Pilgern - Erfahrungsberichte

27.06.2018 Von Dörnhagen nach Helsa

von Heike von R.

Mittwoch, 27. 6. 2018: Dörnhagen - Helsa

Mit dem Reisesegen von Pfarrer Setzer und zwei froh gestimmten Tagespilgern brechen wir in Dörnhagen auf. Unser Ziel ist heute Helsa, das bis dahin ein blinder Fleck auf meiner Landkarte war.

Zur Puncta stellt uns Michael die sieben Tröstungen von Thomas von Aquin vor. Zwar hat der Mönch und Scholastiker im 12./13.Jahrhundert gelebt, aber vieles von dem, was er gedacht und gesagt hat, ist noch heute aktuell. Trost und Tröstung kann man erfahren durch:
1. Lust
2. Tränen
3. Mitleid
4. Bad
5. Schau der Wahrheit
6. Schlaf
7. Gebet

Michael geht besonders auf die erholsame Wirkung für Körper und Seele durch ein reinigendes Bad ein. Eine Dusche oder Bad hat zudem eine sehr erfrischende Wirkung. Schon im Paradies spielte Wasser eine große Rolle. Im Garten Eden gab es vier Flüsse. Die Römer waren als Badeliebhaber bekannt. Franziskus spricht von der Schwester Wasser. Für ihn ist Wasser keusch, kostbar und demütig und passt sich den Gegebenheiten an. Wasser ist durchsichtig und rein und ist nützlich für die Schifffahrt und Wasserkraftwerke. Allerdings kann es durch Wasser auch schwere Überschwemmungen geben. Vor dem Bad legt der Badende seine Kleidung ab. Die Nacktheit erinnert an die Unschuld und Reinheit, wie im paradiesischen Zustand, oder auch an das Fruchtwasser im Mutterleib. In diesem Sinne können wir uns nach einem Taufbad wie neu geboren fühlen. Und das ist unsere Frage für die Schweigezeit: "Wann habe ich mich das letzte Mal so richtig wie neu geboren gefühlt?"

Mit dem Schrifttext aus Johannes 13, der von der Fußwaschung vor dem Passahfest erzählt, wird das Schweigen an einem größeren Bach gebrochen. Mit den Worten: "Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe," werden wir ermutigt, uns gegenseitig die Füße zu waschen und zu ölen. Wir haben alle viel Spaß bei dieser Aktion und können die wohltuende und erfrischende Fußwaschung bei bestem Wetter genießen. Eingestimmt mit dem Lied "Kommt mit Gaben und Lobgesang, jubelt laut und sagt fröhlich Dank…" feiern wir im Anschluss dankbar das Abendmahl.
Danach genießen wir schattige Wege und auch Umwege aufgrund des Baumbruchs sowie herrliche Landschaften mit Weitblick. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir gesund und munter die Nikolaikirche in Helsa.

Zu einer erneuten Abkühlung geht es dann in das nahegelegene Freibad, das dank eines Fördervereins seit drei Jahren wieder genutzt werden kann. Aufgrund der Fußball-WM und des Spiels Deutschland gegen Südkorea ist das Schwimmbad wie ausgestorben und der Ort fast geisterhaft leer. Die Nachricht über die Niederlage der Deutschen, die das Ausscheiden aus der WM bedeutet, kann unsere gute Laune im verwaisten Schwimmbad jedoch nicht trüben.

Eine besondere Überraschung für uns Pilger gibt es noch während des Abendessens. Sechs Alphörner spielen bekannte und mittelalterliche Melodien für uns. Zur Feier des Bergfestes werden traditionell die Pilgerregeln gebrochen und es gibt Bier und Radler, was vermutlich bei vielen zu einem wohltuenden Schlaf führt.

Ich bedanke mich recht herzlich bei dem Vorbereitungsteam und allen Teilnehmern, die zum Gelingen dieses Tages bzw. der Woche beigetragen haben.

Heike von Rhein