Pilgern - Erfahrungsberichte

30.06.2018 Von Bad Sooden-Allendorf zum Hülfensberg

von Petra

Samstag, 30.6.2018: Bad Sooden-Allendorf - Hülfensberg.

Heute ist der letzte Tag des Pilgerns angebrochen. In der Nacht hatten wir die Möglichkeit, in der katholischen Kirche an einer Nachtanbetung teilzunehmen. Während der ganzen Nacht war es möglich, in den hell erleuchteten Kirchenraum zu kommen und dort auch innere Ruhe zu finden.

Am Morgen wird durch das Küchenteam, zu dem diesmal auch ich gehöre, das Frühstück unter freiem Himmel angerichtet. Da es schon am Vormittag sehr warm ist und der Tisch auch noch mit Blumen nett dekoriert ist, fühlen sich alle wie im Urlaub.

Da vor dem Frühstück schon das Gepäck eingeladen worden ist, geht es gleich nach dem Frühstück zum Gottesdienst. Bruder Rolf predigt über den Menschen-Fischer Petrus. Nach dem Gottesdienst geht es zum Bahnhof und von dort mit dem "Pilgerzug" nach Eschwege.

Dort laufen wir durch die sehr schöne Innenstadt, vorbei an gut besuchten Cafes und kleinen Läden zu Sieglindes Marktkirche. Dort hält Carina eine Puncta zur Jahreslosung. Danach geht es, an der Werra entlang, aus der Stadt hinaus. Auf der Werrabrücke muss Bruder Rolf nach einem heftigen Windstoß Abschied von seinem Käppi nehmen. Es treibt einsam den Fluss hinab. Doch Sieglinde organisiert rasch telefonisch eine neune Kappe für Bruder Rolf.

Nach einem kurzen, aber sehr erfrischenden Bad im Werratalsee geht es über Schwebda nach Frieda. Dort, hinter der Kirche, gibt es einen schönen "Platz der Generationen", wo wir unsere Mittagspause halten und die Bibel teilen. Wie schon am Morgen im Gottesdienst ist der Fischzug des Petrus unser Bibeltext.

Mittlerweile ist es sehr heiß geworden und so machen wir uns mit einem gemäßigten Tempo an den Anstieg auf den Hülfensberg. Bei einer kurzen Pause an einer Rasthütte singen unsere Eichfelder, wie es der Tradition entspricht, ihre Hymne. Hier haben wir schon einen schönen Blick auf unser Ziel. Am "Grünen Band" kann man deutlich sehen, wo früher die innerdeutsche Grenze verlief.

In Döringsdorf angekommen, gib es ein großes Hallo an der Kirche. Dort ist gerade eine Hochzeit zu Ende gegangen und natürlich kennen fast alle Gäste Bruder Rolf. So muss er erst einmal viele Hände schütteln und man muss ihn mit "sanfter Gewalt" zum Weitergehen anhalten. Ein Uralt-Trabbi, der als Hochzeitskutsche dient, sorgt für allgemeine Belustigung.

Jetzt geht es den Hülfensberg hinauf. Beim Aufstieg betet Bruder Rolf mit uns den Kreuzweg Jesu. Oben angekommen sind wir alle glücklich, am Ziel angekommen zu sein. Der Berg mit seiner Ruhe empfängt uns und man fühlt sich froh und geborgen. Hier können richtige Betten oder wenigstens eine Matratze auf dem Boden bezogen werden. Welch ein Luxus, dass es nach den letzten Tagen auch noch eine warme Dusche gibt.

Als alle frisch und sauber sind, gib es ein Abendessen unter freiem Himmel - und das traditionelle Hülfensberg-Eis, angerichtet von Elke und Bruder Rudolph.

Der darauf folgende Segensgottesdienst ist wieder sehr ergreifend. Der Berg ist schon ein ganz besonderer Ort, an dem man sich im wahrsten Sinne des Wortes fallen lassen kann, weil man weiß: Gott fängt mich auf!

Als wir bei unserer Abschlussrunde sind, klingelt es an der Pforte und ein einzelner Pilger steht vor der Tür: ein junger Mann aus Rostock auf dem Jakobsweg. Schnell wird er von einigen Mitpilgerinnen fürstlich versorgt.

Mit guten Gesprächen und einem atemberaubenden Sonnenuntergang geht ein schöner Tag zu Ende. Wie gnädig und gut war der Herr mit uns diese Woche! Viele neue Eindrücke, viele gute Gespräche Zeit und die Möglichkeit, runter zu kommen" und ruhig zu werden. Danke dafür.

Petra Keßler