Pilgern - Erfahrungsberichte

31.07.2015 Von Friedberg nach Hungen

Mit dem Lied " Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, sei gepriesen der Name des Herrn" begann dieser sonnige Pilgertag in dem katholischen Gemeindezentrum der Marienkirche.
Nach der Reformation gab es bis ins 18. Jahrhundert kaum Katholiken in Friedberg und die wenigen mussten über den Äppelwoiweg zur Georgshöhe, um den Gottes-dienst zu besuchen. Die Marienkirche wurde erst im Jahre 1889 fertig gestellt.
Hier feierten wir mit Pater Rolf die Eucharistiefeier. Seine Predigt begann er mit der Geschichte vom Adler, der wie ein Huhn erzogen wurde und deshalb nicht fliegen konnte. Nach zwei missglückten Versuchen, dem Adler das Fliegen zu lernen, ließ man den Adler direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewalti-gen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.
Diese Geschichte soll alle Menschen ermutigen, als Geschöpfe Gottes frei zu leben.

Einer, der Christus bedingungslos nachfolgte, war der Hl. Franziskus von Assisi. Obwohl er der Sohn eines reichen Tuchhändlers und Soldat war, machte er Christus immer mehr zum Mittelpunkt seines Lebens. Er war davon überzeugt, dass er frei ist, wenn er auf Christus schaut. Als er sich vor dem Bischof für die verschenkten, kostbaren Stoffe rechtfertigen soll, zieht er sich aus und verlässt nackt die Stadt. Er spürt, dass er alles zurücklassen muss. Auf Christus schauen macht ihn frei. " Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir". Die größte Freiheit für ihn ist, die frei-willige Unterordnung in den Heilsplan Gottes (vgl. Sonnengesang). Freiheit ist für ihn nicht Stolz, Macht und Egoismus, sondern Gehorsam gegenüber Gott. In einzig-artiger Weise folgte er der Botschaft Jesu: "Willst Du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen" (Mt. 19, 21).

Unterschied zu Luther: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemanden untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."
Nachdem wir uns von Pater Rolf verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg mit dem Anliegen der Pfarrgemeinde für die anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen. Gesucht werden Menschen, die bei der Zusammenlegung und Umstrukturierung zum Segen für das Reich Gottes werden.
Als wir uns mit unserem Streckenmeister
Norbert auf den Weg von Friedberg
zum Wölfersheimer See aufmachten, und
die 10 Gebote zu den
10 großen Freiheiten
umformuliert wurden, kam mir sofort das
nebenstehende Bild in den Sinn.

So gesehen helfen uns die 10 Freiheiten,
Frieden in unser Herz einziehen zu lassen.
Den entsprechenden Kanon "Ich habe
Frieden in meinem Herzen, jede
Stunde, jeden Tag" sangen wir zum
Mittagsgebet.
Schweigend verbrachten wir die Mittagspause am See, bevor wir uns beim Bibelteilen mit der Textstelle vom Reichtum und der Nachfolge (Markus 10, 17-23) beschäftigten.

Fünf Kilometer vor Hungen wurden wir von Frau Krüger, der neuen Streckenmei-sterin, empfangen, die uns nach fast 30 Kilometern zu einem Badesee bei Hungen führte, wo wir Körper und Seele erfrischen durften. Kurz darauf wurden wir an der gegenüberliegenden Seeseite vom stellvertretenden Bürgermeister als Pioniere des neuen Lutherwegs vorgestellt und mit einem kühlen Schoppen begrüßt.

Unsere Tagesetappe hatten wir dann mit dem singenden Einzug in die Stadtkirche von Hungen erreicht. Dort wurden wir von Pfarrer Kleinert begrüßt und freundlich auf die wunderschöne Chorkapelle aufmerksam gemacht, die zum Raum der Stille erklärt worden ist.

Im Anschluss war Frau Krüger sehr um unser Wohlergehen im Kulturzentrum in Hungen bemüht. Sie hatte eine leckere Gemüsesuppe mit Würstchen geordert und brachte uns teilweise einzeln zu den Duschen im nahegelegenen Sportzentrum.

Still wurde es wieder nach der Komplet - in der wir Gott für die Behütung auf unserem Weg dankten und um einen erholsamen Schlaf baten.

Für alle Zeichen des Willkommens und Begleitung auf dem Weg bedanken wir uns ganz herzlich.

Heike von Rhein, Fulda