Pilgern - Erfahrungsberichte

Von Bickenriede zum Hülfensberg (7. Tag)

von Hermann Wendel (28.07.2001)

Pilgererfahrung

Dies ist mein 2. Pilgerweg. (2000, 2001)

Warum ist Pilgern für mich in?

Drei Aspekte stehen bei mir im Vordergrund:
1. Pilgern tut Leib, Seele und Geist wohl.
2. Die geistlichen Impulse als Wegbegleiter.
3. Die intensive Begegnung bei einem ganz einfachen Leben.

Hermann WendelA U F B R U C H

Die meisten Pilger hatten am Abend trotz Gartenfest in der Nachbarschaft einen Ruheplatz auf der grünen Wiese vor dem Gemeindehaus in Bickenriede gefunden. Der sanfte aber deutliche Hahnenschrei gegen 5.OO Uhr zeigte den offiziellen Tagesbeginn an, nachdem zwei junge Leute offenbar mit Vergnügen gegen 4.3O eine ‚Rallye‘ mit ihrem knatternden Moped auf dem angrenzenden Wege veranstaltet hatten. Sehr bewusst nahm dann um 6.OO Uhr die Trompete die Melodie auf: "Wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn....." "Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Maur‘ als treue Wächter stehen...."

Zum Frühstück stimmte uns Manfred auf den nunmehr letzten Pilgertag ein. Mit dem Lied Nr.34 aus unserem Liederheft baten wir um Orientierung für den Tag "...die richtigen Wege finden, ... die richtigen Worte finden.."

Helmut ergänzte diese Gedanken mit der besonderen Ermutigung zum Stillesein und einzustimmen auf den Anderen; er schloss mit dem Gebet:"...mach uns offen für Deine Schöpfung und für Jesus Christus."

Zum Morgengebet und Aussegnung versammelten wir uns wie gewohnt in der nahegelegenen Kirche. Helmut legte die geplante Tagesroute vor: Mühlhäuser Landgraben, Katholische Messe um 1O.OO Uhr in Strute über Anrode, Annaberg (Wallfahrtsort), Kloster Zella (Mittagspause), Lengenfeld, Geismar, von da auf dem Kreuzweg zum Hülfensberg. Der ‚Irische Segen‘ Lied Nr. 23) geleitete uns gegen 8.OO Uhr auf den Weg.

W E G Z E I T E N - "Menschen auf dem Wege..."

Dank der guten Einstimmung, der Hoffnung auf das Ziel des Tages und der intensiven Gespräche konnten wir die Schwierigkeiten der ersten Etappe gut überwinden - Überquerung des Mühlhäuser Landgrabens auf marode Holzbrücke, Waldweg mit hohen Brennnesseln, Wassergraben und feuchten Weiden.

Die Gemeine von St. Josef in Struth erfreute uns mit einem Erfrischungstee. Gemeinsam zogen wir in das Gotteshaus mit dem Lied "Großer Gott, wir loben dich..." ein und wurden von dem Ortspfarrer sehr herzlich begrüßt. Der Gottesdienst wird auch zum Gedenken an die Heilige Anna (26.7. Annentag) , Mutter der Maria, Schutzheilige der Mütter, der Armen sowie der Berg-und Kaufleute gefeiert.

Sehr beeindruckt hat mich das lebendige Gebet zum Rosenkranz mit der ganzen Gemeinde vor Beginn des Gottesdienstes.

Wir singen aus dem Lied GL 614 "Wohl denen, die da Wandeln..." Eingangsworte von Pater Eusebius: "Stationen auf dem Wege zum Hülfensberg, der Glaube wird zur Erfahrung, Glaube steht unter dem Erfolgszwang, sondern wir bekennen auch unsere Schuld" - Lesung aus 1. Tim. 2,1-6 "...vor allem tut Fürbitte,....einer euer Mittler". Pater Eusebius greift in seiner folgenden Predigt Gedanken des Jesuitenpaters Eunisius auf: "Am Anfang steht der Auftrag zu evangelisieren."

Dann aber die wichtige Empfehlung zum Gebet um drei Dinge: Frieden, Barmherzigkeit, Treue zu praktizieren.

Nach der Eucharistie singen wir das Lied Nr. 3O "Hilf uns glauben wie Abraham..." Es folgt die Novelle zur Hl Anna . Helmut übernimmt zum Schluss den Dank der Pilgergruppe an die Gemeinde und begrüßt als Tagespilger ein Gemeindemitglied von Bickenriede sowie Janina und Bodo, bekannt vom letzten Jahr. Mit dem Pilgerlied ziehen wir weiter.

"Unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort..." Wir pilgern hinauf zum Annaberg, der Gedenkstätte zu Ehren der Hl. Anna. Es tut uns allen gut, in Anbetracht der steigenden Mittagshitze im Schatten der Bäume wieder eine kurze Rast zu haben. Wir halten die Puncta, und Johannes hat uns zu unserem Erkennungszeichen eine

Geschichte mitgebracht , die M U S C H E L G E S C H I C H T E . Hierzu singen wir nach einer Melodie aus England den Kanon: Lausche und schaue, du bist voller Leben. Singe und bete.

Von hier zogen wir hinab in ein wunderschönes Tal und erreichen gegen 12.5O Uhr Kloster Zella, ein ehemaliges Benediktinerinnen-Kloster. Manfred hielt mit uns in der Klosterkirche das Mittagsgebet. Fünf neue Tagespilger warteten schon auf uns, um die letzte Etappe zu erleben. Zuvor aber genossen wir die Mittagspause auf einer schattigen Wiese mit Überraschungen von Willi und seinem Team.

Um 14.OO Uhr erschallte pünktlich die Glocke zum Abmarsch mit Willi, unserem Keuzträger. Wie mit einer heiligen Unruhe trieb ihn die Sehnsucht im Sinne des Pilgerliedes: "Land der großen Hoffnung, Zukunft, die uns winkt, Gott in unsrer Mitte, Sonne, die nicht sinkt."

Dank der barmherzigen Tagesführer nahmen wir den Weg nach Lengenfeld durch den Wald und suchten auch dort einen schattigen Platz für eine halbstündige Pause, den Schriftkreis. Aus dem 1. Brief des Petrus, Kapitel 3, Vers 8-17, griff jeder in der Gruppe einen für sich bedeutsamen Vers heraus. Im Gespräch ergaben sich Anfragen und Widersprüche. Für mich ist der Text eine deutliche Hilfestellung zum Evangelisieren in dieser gefallenen Welt. Wie haben wir gesungen: "Gottes Volk kann siegen über Hass uns Streit. Stärker als Gewalttat ist Gerechtigkeit."

A N K U N F T

Der Blick auf den 448 m hohen Hügel Hülfensberg stimmte die Pilgerinnen und Pilger in den letzten zwei Stunden vor dem Ziel mit Freude und Erwartung. Unwillkürlich kam mir der Text zu Psalm 121 in den Sinn ‚Ich heb meine Augen auf zu den Bergen...‘ In den Gesprächen wurde nochmals die Chance des Weges für jeden einzelnen betont, Erlebtes und Erfahrenes zu verabeiten bzw. auf Zukünftiges gelassen zuzusteuern.

Wie hatten wir doch morgens und abends gebetet: "....Leid und Kühle, Glück oder Glut". Dies alles trugen wir miteinander zu dem Kreuzweg, an dem wir uns gegen 18.OO Uhr sammelten. Was nun geschah, drücke ich mit dem Liedvers von F. v. Bodelschwingh so aus: "Nun in heiligem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah..."

An sieben Stationen blieben wir stehen und hörten die Meditation von Anselm Grün.

Und noch einmal Bodelschwing: :"Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu."

An der Wallfahrtskirche angekommen, erklang noch einmal das Lied ‚Ich will einziehen in sein Tor mit dem Herzen voller Dank....., denn ich weiß, dies ist der Tag, den der Herr gemacht!‘

Der herzliche Empfang der Franziskanerbrüder gipfelte in einem Festessen, das zusammen mit Willi und seinem Team vorbereitet war (Getränke, 2 Suppen, Würstchen und Eis!) Das hat uns sehr wohlgetan! Jeder fand ein gemütliches Schlafplätzchen, im Kloster, in der Bonifatiuskapelle oder auch im Freien. Mit Genuss konnten wir auch wieder duschen!

Bevor wir uns gegen 22.3O Uhr zur Abendandacht in der Kirche einfanden, versammelten wir uns zu einem Meeting auf dem Hof. Helmut und Martina stimmten das Lied Nr. 2O an: "Einen Mund, ein gutes Wort zu sprechen..." Nach Manfreds Einleitung stellte sich Pater Herrybert als Nachfolger von Pater Eusebius vor. Dank und persönliche Eindrücke bestimmten die nun folgende Runde. Mit dem Lied "Geh aus mein Herz und suche Freud..." klang diese Begegnung aus.

Zum Abschluss des letzten Tages trafen wir uns vor dem Hülfenskreuz in der Kirche zur Abendandacht und zum Abendsegen. Anschließend war noch Gelegenheit, den persönlichen Segen zu empfangen oder auch weiterzugeben.

Die Begegnungen der hinter uns liegenden Tage gaben dazu sicher manchen Anlass.

Auf dem Kreuzweg zum HülfensbergEinzug in die Wallfahrtskirche Hülfensberg