Pilgern - Erfahrungsberichte

08.07.2017 Treffurt - Hülfensberg

von Heike

8. Juli: Treffurt - Hülfensberg

Der Morgen am letzten "Lauftag" ist immer etwas merkwürdig. Auf der einen Seite freut man sich, dass man bald auf dem Hülfensberg ankommt, auf der anderen ist man traurig, weil der gemeinsame Weg zu Ende geht. Aber noch liegt eine Etappe vor mir und meinen Mitpilgern, und ich bin gespannt,
was diese zu bieten hat.

Bevor es aber auf den Weg geht, verabschieden wir uns von Fanny und Jan, einem jungen Ehepaar, das auf dem deutschen Jakobsweg unterwegs ist. Wir haben sie am Abend zuvor in unsere Mitte aufgenommen, da sie noch keine Herberge für die Nacht gefunden hatten. Mit einer Strophe vom irischen Reisesegen verlassen sie uns in die entgegengesetzte Richtung. Wir wünschen ihnen alles Gute und Gottes Segen auf ihrem Weg nach Konstanz.

Dann geht es auch für uns los. Gleich zu Anfang geht es steil bergauf zur Burg Normannstein, die majestätisch über Treffurt thront. Treffender Weise heißt die Straße, die uns hinauf führt, Pilgrimweg!
Von oben haben wir einen herrlichen Blick über Treffurt und das Werratal.

Dann geht es weiter durch den Wald. An einer alten Straßenmarkierung hält Manfred die Puncta.
Wir sollen uns vorstellen, ein Baum zu sein und Kraft aus der Erde zu schöpfen. Ich versetze mich in meinen Lieblingsbaum, eine Trauerweide, die ihr Blätterdach schützend über allem hält.

Als wir im Schweigen weiter laufen, geht mir der Kanon "Wechselnde Pfade" durch den Kopf. Denn wir gehen über gut ausgebaute Waldwege, schmale Trampelpfade, über Wiesen und durch schlam-mige Pfützen.

Aus dem dunklen Wald heraus gelangen wir auf eine sonnige Wiese, die über und über mit Blumen übersät ist. Schnell wird mir klar: das ist keine normale Wiese. Wir sind am grünen Band der ehemaligen innerdeutschen Grenze angekommen. Durch einen kurzen Abstecher gelangen wir auch zum ehemaligen Grenzturm Katharinenberg. Dort wird, wie es schon Tradition ist, das Eichsfeldlied gesungen. Über den Kolonnenweg kommen wir, nach einem kurzen, aber sehr, sehr steilen Anstieg, zum Ziel unserer Mittagspause: dem Plesseturm oberhalb von Wanfried.

Von dort geht es dann, nach dem Bibelteilen, weiter nach Döringsdorf. In Bruder Rolfs alter Kirche können wir uns abkühlen und ausruhen. Und dann geht es mit einem Kreuzweggebet den Hülfensberg hinauf. Oben empfangen uns die Glocken, Bruder Rolf begrü0t uns und Wolfgang bespritzt uns beim Einzug in die Kirche mit Weihwasser.

Nachdem alle ein Quartier für die Nacht gefunden haben und geduscht sind, geht es zum Abendessen. Ingrid und ihr Küchenteam zaubern uns Kartoffeln mit Kräuterquark und Schmorgemüse auf die Teller. Vielen Dank dafür!

Am Abend feiern wir einen Segnungsgottesdienst, in dem man für sich oder Jemanden, der einem am Herzen liegt, Gottes Segen erbitten kann. An diesen sehr stimmungsvollen Gottesdienst schließt sich eine Nachtanbetung an. Durch die geweihte Hostie ist Jesus Christus mitten unter uns und wir haben
so die Möglichkeit, eine Zeit mit Ihm zu wachen und zu beten, so wie die Jünger im Garten Gethse-mane es getan haben.

Über diesen Tag wäre noch so vieles zu berichten! Pilgern bringt mich immer wieder zum Staunen. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, die Wunder Gottes an uns Menschen ein wenig schauen zu kön-nen.
Heike Schönewolf