brot, Tomaten und Käse gekauft. Wir durften uns vor einer Gastwirtschaft setzen um unsere Brotzeit zu essen und bekamen Kaffee serviert. Eis gab es auch für unsere Eisfans. So gestärkt konnten wir die Festung erkunden. Die Natur war in voller Blüte - es gab so viele herrliche Blumen.
Wir mussten dann nach einer kurzen Andacht aufbrechen - zurück über holprige Strassen - unser Fahrer ging immer sehr behutsam mit seinem Bus um - zu einem weiteren Kloster Saghmosavankh. Hier trafen wir einen Geistlichen, der sich freute, uns zu sehen. Hinter der Klosterkirche versteckte sich ein armenischer Grand Canyon. Ohne Vorwarnung stand man oberhalb einer gewaltigen Schlucht. Danach führte uns Rita über Feldwege vorbei an Walnuss- Aprikosen- und Kirschbäume zu einem Ehepaar, die uns in ihrem Haus bewirteten. Wir saßen im Wohnzimmer, in der Küche und auf der Terrasse. Es gab leckeres Essen - u.a gefüllte Zwiebeln. Im Atelier - der Herr des Hauses war Künstler - kauften einige Keramik und Schmuck. Im Garten nahmen wir unseren Kaffee ein und ließen den Tag schön ausklingen - eigentlich war die Weiterfahrt zu einem Kunstmarkt geplant aber wir beschlossen lieber länger im Garten zu bleiben. Wir sangen ein Dankeschön und fuhren zurück ins Hotel. Am Ende des schönen Tages trafen sich einige von uns abends in der Hotellobby. Bier und Wein gab es seltsamerweise an der Hotelbar nicht, so dass wir in einem kleinen Laden an der Ecke einige Flaschen kauften. Diese durften wir dann auch in der Hotellobby trinken. Wir haben viel gelacht und gingen danach müde und zufrieden schlafen.

Anne Vincent