Pilgern - Erfahrungsberichte

24.06.2018 Vom Kloster Bursfelde nach Hann. Münden

von Claudia J.

Samstag, 23.6. 2018: Bursfelde
Ist wirklich schon ein Jahr vergangen? Es ist mir, als hätte ich alle Pilger erst letzte Woche gesehen, als hätten wir erst vor kurzem in der Begrüßungsrunde zusammen gesessen und das mitgebrachte Abendessen geteilt. Aber es ist tatsächlich 2018 und wir beginnen unseren diesjährigen Pilgerweg in Bursfelde.

Nachdem das große Hallo und Wiedersehen abgeebbt ist, sitzen wir in der Runde, verteilen Informationen, Dienste und Ämter, begrüßen die Neupilger und finden uns um 18 Uhr zum Abendgebet in der Ostkirche zusammen. Abendessen, ein kleiner Gang über das Klostergelände und Michaels Vortrag über das Kloster helfen beim Ankommen, Einfinden und Klarwerden - es ist Pilgerzeit! Ab morgen sind wir unterwegs durch Wälder, Felder und Orte und das Thema der Jahreslosung wird uns eine Woche lang begleiten und erfrischen:
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.
Und während sich später am Abend in einem Ost-Stadion die Fußballmannschaft hineinschießt in die nächste Runde, singen und beten wir Pilger uns in der Bursfelder West-Kirche auch hinein - in Gottes Segen für die Nacht und den Pilgerweg.



Sonntag, 24.6. 2018: Bursfelde - Hannoversch Münden
"Wasserplätze und der Psalm 23"
Da ist es wieder: das frühe Geweckt-werden, Packen im Schweigen, das fröhlich bunte Pilgerfrühstück und die Ungeduld am ersten Tag, auf den Weg zu kommen. Alles geht noch ein wenig durcheinander. Die altbekannten Handgriffe für Rucksackpacken, Gepäckbus einräumen und ein besenreines Quartier sind zwar nicht vergessen, aber heute, am ersten Tag, sind sie noch ein bisschen ungeübt. Und trotzdem sind wir vollzählig und ziemlich pünktlich beim Gottesdienst.

Biblische und einheimische Wasserplätze beleben heute unser Unterwegssein. Die Bibel macht den Anfang. Im Gottesdienst hören wir Gedanken über Johannes den Täufer am Jordan und darauf folgt der Abschied von Bursfelde an der Weser.

Los geht’s: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…" Unser erster "Wasserplatz" liegt schnell hinter uns und durch eine recht kurze "grüne Aue" schlängelt sich der Weg schon bald an einem neuen Wasser entlang. Wir folgen der Nieme das Tal hinauf und hören auf halbem Weg direkt am Ufer Elkes Puncta zum Psalm 23 "…und führet mich zum frischen Wasser" sagt die Lutherbibel "…und führet mich zum Ruheplatz am Wasser" , so steht es in der Einheitsübersetzung. Ruhe und Frische sind sicher die beiden angenehmsten Eigenschaften, die mir das Wasser unterwegs bieten kann und die das Pilgern erleichtern.

Wir biegen ab vom Pilgerweg Volkenroda-Loccum hinein in den Wald. Ein anderes Wasser begleitet uns nun. Die Steimke fließt rechts des Weges bis weit in den Wald hinein und bis zum Platz des Schweigenbrechens. Bis zur Mittagsrast in Bühren hält uns nun fröhliches Erzählen auf Trab und kaum durch die Bührener Kirchentür getreten fällt mein Auge auf neues Wasser. Dieses Mal in Flaschenform, und ganz einladend auf dem Tisch im hinteren Teil der Kirche. Pause und Ausruhen in der Kirche "...er erquicket meine Seele"! Die angenehme Kirchenkühle lädt uns ein zum Essen und Stärken, weiche Sitzpolster auf den Bänken zum Mittagsschlaf und zum Entspannen. "Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl..." (Ich weiß, das "finstere Tal" samt "Stecken und Stab" habe ich übersprungen, aber das kam - rein geographisch gesehen - erst am Nachmittag auf den Plan).

Ein wenig verschlungen durch hohen Farn und dann ziemlich lange gerade aus auf der "Langen Bahn" geht es nach der Mittagspause weiter dem Ziel Hannoversch Münden entgegen - und auch dem "wandern im finsteren Tal", wie wir bald bemerken. Tatsächlich sind immer noch nicht alle Waldwege von umgestürzten Bäumen befreit, was für uns zu abenteuerlichen Klettereien führt. "Stecken und Stab" und helfende, stützende Hände werden einander gereicht und schließlich gelangen wir wieder hinunter ins Tal und nach Hann.Münden hinein. Trotz einiger Verspätung ist ein kurzer Stopp beim Blick auf den Weserstein, wo Werra und Fulda sich küssen und die Weser bilden, natürlich noch gegeben, und dann kehren wir an diesem Abend wohlbehalten "heim ins Hause" gegenüber der Stadtkirche in Hannoversch Münden. "Gutes und Barmherzigkeit folgten uns" den ganzen Tag lang, und waren uns ebenso auch voraus und neben uns, und über uns. Meint ihr nicht auch? Und der letzte Wasserplatz an diesem Abend hieß "Waschbecken für alle in ausreichender Anzahl".

Claudia Jung