Pilgern - Erfahrungsberichte

09.07.2017 Abschied vom Hülfensberg

von Ulrike

9. Juli: Abschied vom Hülfensberg

Heute ist der Tag des Abschieds von den während einer Woche ans Herz gewachsenen Pilgerbrüdern und -schwestern. Heute ist der Tag, an dem wir vom "Trainingslager" wieder zurückkehren in unseren Alltag. An diesem Tag des Übergangs helfen die vertrauten Rituale: das Morgengebet, die Runde um den Feuerkorb, die Verabschiedungsrunde.

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht im Meditationsraum der Franziskanerbrüder erwache ich ausgeruht und erledige, wie fast an jedem Morgen zuvor, gemeinsam mit unserem Küchenteam einige Handgriffe in der Küche, um für die Gruppe das Frühstück vorzubereiten. Danach genieße ich noch einmal die Ruhe auf dem Berg: Ich gehe von der Südspitze des Bergplateaus, die einen Blick in das Werratal bietet, zur Nordspitze, die einen Blick ins Eichsfeld gewährt, und atme die frische, klare Luft in vollen Zügen ein.

Zwischen zwei Bäumen ist eine Wäscheleine gespannt. Daran sind kleine Kärtchen befestigt. Jeder hat für Manfred, der nun, nach zwanzig Jahren im Leitungsteam des Pilgerweges, die Leitung an Michael abgibt, auf ein Kärtchen geschrieben, wofür er Manfred danken will und welche guten Wünsche er ihm für die nun vor ihm liegende Zeit mitgeben möchte. Auch hier werden Abschied und Übergang sichtbar. Was wird neu werden? Und wie?

Die Zettel, auf die wir unsere Fürbitten geschrieben haben und die eine Woche lang am Pilgerkreuz mitgetragen wurden, werden nun in der Feuerschale zusammen mit Weihrauch verbrannt. Das Ritual hilft, die Sorgen um die Menschen, für die wir gebetet haben, loszulassen und Gott anzuvertrauen.
"Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade. Fürchte dich nicht!" Mit diesem alten Pilgerlied auf den Lippen fassen wir uns an den Händen und gehen im Takt der Melodie in Schritt und Wechselschritt voran - ein schönes Zeichen!

Und nach der ausführlichen Verabschiedungsrunde, die diesmal leider kein fröhliches Chaos ist, geht es dann plötzlich doch ganz schnell: noch ein Gruppenfoto vor der Kirche, dann unser Einzug mit dem Pilgerkreuz in den Gottesdienst, noch einmal die Messe mit Bruder Rolf - und dann sind wir weg, herunter vom Berg, auf den Straßen und in den Zügen, die uns nach Hause bringen, zurück in unseren Alltag, der noch lange durchleuchtet wird von der Kraft, die uns während unseres Weges zugewachsen ist.
Ulrike Arnold