Pilgern - Erfahrungsberichte

Von Beuren nach Ecklingerode (2.Tag)

von Hans-Werner Krause (23.07.2001)

Pilgererfahrung

Dies ist mein 3. Ökumenischer Pilgerweg.
1. Pilgerweg 1999
2. Pilgerweg 2000
3. Pilgerweg 2001

Warum ist Pilgern für mich in?

Es ist für mich ein wichtiger und richtiger Weg im Ruhestand!

Hans-Werner KrauseMein Motto für diesen Tag lautet:

"Geh aus deines Vaters Haus, in ein Land, das ich dir zeigen werde." - 1. Mos. 12 -

Wie schon aus den Vorgesprächen bekannt geworden ist, soll heute eine schwierige und lange Strecke vor uns liegen.

Nach der zweiten Nacht in einem fremden Quartier in Beuren mit all den ersten erkennbaren Unzulänglichkeiten (Schlafen, Schnarchen, Waschen usw.) soll es nun so richtig losgehen.

Pünktlich um 06.00 Uhr werden wir von Hermann mit einem Choral und seiner Trompete geweckt, auch die Langschläfer schälen sich nun aus den Schlafsäcken. Viele sind schon früher wach, man will sich auch mal wenigstens etwas Wasser gönnen.

Schweigen ist noch immer angesagt, aber die Gruppe ist vom Geist des Schweigens noch nicht ganz durchdrungen, so dass schon jetzt, vor dem Morgengebet und dem Frühstück, so manches Wort gewechselt wird.

Helmut guckt schon mißtrauisch. Er hat die gesamte Leitungsarbeit plötzlich übernehmen müssen. Da Manfred erkrankte und nicht da ist und auch Eusebius kann nur spontan unterstützen, und all die andere eingeteilte Geistlichkeit (Johannes und Mario) sind noch neu und können zunächst nur aus der Ferne wirken.

Aber dann um 07.00 Uhr sitzen alle in dem engen Saal, das Morgengebet findet seinen Raum und es wird kräftig gefrühstückt, dank Willi und dem stets freiwilligen Küchenteam.

Hans-Werner, der heute die Führung übernommen hat, gibt den vorgesehen Tagesablauf bekannt. Er ist es auch, der den gemütlich werdenden Morgenplausch energisch beendet, denn es liegt eine schöne Strecke vor uns, wir müssen rechtzeitig aufbrechen.

Vorbei an der schönen Kirche, dem Kloster von Beuren geht es gleich ein wenig bergauf. Die Sonne meint es gut mit uns. Dann rechts ab zu der ehemaligen Siedlung Volsbach.

Hier findet die Puncta statt.

Hans-Werner gibt den Gedankenanstoß von Abraham und dessen Aufbruch und den Wunsch Gottes an ihn:

Du sollst ein Segen sein!!

weiter.

Ähnliches erwartet uns, wir ziehen in ein unbekanntes Land (tatsächliches Land, aber auch Entdeckung des inneren unbekannten Landes in uns selbst), das uns Gott in den nächsten Tagen zeigen wird.

Und wie mache ich das in meinem Leben:

Du sollst ein Segen sein ?? !!

Damit haben wir genug Speisung für die anschließende Schweigezeit bis zur Kapelle Etzelsbach.

Wir gehen weiter und kommen an eine Baustelle der neuen Autobahn in Richtung Osten. Der Wanderweg ist nicht mehr vorhanden.

Also nur Mut mitten durch das Ährenfeld. Zum Glück haben hier die großen Traktoren einen Weg freigefahren, den wir gut benutzen können. Aber dann ist plötzlich Schluss. Was nun? denke ich. Wohin mit 40 Pilgern hinter dir? Aber wie ich bei der Puncta gesagt hatte: "Was wirklich wichtig ist, wird uns von Gott geschenkt!" Die Autobahnbauer hatten direkt an der Stelle, an der ich nicht mehr weiter wußte, in den letzten Tagen einen neuen Schotterweg gebaut.

Danke, lieber Gott, dass du mir/uns diesen Weg geschenkt hast!

Die kleine anschließende Hürde über einen Graben, war für alle, die erste Hilfeleistung und erfreuliche Bestätigung, wie man ein Segen für andere sein kann.

So erfüllt sich eben immer wieder die Schrift.

Dann geht es auf wunderbaren Waldwegen weiter und die Kapelle Etzelsbach hatten wir dabei auch schon immer vor Augen.

Die Wallfahrtskirche Etzelsbach ist besonders durch die Pferdewallfahrt im Eichsfeld bekannt. Auch sind da die 14 Heiligen in zwei runden Glasfenstern zu bestaunen.

Johannes hielt dann um 10.45 Uhr in der kühlen Kapelle einen Erinnerungs-Gottesdienst an die Taufe. Er betonte besonders die Bedeutung des Kreuzes und des in der evangelischen Kirche unübliche gewordene Sitte des Bekreuzigens. Wir alle hatten dann Gelegenheit in einem Ritual uns gegenseitig das Kreuz auf die Stirn zu geben. Für mich als evangelischer Christ ein besonderes Erlebnis.

Bis 13.00 Uhr war dann Rast und Mittagspause und Willi verwöhnte uns mit gutem, reichlichen Essen.

Da wir im Eichsfeld unterwegs sind, geht es natürlich erst mal wieder bergauf. Leider ein Stück auf der Straße. Aber Hajo hat uns am Schluss immer gut abgesichert, so daß nichts passieren konnte.

Links ging es dann in den Wald. Aber dann der Ausblick ins weite Land hat uns für alles entschädigt. Vor uns im Tal liegt Hundeshagen, das Musikdörfchen.

Weiter hinten ist schon Teistungen zu erahnen und der Harz mit dem Brocken ist ganz klar zu sehen.

Auf der Strecke bis Teistungen, der ehemaligen Grenzstation, wurde der Rosenkranz gebetet oder eine Schweigezeit eingelegt.

Vor Teistungen begegnete eine kleine Gruppe einem Kleingärtner, der uns seinen frischen Salat nach einigem Zureden überließ.

Bei dem Grenzmuseum hätten wir einen Aufzug für die neue Überführung benutzen können, dies verbot uns aber unser Pilgerauftrag. Gegen 16.00 Uhr waren wir auf der Teistunger Burg. Dort empfing uns Willi bei heißem Wetter mit kühlen Gurkenscheiben.

Wir lagerten uns im Schatten und wurden von einem Mitarbeiter des Grenzmuseums über die Zeit der Grenze zwischen Ost und West unterrichtet.

Es schloss sich eine Darstellung von Abendmahl und Eucharistie an. Gemeinsames, aber auch noch Trennendes wurde von Johannes und Mario sehr verständlich für alle vorgestellt. Ich glaube dieses Gespräch war für alle sehr lehrreich.

Durch ein kleines Tor in der Klostermauer mit anschließendem schmalen Waldweg kamen wir plötzlich an die ehemalige Grenze und gingen auf dem Kolonnenweg weiter in Richtung Ecklingerode. Was niemand vermutet hatte, erst jetzt kamen die richtigen Steigungen und das gleich drei mal. Bis zu 300 m Höhe mussten wir uns bei unerbittlichem Sonnenschein sehr steile Anstiege hinaufquälen. Aber die Gruppe hat jeden mitgetragen, so dass alles nicht so anstrengend war.

Direkt bei der ehemaligen Grenze kamen wir wieder auf die Straße. Mit einem kurzen Weg bis zur kath. Kirche und Gemeindehaus hatten wir unser heutiges Pilgerziel erreicht.

mitten durchs ÄhrenfeldEin kleine Hürde über einen Graben