Pilgern - Erfahrungsberichte

Von Rüdigershagen nach Volkenroda (5. Tag)

von Horst Vigelahn (26.07.2001)

Pilgererfahrung

Dies ist mein 2. Ökumenischer Pilgerweg.
1. Pilgerweg 2000
2. Pilgerweg 2001

Warum ist Pilgern für mich in?

Warum ist für mich Pilgern in? Wandern war für mich schon immer das Ventil, um Abstand zu dem Alltag, dem Tagesgeschehen zu finden. Eins zu sein mit der Natur, die Ruhe zu suchen. Beim Pilgern gefällt mir einfach das Gesamtkonzept: das luxeriöse Leben zurückzunehmen, in der Gemeinschaft bewegt mitzumachen, die befruchtende Stille auszukosten, Abstand vom oberflächlichen hin zum intensiven Leben zu finden.

Horst Vigelahn; Foto: F.F. HenningDieser Tag wurde für mich durch einen Liedvers von G.Tersteegen begleitet:

"Ein Tag der sagt dem anderen mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne
Mein Herz an dich gewöhne
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit!

6.OO - Weckruf durch unseren Trompeter Hermann mit einem Morgenchoral. "Herr, dieser Tag und was er bringen mag, sei mir aus deiner Hand gegeben."

Unser Pilgerweg führt uns heute von Rüdigershagen über Zaunröden, Sollstedt nach Kloster Volkenroda. Nach dem Packen und dem Frühstücken geht es nochmals in die uns bereits vertraute Kirche von Rüdigershagen. Hier findet eine Kurzandacht statt.

Nach dem Segen begleitet uns Pfarrer Rymatzki bis zum Dünkreuz. 1935 (Nazizeit) aus Kalkstein gemauert, ragt das Kreuz weit ins Land. Am Fuße des Kreuzes steht eine erst kürzlich eingeweihte Kapelle, in der uns Daniela in anschaulicher Weise das ungewöhnliche Schicksal von Ruth und ihrer Schwiegermutter Naomi vor Augen stellt.

Weiter geht es an einem gewaltigen Steinbruch vorbei nach Zaunröden. Kurze Einkehr in die 1614 als Grabeskirche der Grafen von Hagen erbaute Zaunröder Kirche. Auf einem Waldlehrpfad beten wir den Rosenkranz unter dem Gesätz.

Jesus herrscht
Jesus regiert
Jesus der wiederkommt
Jesus der Richter
Jesus der Vollender

Weiter pilgern wir auf dem Jodokus-Jugendpilgerweg. Nach kurzer Mittagsrast am Waldesrand erreichen wir gegen 17.OO Uhr eine tausendjährige Eiche mit einem Umfang von 9,3O m. Hier halten wir den Schriftkreis über 1. Petrus 3, Vers 8-17. In unserer Gruppe wurde sehr intensiv über Wahrheit gesprochen. Für mich war wichtig, dass wir zum Segnen berufen sind.

Es ist nicht mehr weit bis zum Kloster Volkenroda. Was uns hier erwartet, kann man nur unvollkommen beschreiben. Das Zisterzienserklosters wurde 1131 gegründet und hat eine wechselvolle Geschichte. Seit 1993 wird es von einer ökumenischen Lebensgemeinschaft als geistliches Zentrum, als Jugendbildungswerk mit einer ökologischen Landwirtschaft und mehreren handwerklichen Betrieben wieder aufgebaut, Motor dieses Projektes war und ist eine Frau: ULRIKE KÖHLER Sie und Bruder Helmut Roßkopf engagieren sich im Förderverein "Wiederaufbau Kloster Volkenroda", um zahlende Mitglieder für dieses Anliegen zu werben. Das Kulturerbe des Zisterzienserkloster soll erhalten werden und die geistliche Wiederbelebung durch Veranstaltungsprogramme gefördert werden. Jeder wird eingeladen, förderndes Mitglied im gemeinnützigen Verein Kloster Volkenroda e.V. zu werden.

http://www.kloster-volkenroda.de(Kloster Volkenroda)

Seit dem Herbst 2OOO ist der Christus-Pavillion der EXPO 2OOO in die historische Klosteranlage umgesetzt.

Wir kommen gerade zur rechten Zeit und können am Abendgebet teilnehmen. Danach ein für uns fast festliches Essen und eine Unterkunft in gediegenen Zimmern mit Betten und Dusche. Für uns Pilger ein großer Luxus.

Zwischendurch versorgt Martina die wunden Füße.Lore hält tapfer still.

Anschließend erfolgt eine interessante Führung. Wir werden über die Geschichte des Zentrums und die weiteren Pläne informiert. Mit einem Abendmahlgottdienst endet der Tag.

In der Stille der Nacht geht mir dieser Liedvers wieder durch den Sinn:

"Ein Tag der sagt dem andern
mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne
Mein Herz an dich gewöhne
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit"

DünkreuzMartina versorgt die wunden Füße