Pilgern - Erfahrungsberichte

16.07.16 Von Grünberg nach Groß-Felda - Jutta

Bruder Rolf hat Geburtstag. Beim Frühstück werden ihm diverse Luther-Pilger-Accessoires, u. a. eine Luther-Playmobilfigur, ein Luther-Brot und natürlich auch ein Franziskaner-(Weißbier)-Frühstücksbrett überreicht. Rolf strahlt!
Endlich geht es los auf unserer Pilgerwanderung - gleich 25 Kilometer. Wir können den Aufbruch kaum erwarten; viele von uns haben schlecht geschlafen. Christine weiß, wie man Blasen an den Füßen vermeiden kann: gut eincremen und die Socken nicht wechseln!

Birgit, unsere Tagesführerin, die uns gut ans Ziel bringen wird, dabei viele interessante Dinge aus der Gegend weiß und alle Menschen, die wir treffen, kennt, kann auch Orgel spielen und ist eine überaus sympathische Begleiterin.
Sie führt uns durch den Mittelpunkt Hessens; das ist Flensungen und das ehemalige Feuchtgebiet Mücke. Mücke ist eigentlich nur der Bahnhof mit ein paar Häusern drum herum. Der Bahnhof sieht noch aus wie nach dem zweiten Weltkrieg. Die Mutter meines Mannes Folker hat im ersten Stock des Bahnhofgebäudes mit ihrem Vater und ihren drei Töchtern den Krieg überlebt!
Ilsdorf, ein winziges Dorf mit zwei Kirchen, zwei Friedhöfen und einem Bach in der Mitte. Je nachdem, auf welcher Seite des Baches man geboren wurde und lebte, wird man auf dem entsprechenden Friedhof beerdigt.

Ulrike erzählt uns bei der Puncta über den islamischen Theologen Korschide. Vor jeder Sure im Koran stehe "Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers". Barmherzigkeit ist die am häufigsten erwähnte Eigenschaft Gottes im Koran. Er ist der Meinung, dass der Koran heute völlig falsch ausgelegt werde und dass nur von einem Gott, dem zu dienen sei und der die Ungehorsamen grausamst bestrafen würde, die Rede sei. Dabei sollte die Beziehung zwischen Gott und den Menschen allein auf Freiheit und Liebe beruhen.

Bruder Rolf hält Gottesdienst im kleinen evangelischen Kirchlein in Ruppertenrod; dazu heftigstes Glockenläuten. Nur drei Minuten nähmen sich Paare pro Tag, um von Herz zu Herz zu reden. Rolf lädt uns ein, uns von Gottes Erbarmen im tiefsten Inneren berühren zu lassen, um selbst barmherzig zu werden. Rolf schenkt uns anlässlich seines Geburtstages ein selbst verfasstes Gedicht. In Bruder Rolf spüre ich die tiefe innere Freude der Liebe Gottes.

Mittagspause im Gemeindehaus. Es gibt Kaffee! Wir bewundern Erikas praktische Dinge: die locus-App (12,5 km sind wir schon gelaufen), das Campingbesteck von WMF; dazu verteilt sie großzügig köstliche Ahle Wurscht.
Wieder unterwegs sehen wir Kornfelder, die abgeerntet werden wollen, Kamille, Johanniskraut, Mädesüß, Baldrian, Jakobskreuzkraut, Mohnblumen, Kornblumen, Rinder mit Hörnern, Kirschbäume mit leckeren Kirschen.

Gegen 18 Uhr erreichen wir unser Ziel Groß-Felda. Übernachtung in der Turnhalle. Die Dusche ist das i-Tüpfelchen. Aber vorher geht´s noch in die Kirche - ein Neubau mit bunten Glasfenstern und einem achteckigen Taufstein. Die achte Ecke fällt aus dem Alltäglichen und bedeutet die Ewigkeit. - Ich schlafe sehr gut…