Pilgern - Erfahrungsberichte

Wie bist du zum Pilgern gekommen?

von Gesine

Gesine; Foto: F.F. HenningFür mich begann das Pilgern mit dem evangelischen Pilgerweg von Marburg nach Eisenach vom 11. -20.10. 1996. Die beiden Pfarrer Christian Trappe und Manfred Gerland leiteten uns an, den äusseren und inneren Weg der Heiligen Elisabeth zu ertasten und eine eigene Beziehung dazu aufzubauen. Viele hatten sich angemeldet, 14 Pilger haben dann teilgenommen, manchmal ist noch ein Tagespilger hinzugekommen.

In der Vorbesprechung zum Pilgerweg hatten wir nun Gelegenheit, uns über eine für manche schwierige Frage Gedanken zu machen. Es war die Frage, wie das Kreuz aussehen könnte, das wir vor uns hertragen werden.

Manche hatten nicht damit gerechnet, dass überhaupt ein Kreuz getragen wird.

" Und dünkt das Kreuz dich allzu schwer, das Gott dir auferlegt, dann blick auf ihn, der vor dich her das Kreuz, das blut’ ge trägt."

So warf diese Mitteilung doch viele Fragen auf:

- Ist das Kreuz vielleicht zu schwer ( tatsächlich und symbolisch )?
- Möchte ich mich mit dem Kreuz zeigen?
- Soll jeder sehen, dass ich hinter dem Kreuz hergehe?
- Will ich mich so öffentlich zu Christus bekennen?
- Erinnert mich der ständige Anblick des Kreuzes zu sehr an das Leid des Herrn und somit an das eigene Leid?
- Wandern ja, auch mit dem christlichen Hintergrund, aber mit Kreuz , muss das sein?

Es entstand ein grosses Gefühl der Erleichterung als gesagt wurde, dass das Kreuz im Sinne eines Lebensbaumes gesehen und gestaltet werden kann.

"Gott - oft haben wir Angst davor, den Weg der Versöhnung zu gehen.
Doch auf dem Weg Jesu ans Kreuz hast DU die Angst durchbrochen.
Lass uns IHM folgen und frei werden zur LIEBE, zur VERSÖHNUNG:"


So haben wir während des Pilgerweges Freude daran gefunden, das Kreuz jeden Tag mit frischen Pflanzen vom Wegesrand zu schmücken und es abwechselnd nach Wunsch zu tragen. Die inneren Erfahrungen beim Tragen des Kreuzes waren sehr bereichernd und schön.

Der Presseartikel aus der HNA (Kreisteil Schwalm) vom 16.10.1996 fängt an mit den Worten:

" Manchem mag die kleine Pilgergruppe, die ein blumengeschmücktes Kreuz mit sich trägt, bereits aufgefallen sein: Sie bewegt sich auf den Spuren Elisabeths von Thüringen ........"

" Nichts Irdisches ist ewig, aber alles Irdische kann Sinnbild des Ewigen werden."

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich bei meinem ersten Pilgerweg die Gelegenheit hatte, mich mit dem Kreuz als Symbol auseinanderzusetzen.

Das Kreuz ist schon immer ein Symbol der Vereinigung von Gegensätzen gewesen. Die Vertikale zeigt die Verbindung des Göttlichen zum Irdischen, der Natur, den Lebewesen. Die Horizontale steht für das Leben in der Dualität auf der Erde. Die Vereinigung dieser Gegensätze erfolgt im Herzpunkt, im Mittelpunkt des Kreuzes und versinnbildlicht mein eigenes Herz, in dem Christus wohnt. Somit wird das Kreuz für mich zum Schlüssel zur Auferstehung. Die Vereinigung der Gegensätze im Herzen ist auch gleichzeitig ein Sterben der Gegensätze, eine Auferstehung in der Einheit. Das gilt nicht nur für das "Nach dem Tod", sondern für das EWIGE JETZT:

JETZT ist jeder Augenblick, in dem Christus in mir die Gegensätze vereint, wenn ich bereit bin dafür und IHM mein Leben übergebe.

"Befreie dich von deinem Ich-Gefühl, streiche es sauber durch, lass es sterben am Kreuz, um die Ewigkeit zu gewinnen."

Ich freue mich, dass vom ersten Pilgerweg auch immer noch Sabine Köttelwesch, Waltraud Hempel und Johanna Rühling mit uns auf dem Weg sind.