Pilgern - Erfahrungsberichte

06.07.2017 Eisenach - Creuzburg

von Astrid

6. Juli: Eisenach - Creuzburg

Am 6. Juli starten wir gegen 8.00 Uhr bei blauem Himmel und Sonnenschein vom Werner-Sylten-Haus in Eisenach. Neu hinzugekommen sind Arne und Wolfgang. Gaby Backhaus, Paramentikerin und Hüterin unserer Pilgerherberge, begleitet uns in die Innenstadt von Eisenach. Der Weg steht unter der geistlichen Leitung von Claudia und der organisatorischen Leitung von Cordula.

Erstmals kommt Manfreds Abschiedsgeschenk - ein Pilgerstab - zum Einsatz. In der Innenstadt von Eisenach halten wir vor dem Lutherdenkmal, der Georgenkirche, in der die hl. Elisabeth getraut und Bach getauft wurde, und der Martin-Luther-Schule, die dieser selbst besucht hatte.

Am Ortsrand von Eisenach hält Martina uns eine Puncta zum Thema Streit und Versöhnung. Sie stellt heraus, dass auch Jesus gestritten habe und Streiten etwas sehr Menschliches sei - daher gebe es im Neuen Testament viele Empfehlungen für gelingende Versöhnung nach Streit. So werden wir aufgefordert, nicht nur einmal, sondern 7x70mal zu vergeben (Mt 5,23) und uns möglichst schnell wieder zu versöhnen, solange wir noch auf dem gemeinsamen Weg sind (Mt 7,3-5). Wir sollten immer wieder zurücktreten und unseren eigenen Anteil - unseren Balken - wahrnehmen. Dabei können wir daran denken, dass uns die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes verbindet.

Martina erzählt die Geschichte der zwei Freunde, bei denen der eine das Schlechte und Kränkende in den Sand, das Gute und Rettende aber in den Stein schrieb. In der anschließenden Schweigezeit überlegen wir uns, welche Erfahrungen wir in den Sand und was auf Stein schreiben möchten.

Vor der Mittagszeit gibt es eine Austauschrunde - ein Feedback zur Halbzeit - in der wir sehr ein-stimmig zurückmelden, dass es uns gut geht. Claudia spricht das Mittagsgebet und wir reichen uns die Hände zur Versöhnung.

Bei großer Hitze machen wir gegen 13.00 Uhr in der Nähe der Freiwilligen Feuerwehr und eines Staudamms der Werra in Spichra Mittagspause. Im Bibelteilen um 14.00 Uhr geht es um die Versöh-nung mit Gottes Schöpfung - Gesprächsgrundlage waren die Schöpfungstexte in 1. Mose 1 und 2 sowie Gottes Auftrag an Noah nach der Sintflut. Wir gehen dem Spannungsfeld zwischen bebauen und hüten sowie herrschen und unterwerfen nach.

Um 16.00 Uhr erreichen wir die Liborius-Kapelle in Creuzburg, die mit wunderschönen mittelalterli-chen Elisabeth-Fresken ausgemalt ist. Die Messe wird von Bruder Rolf zum Thema "Versöhnung mit der Schöpfung" gehalten. Die Schöpfung sei nicht unser Werk, sondern sie sei ein Geschenk. Wir seien schuldig geworden an der Schöpfung und sollten Gott um sein Erbarmen anrufen. Rolf erzählt, dass der hl. Franziskus alle Geschöpfe als seine Geschwister angesehen und entsprechend behutsam mit ihnen umgegangen sei. Schritte, die auch wir gehen könnten, seien: Ehrfurcht vor der Nahrung - kein Essen wegwerfen - sehnsüchtig auf die Erlösung warten.

Gegen 17.00 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft - eine "aufgegebene Schule" in Creuzburg. Dort hält uns Cordula nach dem Essen um 20.00 Uhr ihren Vortrag von der therapeutischen Wirkung des Pilgerns, den sie auf dem Kirchentag in Berlin gehalten hat.

Um 21.00 Uhr endet der Tag mit dem Abendgebet, angeleitet durch Claudia.
Astrid Schiller