Pilgern - Erfahrungsberichte

25.07.2015 Von Worms nach Bechtheim

25.07.15 Von Worms nach Bechtheim

Nach einer sehr warmen Nacht mit Gewitter sind wir Pilger wohlbehütet in unserer Unterkunft aufgewacht. Es hat sich etwas abgekühlt.

Nach einem guten Frühstück treffen wir uns zum Gottesdienst unter der Leitung von Michael. Besonders berührt mich das Lied "Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer" und darin besonders die Zeile "Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden…" - das ist unser Thema auf diesem Pilgerweg.

Danach brechen wir auf. Zwei Stadtführerinnen geben uns noch interessante Informationen über Worms und Luther; das ist spannend!

Anschließend machen wir uns auf die erste Strecke bis zum Schloss Hermsheim. Auf der Anhöhe bläst der Wind. Margit hält die erste Puncta zum Thema "Freiheit". Vom Wortstamm kommt es von "fri-halsa" (jemand, dem sein Hals selbst gehört). Dann liest sie noch einen Bibeltext aus Galater 5,13-26 zum Thema "Freiheit - nicht Zügellosigkeit". In der jetzt folgenden Schweigezeit denken wir über das Gehörte nach - und über die Zitate zu Freiheit, die sie uns auf einem Zettel mitgibt (s. unten).
Nun führt uns der Weg kreuz und quer durch die Weinberge: überall Weinberge, wohin man schaut. Es ist stürmisch und regnerisch. Immer wieder heißt es: Regenjacken, Regenschutz, Regenschirm auspacken - und kurze Zeit später ist es wieder sonnig. Danach das gleiche Spiel von vorne: Auspacken, "Sich verkleiden", Ausziehen, Einpacken…
Bei starkem Gegenwind kommen wir in den Weinbergen an der St. Michael-Kapelle in der Nähe von Abenheim an. Eine für die Kapelle zuständige Frau aus der Gemeinde begrüßt uns und erzählt ein bisschen zu diesem besonderen Ort.
Hier machen wir auch unsere Mittagspause. Die triefenden Jacken werden zum Trocknen aufgehängt und wir lassen uns die mitgebrachten Brote schmecken.
Um 14 Uhr steht noch unser "Bibel-Teilen" an; wir sammeln uns in Kleingruppen und tauschen uns über den Text aus.
Nach unserer Pause geht es bei schönstem Sonnenschein durch Osthofen; wir genießen die wunderbare Landschaft. Nachmittags teilen wir uns in verschiedene Gebetsgruppen auf: Die Rosenkranz-Beter gehen ganz vorne, dann kommt die "Herzensgebet-Gruppe" und zum Schluss alle, die diese Strecke im Schweigen gehen möchten.
Kurze Zeit später erreichen wir Bechtheim. Der Pastor der evangelischen Kirche begrüßt uns und zeigt uns unser Quartier in der Mehrzweckhalle von Bechtheim. Es gibt Duschen: große Freude bei allen!
Um 19 Uhr wird ein super leckeres Essen serviert: Zuerst kommt ein hübsch dekorierter großer Salatteller - mmmmh! - und dann Lasagne mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. Wie gut, dass auch für die Vegetarier gesorgt ist! - Ein intensiver erster Pilgertag geht zu Ende; gute Nacht…

Elfi Engel und Esther Hey, Leinefelde

Freiheit wird meist als Chance verstanden, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff meint einen Zustand der Autonomie
und hat seine Wurzeln im germanischen "fri-halsa" (jemand, dem sein Hals selbst gehört).
Innere Freiheit bedeutet, dass man die eigenen zur Verfügung stehenden Anlagen nutzt
und dabei von inneren Zwängen frei ist und souverän das eigene Handeln bestimmt.

Dazu ein Bibeltext aus Galater 5,13-26 nach der Neuen Genfer Übersetzung:
Freiheit, nicht Zügellosigkeit
13 Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen! Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand,
um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe.
14 Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst, in dem Gebot:
"Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst."
15 Wenn ihr jedoch wie wilde Tiere aufeinander losgeht, einander beißt und zerfleischt,
dann passt nur auf! Sonst werdet ihr am Ende noch einer vom anderen aufgefressen.
Die Auswirkungen der menschlichen Selbstsucht…
16 Was will ich damit sagen? Lasst den Geist Gottes euer Verhalten bestimmen,
dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben.
17 Denn die menschliche Natur richtet sich mit ihrem Begehren gegen den Geist Gottes,
und der Geist Gottes richtet sich mit seinem Begehren gegen die menschliche Natur.
Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern,
dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt.
18 Wenn ihr euch jedoch vom Geist Gottes führen lasst,
steht ihr nicht mehr unter der Herrschaft des Gesetzes.
19 Im Übrigen ist klar ersichtlich, was die Auswirkungen sind, wenn man sich
von der eigenen Natur beherrschen lässt: sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit, Ausschweifung,
20 Götzendienst, okkulte Praktiken, Feindseligkeiten, Streit, Eifersucht,
Wutausbrüche, Rechthaberei, Zerwürfnisse, Spaltungen,
21 Neid, Trunkenheit, Fressgier und noch vieles andere, was genauso verwerflich ist.
Ich kann euch diesbezüglich nur warnen, wie ich es schon früher getan habe: Wer so lebt und handelt, wird keinen Anteil am Reich Gottes bekommen, dem Erbe, das Gott für uns bereithält.
… und die Frucht, die der Geist Gottes hervorbringt
22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt,
besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue,
23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.
Gegen solches Verhalten hat kein Gesetz etwas einzuwenden.
24 Nun, wer zu Jesus Christus gehört, hat seine eigene Natur
mit ihren Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.
25 Da wir also durch Gottes Geist ein neues Leben haben,
wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.
26 Wir wollen nicht überheblich auftreten,
einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!

Lasst den Bibeltext in der Stille auf Euch wirken. - Und noch einige Zitate zum Thema "Freiheit":

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. Jean-Jaques Rousseau

Als ich aus der Zelle durch die Tür Richtung Freiheit ging, wusste ich,
dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste,
oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben. -
Frei sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen,
sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert. Nelson Mandela

Niemand ist frei, der über sich selbst nicht Herr ist. Matthias Claudius

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir - für immer. Konfuzius

Freiheit heißt Liebe, Freiheit heißt "Gib-mir-Raum", Freiheit heißt Treue, ist ein Menschheits-Traum.
Freiheit heißt Rücksicht, Freiheit heißt Toleranz, Freiheit heißt "Hilf mir", bleib nicht unerkannt.
Ich hoffe, Freiheit bleibt mein Unterpfand. Söhne Mannheims