Pilgern - Erfahrungsberichte

17.06.2015 Stadtführung durch Jerevan

Mittwoch, 17. 06. 2015-07-14
Nachdem wir der "Mutter Armeniens" ( weibliche Statue mit Schwert; für mich sehr befremdlich ) einen Besuch abgestattet und den schneebedeckten Ararat ( über 5000 m hoch, heute auf türkischem Gebiet ) bewundert hatten, besuchten wir Matenataran. Der moderne Kuppelbau, der an die Bauweise der armenischen Klöster erinnert, beherbergt ca. 18.000 wertvolle Handschriften aus der antiken und mittelalterlichen Kunst und Kultur. Gleich am Anfang wird die "Geburtsurkunde" von Jerevan, eine Keilschrift auf einer Steinplatte gezeigt aus dem Jahre 782 v. Chr. ! Wir wurden von einer äußerst liebenswürdigen, kompetenten Mitarbeiterin geführt, die uns auf die Schätze dieses Hauses aufmerksam machte. Sie und das, was wir sahen an wunderbaren Darstellungen, insbesondere auch aus der christlichen Kunst hat mich stark beeindruckt und begeistert. Ich konnte nachvollziehen, was in einer alten Legende geschildert wird ( verkürzt ): Der Tyrann fragt den Weisen, was wohl das Wertvollste für das armenische Volk sei. Dieser meinte, das seien wohl seine Bücher. Daraufhin befahl der Tyrann, alle Bücher aus dem Kloster zu verbrennen. Als die ersten Flammen die kostbaren Handschriften versengten, kamen die Dorfbewohner schnell mit all ihren Goldschätzen, um den Tyrannen zu beruhigen und ihre Bücher vor dem Feuer zu retten.
Dank an die Reiseleiterin Milena, die uns in dieses Schatzhaus geführt hat, welches zum Kulturerbe der Menschheit gehört.
Im Laufe des Tages war es überraschend für mich in einer Oase der Ruhe eine persische Moschee zu entdecken und zu besuchen - für uns Frauen eingehüllt in einen hellen "Kittel".
Wir bekamen auch Gelegenheit, im Zentralmarkt "Schuka" zu bummeln, wie hübsch und liebevoll waren da z. B. die Obst- und Spezialitätenstände dekoriert. Häufig bekamen wir von freundlichen Händlern Kostproben angeboten. Ob ihre Tageseinnahmen wohl zum Lebensunterhalt reichen?
Beim Abendessen in der Taverne wurden wir mit landestypischen Speisen reichlich verwöhnt und mit traditioneller Musik erfreut. Besonders hat mir die armenische Flöte Duduk gefallen, einer Oboenart, ca. 30 cm lang, aus Aprikosenholz gefertigt. Der dunkle warme Ton blieb mir noch lange im Ohr und Herz.

Diethild