Pilgern - Erfahrungsberichte

17.07.2016 Von Groß-Felda nach Alsfeld - Susanne

Der Tag beginnt mit einem Frühstück im Freien. Wie schön! Auf dem Schulhof der Grundschule in Groß-Felda lassen wir es uns schmecken und genießen dabei einen herrlichen Blick über die Landschaft. So sind wir alle gestärkt, als es losgeht.
Der Weg führt uns zuerst hinunter ins Dorf, vorbei an der Kirche, in der wir am Abend vorher als Pilgergruppe eingezogen sind. Anschließend ein steiler Aufstieg raus aus dem Ort, zurück auf den Lutherweg, den wir gestern kurz vor Groß-Felda verlassen hatten. Gut, dass es so früh am Morgen noch kühl ist und wir ausgeruht sind.

An einem kleinen Teich dann der erste längere Halt. Elke erinnert uns in der Puncta an eines der geistlichen Werke der Barmherzigkeit: Trauernde trösten. Sie gibt uns dazu zwei Fragen mit auf den folgenden Schweigeweg:

Wann wurdet ihr getröstet?
Wann habt ihr jemanden getröstet?

Ich erinnere mich an viele Begebenheiten: Weinende Kinder, die mit blutenden Knien kommen und um ein Pflaster bitten. Eine Freundin, der ich alles erzähle, was mein Herz beschwert und die einfach nur zuhört. Beim Schweigen brechen erklärt uns Elke, dass unser deutsches Wort "Trost" verwandt ist mit dem englischen Wort "Trust" (Vertrauen). Und dass das zusammengehört, getröstet werden oder trösten und eine vertrauensvolle Gemeinschaft. Ja, genau so habe ich das auch oft erlebt, und ich will mich daran erinnern, wenn ich wieder mal Trost suche oder ich trösten möchte und mir die Worte fehlen.

Nun nähern wir uns Romrod. Das Schloss erscheint irgendwann zwischen den Bäumen. Wir pilgern genau darauf zu. Ein verheißungsvolles Bild. An der Geschäftsstelle des Lutherwegvereins werden wir herzlich von Bernd Rausch, einem Mitbegründer des Vereins, empfangen. Dann feiern wir in der Schlosskirche Gottesdienst. Manfred predigt über die Begegnung Jesu mit Levi. Er war als Zöllner. Von Jesus lässt er sich auf einen neuen Weg einladen und folgt ihm nach (Matth. 9, 18-26). Einige Sätze der Predigt berühren mich besonders: "Vielleicht hatte Levi längst Sehnsucht nach mehr. Du musst nicht sitzen bleiben, wo du gerade sitzt. Du kannst dir von Gott Flügel schenken lassen. Folge Gottes Ruf, lerne Barmherzigkeit. Komme in Bewegung, heraus aus der Gewohnheit. Schüttle ab, was schon lange stört."

Zur Mittagspause breiten wir uns in dem großen Park rund um das Schloss aus. Hier gibt es viele schattige Plätzchen. Ein leichter Wind weht. Da lässt es sich gut sein. Zumal Magdalena zu ihrem heutigen Namenstag auch noch Kaffee und Kuchen spendiert. Vielen Dank noch einmal!

Nach einem Austausch über den Predigttext geht der Weg weiter nach Alsfeld. Unser Pilgerleiter für den heutigen Tag, Rudolf Marx, führt uns sicher und weiß unterwegs wieder einiges zu erzählen, z. B. über den sogenannten Judenweg. Dieser Handelspfad wurde früher von zu Fuß reisenden Kaufleuten genutzt. Nun gehört ein Teilstück dieses Weges zum Lutherweg.

Vor unserer Ankunft in Alsfeld teilen wir uns in drei Gebetsgruppen auf. Manche beten den Rosenkranz, andere sind schweigend unterwegs. Claudia hat Armbänder mit Perlen des Glaubens mitgebracht und möchte allen Interessierten vorstellen, wie man damit meditieren kann. Ich habe schon manchmal von diesem Armband gehört, aber mich nie näher damit beschäftigt. Nun bin ich froh über die Chance, die einzelnen Perlen und ihre Bedeutung kennenzulernen.

Am Ortseingang von Alsfeld führt der Lutherweg direkt am Freibad vorbei und die meisten von uns gehen zuerst mal schwimmen. Ich genieße das kühle Nass sehr und empfinde das abendliche Bad nach dem Pilgern als ein Geschenk.

Anschließend empfängt uns der evangelische Pfarrer von Alsfeld und zeigt uns die Dreifaltigkeitskirche, die Kirche des ehemaligen Augustinerklosters, und die Walpurgiskirche, die Stadtkirche von Alsfeld. Dabei erläutert er die Beziehungen, die ehemals zwischen den Alsfeldern und Luther bestanden und wie die Reformation hier Einzug gehalten hat.

Zu Gast sind wir in dieser Nacht im katholischen Gemeindezentrum mit seinem wunderschönen Innenhof. Besonders beeindruckend ein Wandgemälde mit den ersten Zeilen aus dem Sonnengesang des Franziskus:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Natürlich werden gleich Fotos geschossen - vor allem mit Bruder Rolf, der ja auch ein Franziskaner ist.

Nach dem Abendessen basteln einige von uns Armbänder mit den Perlen des Glaubens. Claudia hat das Material dafür mitgebracht. Mir macht es Freude, etwas mit anderen zu tun und ich kann so, neben allen "inneren Eindrücken", auch noch etwas "Handfestes" von diesem reich gefüllten Pilgertag mit nach Hause nehmen.